Julia Willie Hamburg führt die niedersächsischen Grünen in den Landtagswahlkampf
Die Grünen in Niedersachsen haben Bildungsministerin Julia Willie Hamburg einstimmig als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2027 nominiert. Hamburg fordert, dass endlich eine Frau in die Porträtgalerie der Staatskanzlei einziehen soll.
Die niedersächsischen Grünen gehen mit Julia Willie Hamburg als Spitzenkandidatin in die Landtagswahl 2027. Die stellvertretende Ministerpräsidentin und Kultusministerin wurde auf dem Landesparteitag in Hameln nominiert. Von den 212 stimmberechtigten Delegierten votierten alle für sie, das Ergebnis fiel also einstimmig aus.
Hamburg ist seit Ende 2022 für Schulen und Kitas im Land verantwortlich. Die Zuständigkeit für die frühkindliche Bildung und den Schulbetrieb gehört damit zu den größten Ressorts der Landesregierung. Zudem sitzt sie im Aufsichtsrat von Volkswagen als Vertreterin des Landes, da der Autokonzern in Niedersachsen einen seiner wichtigsten Standorte hat. Die 40-Jährige gehört seit 2013 dem Niedersächsischen Landtag für die Grünen an und bringt damit mehr als ein Jahrzehnt parlamentarischer Erfahrung mit.
In ihrer Rede stellte Hamburg die Geschlechterfrage in den Mittelpunkt. Niedersachsen hat bislang zwölf Ministerpräsidenten gehabt, alle waren Männer. Hamburg sagte sinngemäß, es sei Zeit für eine Frau, und forderte, dass endlich eine Frau in die Porträtgalerie der Staatskanzlei aufgenommen werde. Sie ließ zugleich erkennen, dass sie selbst den Anspruch hat, die nächste Landesregierung anzuführen. Parteikollegen sehen in ihr eine mögliche erste Ministerpräsidentin des Landes, eine Perspektive, die auf dem Parteitag mehrfach Zustimmung fand.
Deutliche Kritik übte Hamburg an der Bundesregierung aus CDU und SPD, von der sie sich ausdrücklich distanzierte. Bundeskanzler Friedrich Merz warf sie vor, nach unten zu treten, also Schwächere anzugreifen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche bezichtigte sie, die Energiewende zu blockieren. Deren Kurs gefährde nach Hamburgs Darstellung die Industrie in Niedersachsen, deren Beschäftigte und Zulieferer im Land auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen seien. Die Grünen stellen damit die Energie- und Wirtschaftspolitik des Bundes ins Zentrum ihrer Abgrenzung im Wahlkampf.
Auch zu den Jugendprotesten bezog Hamburg klar Stellung. Sie unterstützt die jungen Demonstrierenden der Generation Z und stellt sich hinter deren Anliegen. Die Debatte im Bund, die Ausschreitungen bei Protesten vor allem Migranten zuschreibt, kritisierte sie scharf. Ihrer Ansicht nach werde das berechtigte Anliegen junger Menschen dadurch diskreditiert, statt die eigentlichen Forderungen ernst zu nehmen.
Offen bleibt, wie die Landtagswahl 2027 ausgeht. Ebenso ist noch nicht entschieden, ob Hamburg tatsächlich bis zum Ende des Wahlkampfs als Spitzenkandidatin antritt. Die Nominierung ist damit ein Vorentscheid, dessen weiterer Verlauf von der politischen Entwicklung bis zur Wahl abhängt.
Quelle: stern.de
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