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Kameruns Präsident Paul Biya seit mehr als zwei Monaten im Ausland

Die Regierung sagt, der 93-Jährige arbeite aus Genf. Seine lange Abwesenheit lenkt den Blick auf eine unbesetzte Vizepräsidentschaft und eine ungeklärte Nachfolgeordnung.

Kameruns Präsident Paul Biya seit mehr als zwei Monaten im Ausland
AP Photo/Sunday Alamba

Kameruns Präsident Paul Biya hält sich seit mehr als zwei Monaten außerhalb seines Landes auf. Am 7. Juni verließ der 93-Jährige Yaoundé gemeinsam mit seiner Frau Chantal. Die Präsidentschaft bezeichnete die Reise als «kurzen privaten Aufenthalt in Europa». Später bestätigte die Regierung, dass sich Biya in Genf in der Schweiz befindet. Ein offizielles Rückkehrdatum wurde nicht bekanntgegeben.

Der Begriff «verschwunden» wäre deshalb irreführend. Biyas Aufenthaltsort ist bekannt. Ungewöhnlich ist vielmehr die Dauer der Reise und die Tatsache, dass seit seinem Abflug keine unabhängig bestätigte neue öffentliche Erscheinung des Präsidenten dokumentiert wurde. Regierung und Opposition ziehen daraus sehr unterschiedliche Schlussfolgerungen.

Die Regierung betont die Kontinuität. Kommunikationsminister René Emmanuel Sadi erklärte, Biya sei bei guter Gesundheit und arbeite von Genf aus. Weitere Regierungsvertreter sagten, dem Präsidenten würden Akten vorgelegt und er verfolge die Staatsgeschäfte. Anfang August nahm Biya außerdem eine größere Umbesetzung in der militärischen Führung vor: Vier der fünf gemeinsamen Militärregionen erhielten neue Kommandeure, mehrere ranghohe Offiziere wurden befördert.

Gleichzeitig kursieren seit Wochen Berichte über den Gesundheitszustand des Präsidenten. Medien meldeten unter Berufung auf Quellen mögliche medizinische Behandlungen oder einen Klinikaufenthalt in der Schweiz. Die kamerunische Regierung dementierte eine Hospitalisierung ausdrücklich. Der Leiter des zivilen Präsidialkabinetts erklärte gegenüber Le Monde, Biya sei weder operiert noch ins Krankenhaus eingeliefert worden. Unabhängige medizinische Belege für die Berichte liegen nicht vor.

Die politische Bedeutung der Abwesenheit hängt eng mit Biyas außergewöhnlich langer Amtszeit zusammen. Er ist seit 1982 Präsident und gilt als ältester amtierender Präsident der Welt. Ende 2025 begann er nach einer umstrittenen Wahl seine achte Amtszeit. 2008 war die verfassungsrechtliche Begrenzung der Zahl der Präsidentenmandate aufgehoben worden. Damit hat Kamerun seit mehr als vier Jahrzehnten keinen Machtwechsel an der Staatsspitze erlebt.

Im April 2026 wurde das Amt des Vizepräsidenten wieder in die Verfassungsordnung aufgenommen. Der Posten soll im Fall einer Verhinderung des Staatsoberhaupts eine zentrale Rolle bei der Kontinuität spielen. Bislang hat Biya jedoch keinen Vizepräsidenten ernannt. Gleichzeitig enthält die Verfassung keine feste Höchstdauer für Auslandsaufenthalte des Präsidenten.

Diese Lücke nutzt die Opposition für scharfe Kritik. Sie spricht von einem «institutionellen Vakuum», von «Fernsteuerung» und einem Land auf «Autopilot». Rechtlich ist damit nicht festgestellt, dass das Präsidentenamt vakant wäre. Die Regierung verweist auf laufende Entscheidungen und bestreitet, dass der Staat handlungsunfähig sei. Der Konflikt dreht sich somit weniger um eine einzelne Vorschrift als um Transparenz und politische Verantwortung.

Die Debatte fällt in eine schwierige Zeit. Im Norden des Landes bleibt Boko Haram aktiv, während im englischsprachigen Westen ein separatistischer Konflikt andauert. Wirtschaftlich kämpft Kamerun, die größte Volkswirtschaft Zentralafrikas, mit Stagnation und Infrastrukturproblemen. Eine verlässliche Entscheidungskette ist unter solchen Bedingungen besonders wichtig.

Hinzu kommt ein auffälliger Generationenunterschied. Mehr als 70 Prozent der fast 30 Millionen Einwohner Kameruns sind jünger als 35 Jahre. Viele Menschen wurden lange nach Biyas Amtsantritt geboren und kennen keinen anderen Präsidenten. Für diese junge Bevölkerung stehen Arbeitsplätze, Bildung, Sicherheit und politische Mitsprache im Vordergrund. Die Frage nach der Nachfolge ist deshalb nicht nur eine Elitendebatte.

Biyas Abwesenheit zeigt gleichzeitig Stärke und Schwäche des Systems. Stärke, weil staatliche Entscheidungen offenbar auch aus Genf weiterlaufen und wichtige Personalakte vollzogen werden können. Schwäche, weil die politische Ordnung weiterhin so stark auf eine einzelne Person zugeschnitten ist, dass eine lange Reise sofort Grundsatzfragen über die Funktionsfähigkeit des Staates auslöst.

Der gesicherte Kern der Geschichte ist deshalb nüchterner als die Gerüchte: Paul Biya verließ Kamerun am 7. Juni, befindet sich nach Regierungsangaben in Genf, ist seit mehr als zwei Monaten nicht öffentlich zurückgekehrt und hat keinen angekündigten Rückkehrtermin. Die Regierung erklärt, er arbeite weiter. Die Opposition verlangt klarere Regeln und eine glaubwürdige Nachfolge. Solange es keine neue öffentliche Erscheinung oder einen konkreten Rückkehrplan gibt, wird diese institutionelle Frage Kamerun weiter beschäftigen.