Schwesig und Holm liefern sich scharfes TV-Duell vor Landtagswahl in MV
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm sind im ersten TV-Duell im Schweriner Schloss aufeinandergetroffen. Die Debatte war ungewöhnlich scharf. Laut aktueller Umfrage liegt die AfD mit 35 Prozent vorn, die SPD folgt mit drei Punkten Rückstand. Am 16. September treffen beide erneut aufeinander.
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm haben sich eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ein erstes TV-Duell geliefert. Die Debatte im Schweriner Schloss, ausgestrahlt von n-tv und dem Radiosender Ostseewelle, wurde ungewöhnlich scharf geführt. Das Rennen um die Macht im Nordosten bleibt offen: Laut einer aktuellen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des NDR liegt die AfD mit 35 Prozent vorn, die SPD folgt mit drei Punkten Rückstand.
Schwesig griff ihren Kontrahenten direkt an. Sie bezeichnete die AfD als «gefährliche Partei für unser Land, für die Wirtschaft, für das soziale, auch für uns Frauen». Nach ihren Angaben wünschen sich 60 Prozent der Bürger, dass sie Ministerpräsidentin bleibe, während Holm nur 25 Prozent erreiche. Sie warf Holm vor: «Sie reden das Land schlecht». Ihre Landesregierung mache hingegen. Holm konterte umgehend: «Sie machen halt das Verkehrte.»
Beim Thema Energie prallten die Positionen aufeinander. Schwesig lehnte den Bau neuer Kernkraftwerke ab und sagte: «Wir wollen hier nicht das Atomklo von Deutschland werden.» Holm widersprach: Seine Partei habe nicht im Programm, neue Kernkraftwerke zu bauen, «sondern wir wollen uns bemühen zu erforschen und zu schauen, ob das ein sinnvoller Weg sein kann». Das AfD-Wahlprogramm fordert jedoch einen Wiedereinstieg in die Kernenergie. Holm sagte, der Ausbau der Windkraft müsse gestoppt werden.
Der Rostocker Politikwissenschaftler Wolfgang Muno bezeichnete das Duell als «Warmlaufen». Muno zeigte sich überrascht, wie aggressiv Schwesig gegenüber Holm auftrat. Sie sei viel auf Attacke gegangen, Holm defensiver gewesen. Holm habe versucht, sich als moderat darzustellen. «Doch ich glaube, er ist ein Wolf im Schafspelz», sagte Muno. Holms Aussagen zur Fachkräfteeinwanderung stünden im Widerspruch zu den Remigrationsforderungen der Partei.
Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern findet am 20. September statt. Derzeit deutet viel auf eine Pattsituation hin. Für eine Alleinregierung der AfD reicht es Umfrageergebnissen zufolge bislang nicht. Aber auch Schwesigs rot-rote Koalition hätte keine Mehrheit. Die CDU will weder mit der Linken noch mit der AfD koalieren. Der Einzug der Grünen in den Landtag bleibt fraglich.
Die Bundespolitik lastet schwer auf Schwesigs Wahlkampf. Themen wie die Sanktionen gegen Russland wegen des Kriegs in der Ukraine, der Umgang mit der Energiekrise, aber auch die Diskussion um Rente und Pflegeversicherung spalten das Land. In Anfang September veröffentlichten Umfragen von Forsa und Insa verharrt die SPD bundesweit bei zwölf Prozent. «Die Bundesregierung ist außerordentlich unbeliebt», sagt der Greifswalder Politikwissenschaftler Jochen Müller. In Mecklenburg-Vorpommern sei diese Unzufriedenheit sogar noch stärker ausgeprägt als anderswo.
Trotzdem liegt die SPD nach der aktuellen Infratest-dimap-Umfrage im Nordosten bei 32 Prozent – deutlich hinter der AfD, aber um 20 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Zudem hat sie den Abstand zur AfD zuletzt verkleinert. Das sei auch darauf zurückzuführen, dass viele Wähler die Landtagswahl zunehmend als Entscheidung darüber wahrnähmen, ob die AfD stärkste Kraft werde. Davon profitiere vor allem die SPD; kleinere Parteien hätten es schwerer, erläutert Müller. Doch der relative Erfolg ist auch an Schwesig selbst festzumachen.
Am 16. September treffen Schwesig und Holm erneut aufeinander. Dann debattieren sie vor den Kameras des NDR.
