Huthi-Miliz nimmt Hafenstadt Mokka ein und kontrolliert Meerenge Bab al-Mandab
Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz hat die strategisch wichtige Hafenstadt Mokka im Jemen eingenommen. Der UN-Sondergesandte Hans Grundberg warnt vor einer «neuen und gefährlicheren Phase» im Jemen-Krieg und ernsthaften Folgen für die Schifffahrt auf einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt.
Die Huthi-Miliz hat nach Angaben jemenitischer Militärkreise und Augenzeugenberichten die strategisch wichtige Hafenstadt Mokka an der Westküste des Jemen eingenommen. Die vom Iran unterstützte Miliz kontrolliert damit einen direkten Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres. Die mit der Regierung verbündeten Kräfte hätten ihre Waffen und Ausrüstung aus Mokka in ein Gebiet südlich der Stadt verlegt, hieß es aus Militärkreisen. Dies sei Teil einer Neuordnung der Truppenstationierung in der Region nahe der Meerenge.
Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Hans Grundberg, warnte den UN-Sicherheitsrat vor einer «neuen und gefährlicheren Phase» im Jemen-Krieg. Die Einnahme von Mokka verschaffe den Huthi-Rebellen eine direkte Präsenz an den Zugängen zur Meerenge. Dies wecke ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Freiheit der Schifffahrt auf einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Saudi-Arabien kündigte unterdessen Gegenmaßnahmen gegen die vom Iran unterstützten Rebellen an.
Die Meerenge Bab al-Mandab, auch als «Tor der Tränen» bekannt, ist neben der Straße von Hormus eine der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten. Sie trennt die Arabische Halbinsel vom Horn von Afrika und verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden. An ihrer engsten Stelle liegen zwischen der jemenitischen Küste und Dschibuti nur rund 27 Kilometer. Schiffe müssen also dicht an einem Ufer vorbeifahren, das nun von den Huthis kontrolliert wird. Die Miliz hatte dort in den vergangenen Jahren mehrfach Schiffe angegriffen, teils versenkt oder gekapert.
Mit der Übernahme der Stadt können die Huthis den Schiffsverkehr im Roten Meer noch gezielter als bisher angreifen und blockieren. Noch vor wenigen Jahren passierten jährlich mehr als 20.000 Schiffe die Meerenge, im Durchschnitt rund 55 bis 60 pro Tag. Durch sie liefen ein Viertel des weltweiten Containerverkehrs und ein Drittel der europäischen Importe – vom Aluminium über Autoteile bis zu Waschmaschinen. Der Verkehr ist jedoch zurückgegangen, nachdem die Huthis Schiffe im Roten Meer angegriffen hatten. Große Reedereien wichen auf die Route um das Kap der Guten Hoffnung im Süden Afrikas aus, und viele halten bis heute an dem Umweg fest.
Noch wichtiger ist die Meerenge inzwischen für den Ölhandel geworden. Durch die Straße von Hormus lief rund ein Viertel des seegestützten Ölhandels sowie etwa ein Fünftel des Flüssiggases. Seitdem die Meerenge weitgehend blockiert ist, leitet Saudi-Arabien mehr als 70 Prozent seiner Ölexporte über eine Pipeline zum Hafen Yanbu am Roten Meer um. Damit ist der Bab al-Mandab zur Lebensader geworden. Insgesamt passierten im Juni 7,4 Millionen Barrel Öl täglich die Meerenge, was rund sieben Prozent der weltweiten Produktion entspricht.
Im Jemen kämpfen die vom Iran unterstützten Huthis gegen die international anerkannte Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird. Der Konflikt dauert seit Jahren an und hat die Region destabilisiert. Die jüngste Einnahme von Mokka könnte die Lage weiter verschärfen und die Sicherheit der internationalen Schifffahrt erheblich beeinträchtigen.
