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Grupp kritisiert Enteignungspläne der Linken in Berlin

Der frühere Trigema-Chef Wolfgang Grupp lehnt die von der Berliner Linken geplante Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen ab und fordert zugleich mehr Verantwortung der Konzerne.

Grupp kritisiert Enteignungspläne der Linken in Berlin
Wolfgang Grupp: Ex-Trigema-Chef kritisiert Enteignungspläne der Linken

Der frühere Trigema-Chef Wolfgang Grupp hat die Pläne der Linken zur Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen in Berlin scharf kritisiert. «Wohnungsunternehmen einfach zu enteignen, kann nicht sein», sagte der 84-Jährige der «Bild»-Zeitung. «In einer Marktwirtschaft kann man niemanden enteignen, nur weil sein Unternehmen gut läuft.» Grupp äußerte sich damit nach dem Wahlsieg der Linken bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, bei der die Partei nach dem vorläufigen Ergebnis mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden war.

Zugleich verlangte Grupp mehr Verantwortung und Haftung von großen Wohnungsgesellschaften. «Die müssen geradestehen für das, was sie tun», sagte er. Bei den Kosten sieht der Unternehmer klare Grenzen: «Beim Wohnungsbau und bei den Mieten kann nicht alles immer teurer werden. Es muss gerecht sein.» Grupp, der das schwäbische Textilunternehmen Trigema über Jahrzehnte führte und als Firmenpatriarch bekannt wurde, hält mit seiner Meinung nur selten hinter dem Berg – auch nicht nach dem Wahlerfolg der Linken in Berlin.

Die Linke war bei der Wahl am Sonntag mit 25,7 Prozent der Stimmen stärkste Kraft geworden und schnitt damit doppelt so stark ab wie bei der letzten Wahl 2023. Dahinter folgen die CDU mit 18,8 Prozent, die AfD mit 16,3 Prozent, die Grünen mit 14,3 Prozent und die SPD mit 12,1 Prozent. Spitzenkandidatin Elif Eralp, die als erste Regierende Bürgermeisterin ihrer Partei ins Rote Rathaus einziehen könnte, will in möglichen Koalitionsverhandlungen eine Vergesellschaftung von Wohnungen großer Konzerne gegen Entschädigung in den Mittelpunkt stellen.

Die Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen ist seit Jahren ein zentrales Anliegen der Berliner Linken. Bereits vor der Wahl plakatierte die Partei «Immobilienkonzerne enteignen» und stellte auch nach ihrem Wahlsieg klar, dass sie dieses Ziel in Berlin weiterverfolgen will. Offen ist, ob ein solcher Schritt tatsächlich umgesetzt werden kann und wie eine mögliche Koalition damit umgeht.

Kritik an den Enteignungsplänen kommt auch aus anderen politischen Lagern. Der frühere Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, sieht nach dem Wahlsieg der Linken große Herausforderungen bei der Bildung einer neuen Landesregierung. Bundeskanzler Friedrich Merz will nach dem Wahlsieg der Linken ein Gesetz für ein Enteignungsverbot voranbringen. Nach Auffassung der Linken falle der Kanzler damit allen Mietern «eiskalt» in den Rücken.

Die Debatte berührt grundsätzliche Fragen der Wirtschaftsordnung. Grupp argumentiert, eine Enteignung allein wegen des wirtschaftlichen Erfolgs eines Unternehmens sei mit einer Marktwirtschaft nicht vereinbar. Zugleich räumt er Handlungsbedarf bei den Wohnkosten ein und verlangt von den großen Gesellschaften, für ihr Handeln einzustehen. Damit positioniert sich der Unternehmer zwischen scharfer Ablehnung der Vergesellschaftungspläne und der Forderung nach mehr Verantwortung der Wohnungskonzerne.

Wie sich die Berliner Linke in möglichen Koalitionsgesprächen durchsetzt, ist offen. Klar ist, dass die Vergesellschaftung von Wohnraum nach dem Wahlergebnis weiter im Zentrum der politischen Auseinandersetzung in der Hauptstadt steht – und dass die Kritik daran nicht nur von wirtschaftsnahen Stimmen, sondern auch aus der SPD kommt.

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Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.