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UN warnen vor verschärfter Hungerkrise in Afghanistan im Winter

Die Vereinten Nationen erwarten, dass im kommenden Winter bis zu 19,2 Millionen Afghanen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein könnten. Steigende Lebensmittelpreise, rückläufige Hilfszahlungen und Rückkehrer aus Pakistan und Iran verschärfen die Lage.

UN warnen vor verschärfter Hungerkrise in Afghanistan im Winter
© stern.de

Die Vereinten Nationen warnen vor einer sich zuspitzenden Hungerkrise in Afghanistan. Für den kommenden Winter wird erwartet, dass bis zu 19,2 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein könnten. Bei rund 49 Millionen Einwohnern des Landes ist bereits heute etwa ein Drittel auf Hilfe angewiesen, um ausreichend zu essen.

Der Alltag vieler Menschen in der Hauptstadt Kabul zeigt, was dahintersteckt. Der Straßenverkäufer Imran Ullah bietet Suppe an und verdient damit kaum genug, um Brot für seine Familie zu kaufen. Ullah war zuvor aus Pakistan abgeschoben worden und hatte dort sowohl sein Einkommen als auch seine Lebensgrundlage verloren. Ein Neuanfang in der Heimat gelingt ihm bislang nur mühsam. Seine Sorge bringt er knapp auf den Punkt: „Die Angst kommt in unser Haus“.

Die Preise für Grundnahrungsmittel steigen deutlich. Reis und Mehl sind teurer geworden, Kartoffeln kosten nach Angaben der Vereinten Nationen 37 Prozent mehr als im Vorjahr. Für Tagelöhner, die ohne Ausbildung arbeiten, wird es zunehmend schwierig. Sie finden nach Schilderungen nur etwa zwei Tage pro Woche Arbeit. Der übliche Tageslohn liegt bei rund 300 Afghani, was etwa vier Euro entspricht. Damit lässt sich kaum eine Familie ernähren.

Wie stark der Druck auf Haushalte ist, zeigt das Beispiel des Käufers Hadschi Safiullah Khan. In seiner Familie sind nur zwei Söhne erwerbstätig. Die Familie schränkt ihre Einkäufe ein, greift zu billigeren Waren und kauft zunehmend auf Kredit. Solche Strategien gehören inzwischen zum Alltag vieler Haushalte, die sich kaum noch über Wasser halten können.

Mehrere Faktoren treffen dabei zusammen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind die internationalen Hilfsgelder in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Westliche Regierungen beschränken zudem ihre Zusammenarbeit mit den regierenden Taliban, unter anderem wegen der Verletzung von Frauenrechten. Gleichzeitig treibt der Krieg im Iran die globalen Lebensmittelpreise nach oben, was sich auch auf die ohnehin angespannte Versorgungslage in Afghanistan auswirkt.

Hinzu kommt die Rückkehr zahlreicher Menschen. Laut dem Hohen Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) kehrten in diesem Jahr 1,2 Millionen Afghanen aus Pakistan und dem Iran zurück. Seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 sind es mehr als vier Millionen. Viele Rückkehrer treffen auf eine schwache Wirtschaft und wenig Arbeit, was den Druck auf den Arbeitsmarkt und die Lebensmittelversorgung weiter erhöht.

Auch das Verhältnis zu Pakistan ist belastet. Die Spannungen zwischen beiden Ländern haben sich verschärft, die Grenzübergänge sind seit über einem Jahr geschlossen. Pakistan wirft Kabul vor, terroristische Gruppen zu unterstützen, was die Taliban zurückweisen. Zugleich wächst in Pakistan die Ablehnung gegenüber Afghanen, und weitere Zwangsabschiebungen werden befürchtet. Für Menschen wie Ullah bedeutet das, dass Rückkehr und Neuanfang zusätzlich erschwert werden.

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Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.