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Berliner SPD-Kandidat Krach weist Bereicherungsvorwurf zurück

Wenige Tage vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus hat sich SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach erstmals ausführlich zu den staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen ihn geäußert. Er wies den Vorwurf der Bereicherung zurück und kündigte volle Transparenz an.

Berliner SPD-Kandidat Krach weist Bereicherungsvorwurf zurück
Berliner SPD-Kandidat geht im Spenden-Krimi in die Offensive

Der Berliner SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hat den gegen ihn erhobenen Vorwurf der Bereicherung entschieden zurückgewiesen. Auf einer Pressekonferenz wenige Tage vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September sagte der 47-Jährige, er habe «niemals privat Geld angenommen» und «auch niemals als SPD-Vorsitzender hier in Berlin eine Spende angenommen». Er habe «nichts zu verbergen», betonte Krach und stellte absolute Transparenz in Aussicht. Sollten Ermittler Interesse haben, könnten sie seine Konten einsehen.

Hintergrund der Ermittlungen ist nach Krachs Angaben ein Vergabeverfahren zur Nachnutzung eines Klinikgeländes in der Region Hannover. Krach war als Präsident der Region Hannover Chef des Aufsichtsrates der betroffenen Klinik. In einem Bieterverfahren konkurrierten zwei Unternehmen um den Zuschlag. Eines davon überwies laut Krach noch während des laufenden Verfahrens eine Spende in Höhe von 9.900 Euro an die Berliner SPD, deren kommissarischer Vorsitzender er zu diesem Zeitpunkt bereits war. Die Spende sei am 29. Dezember 2025 bei der SPD eingegangen, schilderte Krach. «Ich habe am 7. Januar 2026 um 15:11 Uhr die Information durch den Landesgeschäftsführer über diese Spende bekommen. Am 8. Januar um 6:45 Uhr, also keine 24 Stunden später, habe ich per Mail die Weisung erteilt, dass diese Spende nicht angenommen werden darf und sofort zurücküberwiesen werden muss», so Krach. «Und das ist der Beleg dafür», fügte er hinzu und hielt ein Schriftstück in die Kameras.

Brisant an dem Vorgang ist, dass Krach im Vergabeverfahren dafür eingetreten war, dem fraglichen Bieter den Zuschlag zu erteilen. Sein Ziel sei der Aufbau eines regionalen Gesundheitszentrums gewesen, das habe er den Menschen vor Ort versprochen, so Krach. Das von ihm favorisierte Unternehmen habe dies garantiert und hohe Investitionen angekündigt. Am 19. Februar 2026 habe der Aufsichtsrat jedoch anders entschieden und dem zweiten Bieter den Zuschlag erteilt. Er habe sich bei der Abstimmung enthalten, sagte Krach. An den Vertragsverhandlungen sei er nie direkt beteiligt gewesen; diese habe die Geschäftsführung des Klinikums Hannover geführt. «Ich habe persönlich keinen Kontakt mit diesem Unternehmer gehabt», versicherte Krach. Er habe zuletzt vor zwei bis zweieinhalb Jahren mit ihm in Verbindung gestanden. Während des Vergabeverfahrens habe es keinen persönlichen Austausch gegeben. Er habe nicht einmal eine Handynummer von ihm. «Ich habe keine Spende von diesem Unternehmen angenommen. Und ich sage das auch ganz offen: Der Vorwurf der Bereicherung trifft mich persönlich sehr. Denn ich habe immer klare Grenzen gezogen in den zwölf Jahren, in denen ich politisch Verantwortung trage.» Das fragliche Unternehmen äußerte sich auf Anfrage nicht.

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen Krach, äußerte sich aber bisher nicht zu konkreten Vorwürfen und verwies auf die Unschuldsvermutung. Am Mittwoch waren mehrere Objekte in Hannover und Berlin durchsucht worden, darunter Krachs Wohnung in der Hauptstadt. Dabei war ihm unter anderem sein Handy abgenommen worden, wie er schilderte. Er geht davon aus, dass ihm Korruption vorgeworfen wird. Krach sagte, er wolle das Vorgehen der Staatsanwaltschaft so kurz vor der Wahl nicht bewerten. «Ich unterstelle der Staatsanwaltschaft gar nichts», sagte er. «Ich bin absolut überzeugter Demokrat und glaube an die Unabhängigkeit der Justiz.» Er sei jedoch über den Zeitpunkt der Wohnungsdurchsuchung «überrascht». «Ich weiß nicht, was sie dort gesucht haben, unter den Betten meiner Kinder oder im Auto.» Beschlagnahmt worden seien neben seinem Handy, das er womöglich in Kürze zurückbekomme, alte Handys der Familie und ein iPad. Einen genauen Überblick habe er nicht.

Aus seiner Partei bekam Krach Rückhalt. Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sagte dem RBB, er habe die volle Solidarität und Rückendeckung. «Und das ist ganz klar, dass wir ihm hier in dieser Situation den Rücken stärken.» SPD-Fraktionschef Raed Saleh erklärte, Krach habe eine Geldspende aus Niedersachsen zurückgewiesen. «Daran erkennt die Fraktion weder eine politische noch eine strafrechtliche Relevanz und findet zudem den zeitlichen Zusammenhang mit demokratischen Wahlen bedenklich.» Krach kündigte an, in den verbleibenden Tagen bis zur Wahl unvermindert Wahlkampf zu machen. «Ich werde weiter kämpfen um jede Stimme für die SPD», sagte er. Gleichzeitig räumte er negative Auswirkungen auf seinen Wahlkampf ein. Eigentlich habe er über inhaltliche Themen und die Herausforderungen für Berlin sprechen wollen. «Das rückt jetzt leider alles in den Hintergrund.» Krach war 2021 zum Präsidenten der Region Hannover gewählt worden, ist aber seit geraumer Zeit beurlaubt. Im Sommer 2025 folgte er dem Ruf der Berliner SPD, um die Spitzenkandidatur für die Wahl zum Abgeordnetenhaus zu übernehmen. Er ist inzwischen auch Co-Vorsitzender der Berliner SPD.

Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.