Xi Jinping beginnt dreitägigen Staatsbesuch in Washington
US-Präsident Trump empfängt Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Washington. Der Empfang auf einem Militärflugplatz und ein Staatsbankett unterstreichen die besondere Ehrerbietung. Im Zentrum der Gespräche dürften Rivalitäten bei Künstlicher Intelligenz und Halbleitern stehen.
US-Präsident Donald Trump empfängt an diesem Donnerstag Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Washington. Der Empfang findet auf der Joint Base Andrews statt, einem Militärflugplatz außerhalb der US-Hauptstadt, von dem aus der Präsident sonst mit der Air Force One zu Auslandsreisen startet. Trump will Xi persönlich auf dem Rollfeld begrüßen – eine protokollarische Geste, die seit dem Empfang des britischen Premierministers Harold Macmillan durch John F. Kennedy im Jahr 1962 nicht mehr praktiziert wurde, abgesehen von Besuchen von Päpsten.
Für den chinesischen Staatschef sind solche Details von Bedeutung. Xi hatte sich für seinen Aufenthalt in Washington den höchsten Rang diplomatischer Inszenierung gewünscht. Trump kommt diesem Wunsch entgegen, zumal Xi ihn im Mai in Peking ebenfalls hofiert hatte. Geplant sind ein Ehrenspalier, 21 Salutschüsse und ein formeller Empfang auf dem Rasen vor dem Weißen Haus. Wochenlang hatte das Weiße Haus die Einzelheiten mit der chinesischen Regierung abgestimmt. Am Freitag soll Xi zudem die National Archives besuchen, wo die 250 Jahre alte amerikanische Unabhängigkeitserklärung ausliegt. Am Abend will Trump zu Ehren seines Gastes ein Staatsbankett geben.
Hinter der demonstrativen Freundschaft verbirgt sich jedoch eine ernste Rivalität. Beide Staatschefs haben ein Interesse daran, dass ihr Aufeinandertreffen vor der eigenen Bevölkerung und der Weltöffentlichkeit gut aussieht. Doch jenseits des roten Teppichs liegen die Interessen weit auseinander. Die USA wollen ihre technologische und wirtschaftliche Abhängigkeit von China begrenzen, Peking will den amerikanischen Einfluss zurückdrängen und die eigene Macht in der eigenen Hemisphäre sowie weltweit sichern. Bei Künstlicher Intelligenz, Halbleitern und anderen Schlüsseltechnologien geht es längst um mehr als Handelsfragen – es geht um die Frage, wer im Rennen um eine der mächtigsten Technologien die Führung übernimmt.
Die Rivalität bei Künstlicher Intelligenz steht an diesem Donnerstag ganz oben auf der Tagesordnung. Trump hatte am Dienstag in seiner Rede vor den Vereinten Nationen in New York erklärt, die USA führten bei Künstlicher Intelligenz weit vor China. Pekings Diplomaten verfolgten diese Worte mit versteinerten Mienen. In China ist man sich der eigenen Stärke auf diesem Gebiet bewusst, und der Vorsprung der USA schrumpft nach Einschätzung von Beobachtern zunehmend.
Wie gefährlich die Rivalität werden kann, zeigt ein jüngst bekanntgewordener Vorfall. Ein US-Geheimdienstbericht kam zu dem Schluss, ein chinesisches Schiff im Nahen Osten transportiere Komponenten für ein Nuklearwaffenprogramm. Das US-Militär bereitete daraufhin eine Operation vor, um das Schiff abzufangen und möglicherweise zu entern. Militärflugzeuge waren bereits in der Luft, als auffiel, dass die Grundlage für den Bericht mithilfe eines KI-Chatbots erstellt worden war. Die Fracht des Schiffes war falsch identifiziert worden. Die Operation wurde abgebrochen. Der Vorfall hätte nach Einschätzung von Fachleuten beinahe eine direkte militärische Konfrontation zwischen den USA und China ausgelöst.
Die US-Regierung steht vor der Frage, wie sie Chinas Einfluss bei Schlüsseltechnologien eindämmen kann. Bei Exportkontrollen für moderne Chips, die für Künstliche Intelligenz benötigt werden, hatte Washington zuletzt Abstand von weitergehenden Maßnahmen genommen. Die Sorge im Weißen Haus: Ein neuer Schlag gegen China könnte nicht nur eine Verständigung zwischen den beiden Supermächten erschweren, sondern auch die eigene Wirtschaft treffen. Beobachter erwarten, dass Trump und Xi bei ihren Gesprächen versuchen werden, eine erneute Eskalation des Verhältnisses zu verhindern, ohne bei den strittigen Technologiefragen nachzugeben.
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