Roger Taylor veröffentlicht Soloalbum mit 77 Jahren
Der Queen-Schlagzeuger Roger Taylor bringt mit 77 Jahren sein siebtes Soloalbum «Violence Insane in a Beautiful World» heraus. Darin verarbeitet er Sorgen über Gewalt und Kriege, rechnet aber auch mit Donald Trump ab.
Der Queen-Schlagzeuger Roger Taylor meldet sich mit 77 Jahren musikalisch zurück. Sein siebtes Soloalbum trägt den Titel «Violence Insane in a Beautiful World» und ist nach seinen Worten ein Appell, die Schönheit der Welt nicht zu zerstören. «Es gibt gerade so viel Gewalt auf der Welt, Kriege und das alles. Und trotzdem ist es eine schöne Welt. Ich will einfach nur sagen: Macht sie nicht kaputt», sagte Taylor im Interview der Deutschen Presse-Agentur.
Der Albumtitel spiegele genau das wider, was ihn umtreibe, so der Musiker. «Eigentlich spricht der Albumtitel schon für sich», sagte Taylor. Die Spannung zwischen Schönheit und Gewalt zieht sich durch das gesamte Werk. Der Opener «A Beautiful World» beginnt mit Vogelzwitschern, harmonischem Piano und den Stimmen des südafrikanischen Ndlovu Youth Choir. Danach folgen harte E-Gitarren, ein stampfendes Schlagzeug und eine verzerrte Stimme im Titeltrack «Violence Insane». Für Taylor gehören diese Gegensätze zusammen: «Die beiden gehören irgendwie zusammen.»
Das Album ist eine eklektische Mischung unterschiedlichster Songs, die sich über die Jahre angesammelt hätten. Die vorab veröffentlichte Single «Come on Summer (It's Party Time)» mit dem Ndlovu Youth Choir gilt als eines der Highlights. Taylor zeigt sich darauf von seiner mitreißenden Seite, während andere Stücke nachdenklicher ausfallen.
Anders als bei Queen wird Taylor auf dem Soloalbum explizit politisch. In dem Song «Chump» rechnet er mit US-Präsident Donald Trump ab. «Ein Mann ohne Moral und echten Qualitäten», singt er darin. «Da mache ich kein Geheimnis draus», sagte Taylor. «Ich kann es einfach nicht fassen, dass dieser furchtbare Mann auf gewisse Weise einer der mächtigsten Menschen der Welt ist.» Bei Queen sei es um Unterhaltung gegangen, erklärte der Schlagzeuger, der für Welthits wie «Radio Ga Ga» und «A Kind of Magic» verantwortlich zeichnete. «Aber wenn man eine Soloplatte für sich selbst macht, kann man sagen, was man will. Da muss man sich keine Gedanken machen, was andere denken.»
Trotz der politischen Töne ist «Violence Insane in a Beautiful World» überwiegend ein positives Album. «Irgendwann kommt eine Zeit, in der Freundlichkeit das Einzige ist, was zählt», singt Taylor in «What Really Matters». Diese Erkenntnis sei ihm im Alter gekommen, erzählt der 77-Jährige. Freundlichkeit sei «einfach diese Riesen-Superkraft». In «I See You Now» richtet er eine Liebeserklärung an seine Ehefrau Sarina. «Sie ist wahrscheinlich der netteste Mensch, den ich kenne», sagte Taylor. Eine weitere Ballade ist eine Coverversion von John Lennons «Jealous Guy».
Für humorvolle Momente sorgt der Song «Don't Photograph Food», in dem sich Taylor über Social-Media-Nutzer lustig macht, die ihre Mahlzeiten fotografieren. Er singt über Simpsons-Wolken, schnelle Autos und Essen. «Fotografiert nicht das Essen», sagte er lachend. «Ich weiß, wie das aussieht.»
Mit seiner markanten Stimme hat Roger Taylor auch schon einige Queen-Songs gesungen. Leadsänger habe er aber nie sein wollen. «Wir hatten schließlich Freddie Mercury», sagte er. «Ich wollte einfach nur in einer Band sein.» Dass er solo ebenfalls überzeugen kann, beweist er nun mit seinem siebten Album. Die Platte erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem der Musiker auf eine jahrzehntelange Karriere zurückblickt und sich zugleich klar positioniert – musikalisch wie politisch.
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