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SPD-Spitzenkandidat Krach weist Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen Berlins SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach wegen des Verdachts der Vorteilsannahme und wettbewerbsbeschränkender Absprachen. Krach bestreitet die Vorwürfe entschieden und setzt seinen Wahlkampf fort.

SPD-Spitzenkandidat Krach weist Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück
SPD-Spitzenkandidat Krach: "Vorwürfe gegen mich unbegründet"

Der Berliner SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Hannover als unbegründet zurückgewiesen. «Ich weise sie nachdrücklich zurück», erklärte Krach am späten Donnerstagabend. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Unbegründetheit der Vorwürfe das Ergebnis der Prüfung der Ermittlungsbehörden sein wird.» Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft erstmals öffentlich gemacht, worum es in den Ermittlungen geht.

Nach Angaben der Behörde besteht der Anfangsverdacht der Vorteilsannahme in zwei Fällen. Zudem wird wegen eines Anfangsverdachts auf wettbewerbsbeschränkende Absprachen bei Ausschreibungen in Tateinheit mit der Verletzung von Geschäftsgeheimnissen und der Verletzung der Geheimhaltungspflicht ermittelt. Die Durchsuchungen fanden am Mittwoch statt und betrafen Krachs Berliner Wohnung, Büroräume in Hannover sowie die Zentrale der Berliner SPD-Landespartei. Die Ermittlungen laufen nach Angaben der Staatsanwaltschaft seit dem 3. September.

Krach erklärte, die Staatsanwaltschaft habe seinem Anwalt mitgeteilt, dass nur ein Ermittlungsverfahren gegen ihn geführt werde. Darin gehe es um zwei Fragen: zum einen um eine Spende eines Unternehmers an den SPD-Landesverband Berlin, «die bei zwei Gelegenheiten im Zusammenhang mit einem behördlichen Verfahren von mir gefordert worden sein soll». Zum anderen gehe es um eine behauptete unzulässige Weitergabe eines Bieterangebotes als Geschäftsgeheimnis im Zusammenhang mit einem Bieterverfahren für eine Immobilie. «Diese Vorwürfe gegen mich sind unbegründet», betonte Krach.

Die Ermittlungen stehen nach früheren Aussagen Krachs im Zusammenhang mit seiner Zeit als Regionspräsident von Hannover. Von diesem Amt hatte er sich ab dem 23. März 2026 beurlauben lassen, um sich auf den Wahlkampf in Berlin zu konzentrieren. Im Sommer 2025 war er als Spitzenkandidat für die Wahl des Abgeordnetenhauses nominiert worden, die in etwas mehr als einer Woche ansteht.

Konkret geht es nach Krachs Einschätzung um ein Vergabeverfahren zur Nachnutzung eines Klinikgeländes in der Region Hannover. Als Regionspräsident war er Chef des Aufsichtsrates der Klinik. In einem Bieterverfahren konkurrierten zwei Unternehmen um den Zuschlag. Einer der Bieter überwies laut Krach noch während des laufenden Verfahrens eine Spende in Höhe von 9.900 Euro an die Berliner SPD, deren kommissarischer Vorsitzender er zu dem Zeitpunkt bereits war. Er habe die Spende sofort zurücküberweisen lassen. Dies geschah nach seinen Angaben um den Jahreswechsel 2025/2026.

Brisant an dem Vorgang ist, dass Krach im Vergabeverfahren dafür eintrat, dem fraglichen Bieter den Zuschlag zu erteilen. Sein Ziel sei der Aufbau eines sogenannten Regionalen Gesundheitszentrums gewesen, das habe er den Menschen vor Ort versprochen, sagte Krach. Das von ihm favorisierte Unternehmen habe das garantiert und hohe Investitionen angekündigt. Am 19. Februar 2026 habe der Aufsichtsrat aber anders entschieden und dem zweiten Bieter den Zuschlag erteilt. Er habe sich bei der Abstimmung enthalten, schilderte Krach.

Die Vertragsverhandlungen habe die Geschäftsführung des Klinikums Region Hannover geführt, er selbst sei nie daran beteiligt gewesen. «Ich habe persönlich keinen Kontakt mit diesem Unternehmer gehabt», versicherte Krach. Er habe zuletzt vor zwei bis zweieinhalb Jahren mit ihm in Verbindung gestanden. Während des Vergabeverfahrens habe es keinen persönlichen Austausch gegeben. Er habe nicht einmal eine Handynummer von ihm.

Die Ermittlungen kommen für Krach zur Unzeit, zumal die Berliner SPD in Umfragen ohnehin nicht gut dasteht. In einer am Donnerstagabend veröffentlichten Erhebung von Infratest dimap im Auftrag der ARD kommen die Sozialdemokraten in der Hauptstadt auf 12 Prozent und stehen damit nur auf Platz fünf, hinter Linke, CDU, AfD und Grünen. Zwar legten sie innerhalb einer Woche einen Punkt zu, aber die Daten wurden von Montag bis Mittwoch erhoben, also zumindest größtenteils vor Bekanntwerden der Ermittlungen gegen den Spitzenkandidaten.

Aus der SPD kamen am Donnerstag Solidaritätsbekundungen für Krach. Bundesparteichef Lars Klingbeil sagte der Deutschen Presse-Agentur am Nachmittag bei einem Wahlkampftermin in Berlin-Charlottenburg: «Steffen Krach hat die Rückendeckung und die Solidarität der SPD.» Er kenne ihn schon sehr lange und schätze ihn sehr. «Wir wollen, dass Steffen Krach, dass die SPD jetzt in den nächsten zehn Tagen noch ordentlich aufholt, und dafür sind wir jetzt unterwegs», sagte Klingbeil.

Krach war am Donnerstagabend weiter im Wahlkampf unterwegs. Er sprach zunächst auf einer Veranstaltung zur Berliner Bewerbung für die Expo 2035. Etwas später nahm er an einer Podiumsdiskussion der Klimaschutzbewegung «Fridays for Future» mit Aktivistin Luisa Neubauer teil. Zu den Vorwürfen äußerte er sich dort nur am Rande. Die Bekanntmachungen der Staatsanwaltschaft änderten nichts an seiner Absicht, weiter Wahlkampf zu machen, betonte er.

Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.