Ölpreis steigt auf 108 Dollar nach Angriffen im Persischen Golf
Die Angriffe der USA und des Irans rund um die Straße von Hormus treiben den Brent-Rohölpreis auf den höchsten Stand seit Mai. Die Börsen reagieren nervös, während Anleger auf die US-Inflationsdaten und die Fed-Entscheidung warten.
Der Preis für ein Fass der Nordsee-Ölsorte Brent ist am Donnerstag auf 108 US-Dollar gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit Mai erreicht. Erst am Vortag war die Marke von 100 Dollar überschritten worden. Hintergrund sind die gegenseitigen Angriffe der USA und des Irans rund um den wichtigen Öl-Transportweg durch die Straße von Hormus. Die Entwicklung treibt die Ölpreise hoch und belastet die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten.
Die Börsen in den USA knüpften an ihren bislang schwachen Wochenverlauf an. Unter den Anlegern hält sich die Sorge vor einer weiter steigenden Inflation und damit verbundenen Zinserhöhungen. Die Verkaufswelle erfasste am Donnerstag auch die zuletzt relativ robusten Technologiewerte. Der Nasdaq 100 verlor 1,08 Prozent auf 29.103,51 Punkte. Der Dow Jones Industrial verbuchte mit einem Abschlag von 0,6 Prozent auf 52.064,10 Zähler seinen vierten schwachen Handelstag in Folge. Der marktbreite S&P 500 gab um 0,58 Prozent auf 7.591,70 Punkte nach.
Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) wie erwartet den Leitzins angehoben hat, richtet sich der Fokus der Anleger jetzt auf den Entscheid der US-Notenbank Federal Reserve in der kommenden Woche. Davor werden am Freitag aber noch die US-Inflationsdaten erwartet. Diese könnten weitere Hinweise darauf geben, wie stark der Preisdruck bleibt und ob die Fed zu einer noch strafferen Geldpolitik gezwungen sein könnte.
Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Engpässe für den globalen Ölhandel. Ein erheblicher Teil der weltweiten Rohölexporte wird über diese Meerenge transportiert. Die jüngsten Angriffe haben die Risikowahrnehmung der Marktteilnehmer deutlich erhöht. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, drohen zusätzliche Preissteigerungen, die sich auch auf die Verbraucherpreise und die Konjunktur auswirken könnten.
Für die deutsche Wirtschaft ist die Entwicklung besonders relevant, da Deutschland einen großen Teil seines Energiebedarfs über Importe deckt. Steigende Ölpreise verteuern nicht nur Kraftstoffe, sondern auch viele industrielle Vorprodukte. Die Inflationssorge der Anleger ist daher nicht auf die USA beschränkt. Auch in Europa könnten die Energiepreise die Teuerungsrate erneut anheizen und den Spielraum der EZB bei künftigen Zinsentscheidungen verengen.
Die Märkte bleiben angespannt. Anleger beobachten sowohl die geopolitische Lage im Persischen Golf als auch die anstehenden Konjunkturdaten genau. Ob sich der Ölpreis auf dem erhöhten Niveau stabilisiert oder weiter steigt, hängt maßgeblich davon ab, wie sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran entwickelt. Bis dahin dürften die Börsen volatil bleiben.
