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Bischof Wilmer befürchtet antikirchliche Maßnahmen der AfD

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, warnt vor einer Regierungsübernahme der AfD in Sachsen-Anhalt und möglichen Maßnahmen gegen die Kirchen. Die Kirche bleibt bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Partei.

Bischof Wilmer befürchtet antikirchliche Maßnahmen der AfD
Katholische Kirche: Bischof Wilmer befürchtet antikirchliche Maßnahmen der AfD

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hat sich deutlich gegen die AfD positioniert und vor möglichen antikirchlichen Maßnahmen der Partei gewarnt. Angesichts des jüngsten Wahlerfolgs der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sagte Wilmer in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: «Die AfD stellt die Grundwerte unseres Zusammenlebens infrage.» Die Partei wolle ein anderes Deutschland im Blick auf die Grundwerte und die Demokratie. «Das ist mit uns nicht nur nicht zu machen, sondern da positionieren wir uns klar dagegen und stellen dem Menschenwürde, Nächstenliebe und Demokratie entgegen», betonte der Bischof.

Wilmer hält es für denkbar, dass die AfD im Fall einer Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt konkrete Maßnahmen gegen die Kirchen ergreifen könnte. «Ich bin da nicht naiv», sagte er. Die AfD will unter anderem den Kirchensteuereinzug beenden und auch das Kirchenasyl nicht mehr dulden. Unter Kirchenasyl versteht man, dass ein Mensch, der zum Beispiel von Abschiebung bedroht ist, vorübergehend Schutz in einer Kirche erhält. In Sachsen-Anhalt leben rund 300.000 evangelische und katholische Christinnen und Christen – 235.000 sind evangelisch, 66.000 katholisch.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte bereits 2024 die Erklärung «Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar» veröffentlicht. Diese habe weiterhin Gültigkeit, sagte Wilmer. Unter den Bischöfen, die sonst nicht immer einer Meinung seien, herrsche in dieser Frage vollkommene Einigkeit. Die Erklärung sei vor zwei Jahren einstimmig von allen gut 60 katholischen Bischöfen in Deutschland angenommen worden. «Wenn es um die Würde eines jeden Menschen geht – und das schließt insbesondere Menschen mit Flüchtlingserfahrungen oder einer anderen Herkunft selbstverständlich ein –, halten wir zusammen», unterstrich Wilmer.

Der Bischof betonte zugleich, dass die Kirche mit den Menschen, die AfD wählen, im Gespräch bleiben müsse. «Gleichzeitig haben wir Treue gegenüber dem Evangelium gelobt und gegenüber der christlich-jüdischen Tradition.» Diese habe als zentrales Element, dass alle Menschen die gleiche Würde haben, unabhängig von ihrer Herkunft, sozialen Schicht, Gesundheit, Alter oder Religion. «Diese Grundhaltung ist für uns nicht verhandelbar», sagte Wilmer. «Und wir können uns auch nicht nur auf die eigene Gruppe, die eigene Nation oder dergleichen beschränken. Als Christen haben wir einen klaren Auftrag für die ganze Welt. Wir sind eine Menschheitsfamilie. Wir gehören alle zusammen.»

Wilmer regte zudem mehr interreligiöse Gesprächsformate an, um das gegenseitige Verständnis zwischen den Religionen zu fördern. «Das wäre zum Beispiel auch wichtig, weil der Antisemitismus bei uns ja stark auf dem Vormarsch ist, was ich erschütternd finde. Antisemitismus ist Sünde», betonte er. Man werde den Scheinwerfer weiten müssen auf den Islam und auf die muslimischen Gruppen in Deutschland. «Die Blickrichtung muss sein: Wie geht gemeinsame Verantwortung für das Land, in dem wir zusammenleben?»

Heiner Wilmer war seit 2018 zunächst Bischof von Hildesheim. Am 24. Februar dieses Jahres wurde er als Nachfolger von Georg Bätzing zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Im März ernannte ihn Papst Leo XIV. zum Bischof von Münster. Damit steht er nun an der Spitze des mitgliederstärksten katholischen Bistums in Deutschland. Die AfD und die Kirchen befinden sich seit langem auf Konfrontationskurs. Die katholische Kirche behält auch nach dem jüngsten Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt ihre ablehnende Haltung gegenüber der Partei bei.

Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.