Samstag, 12. September 2026 Nachrichten im Zusammenhang Über die Zeitung
Güldendorf Suche

Wirtschaft

Saudische Ölexporte unter Druck: Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriff stillgelegt

Nach Drohnenangriffen auf die Ost-West-Pipeline hat Saudi-Arabien die zentrale Exportroute vorsorglich stillgelegt. Die Huthi-Miliz bedroht die Meerenge Bab al-Mandab, der Iran blockiert die Straße von Hormus. Der Ölpreis steigt deutlich.

Saudische Ölexporte unter Druck: Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriff stillgelegt
Pipeline stillgelegt: Saudische Ölexporte massiv unter Druck

Saudi-Arabien gerät im sich ausweitenden Nahost-Konflikt zunehmend in Bedrängnis. Nach Drohnenangriffen auf die Ost-West-Pipeline hat das Königreich die zentrale Exportroute vorsorglich stillgelegt. Die mehr als 1.200 Kilometer lange Leitung, die große Mengen Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer transportiert, fällt damit als Ausweichroute aus. Das saudische Außenministerium teilte mit, bei dem aus dem Irak gestarteten Angriff seien Schäden verursacht und mehrere Menschen verletzt worden.

Die Pipeline ist für Saudi-Arabien von strategischer Bedeutung. Über sie können täglich bis zu sieben Millionen Barrel Öl aus der Region am Persischen Golf zur Verschiffung nach Westen ans Rote Meer gepumpt werden. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar und der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus durch iranische Drohungen und Angriffe auf Schiffe versuchte das Königreich mit Hilfe der Pipeline einen noch größeren Einbruch seiner Ölexporte zu verhindern. Die Pipeline-Infrastruktur war bereits im April angegriffen worden, woraufhin die Kapazität kurzzeitig gedrosselt werden musste.

Wer hinter dem jüngsten Angriff steckt, wurde nicht mitgeteilt. Im Irak operieren mehrere vom Iran unterstützte Milizen. Das saudische Außenministerium erklärte, auf Bitten des Nachbarlands werde man aktuell im Irak keine Schritte gegen die Angreifer unternehmen. Zunächst bekämen die irakischen Behörden die Chance, selbst Maßnahmen zu ergreifen, um künftige Angriffe zu vermeiden. US-Medien berichteten unter Berufung auf Satellitenbilder, bei den Angriffen seien wohl Pumpstationen getroffen worden. Wie groß der Schaden ist und bis wann er behoben werden kann, blieb zunächst unklar.

Die Lage wird dadurch verschärft, dass auch Saudi-Arabiens wichtigste Routenalternative zur Straße von Hormus zunehmend gefährdet ist. Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen nahmen jemenitischen Regierungsquellen zufolge die gesamte Küste des Roten Meers im Jemen und strategisch wichtige Inseln ein. Damit haben die Huthi deutlich mehr Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet. Ein Huthi-Sprecher versicherte, die Sicherheit der Schifffahrt werde gewährleistet – das gelte jedoch nicht für saudische Schiffe.

Der Bab al-Mandab ist Teil einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, die vom Mittelmeer über den Suezkanal bis in den Indischen Ozean führt und den kürzesten Seeweg zwischen Europa und Asien darstellt. Die Huthi-Miliz hat dort in der Vergangenheit immer wieder Schiffe angegriffen. Im Osten Saudi-Arabiens ist die Passage aus dem Persischen Golf über die Straße von Hormus weitgehend blockiert, im Westen schließt sich Bab al-Mandab. Die möglichen Exportrouten des Königreichs werden damit massiv eingeschränkt.

Die Folgen für den Weltmarkt sind bereits spürbar. Der Ölpreis legte zuletzt deutlich zu. Der Preis für ein Barrel der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November erreichte am Freitag zeitweise fast 110 US-Dollar. Vor dem Iran-Krieg lag der Ölpreis im Februar bei um die 70 Dollar pro Barrel. Der Analyst Hamad Hussain von der Beratungsfirma Capital Economics sagte, der Vormarsch der Huthi und die Schäden an der Pipeline könnten den Ölpreis in Richtung 120 US-Dollar pro Barrel treiben. Letztlich hänge das auch vom Ausmaß der Schäden an der Pipeline ab. Manche Analysten halten bei einem längeren Andauern des Konflikts auch einen noch höheren Ölpreis für möglich. Noch liegt er aber ein gutes Stück unter dem Jahreshoch von rund 126 Dollar, das Ende April erreicht wurde.

Saudi-Arabien war vor dem Krieg hinter den USA der zweitgrößte Ölproduzent und der weltweit wichtigste Exporteur des Rohstoffs, der für die gesamte Weltwirtschaft von zentraler Bedeutung ist. Eine zusätzliche Reduzierung saudischer Exporte könnte den Ölpreis und damit die Benzinpreise auch in Deutschland weiter ansteigen lassen. Vor dem Iran-Krieg lief noch etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggasexporte über die Straße von Hormus. Offen bleibt weiterhin die Passage durch das Nadelöhr am Persischen Golf.

Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.