Bundesbank: Deutsche Wirtschaft verliert vorübergehend an Fahrt
Hohe Energiepreise, schwacher Konsum und das Niedrigwasser im Rhein bremsen die Konjunktur im dritten Quartal. Die Bundesbank erwartet für das Jahresende jedoch eine Erholung.
Die deutsche Wirtschaft wächst im dritten Quartal nur noch leicht. Hohe Energiepreise, ein schwacher privater Konsum und die Folgen des Niedrigwassers auf wichtigen Wasserstraßen belasten die Konjunktur. Das geht aus dem Monatsbericht September der Bundesbank hervor. Die Notenbank bekräftigt darin ihre frühere Einschätzung, dass das Bruttoinlandsprodukt saisonbereinigt zum Vorquartal nur geringfügig zulegen wird.
Für das vierte Quartal zeigt sich die Bundesbank jedoch optimistischer. «Im vierten Quartal sollte die deutsche Wirtschaft wieder stärker zulegen», heißt es in dem Bericht. Die Volkswirte der Notenbank machen allerdings zwei Vorbehalte: Entscheidend sei, wie sich der Konflikt im Nahen Osten entwickelt und wie schnell sich die Pegelstände wichtiger Wasserstraßen normalisieren. Trotz der aktuellen Dämpfer verlasse die deutsche Wirtschaft den eingeschlagenen Erholungskurs grundsätzlich nicht, betont die Bundesbank.
In den ersten beiden Quartalen des Jahres 2026 hatte Europas größte Volkswirtschaft noch ein Plus von 0,4 Prozent und 0,3 Prozent verzeichnet. Der aktuelle Dämpfer fällt in eine Phase, in der die Industrie ohnehin unter Druck steht. Das Niedrigwasser im Rhein bremst im laufenden dritten Quartal die Produktion, weil wichtige Transportwege für Rohstoffe und Vorprodukte eingeschränkt sind. Hinzu kommt, dass die Exporte nach Einschätzung der Bundesbank voraussichtlich weniger zum Wirtschaftswachstum beitragen werden.
Auch der private Konsum dürfte verhalten bleiben. Als Grund nennt die Bundesbank die hohen Energiepreise, die infolge des Iran-Kriegs die Kaufkraft der Menschen in Deutschland schmälern. Nach dem Auslaufen des damaligen Tankrabatts Ende Juni war die allgemeine Teuerungsrate wieder deutlich gestiegen. Im August lagen die Verbraucherpreise um 2,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.
Eine rasche Entspannung bei der Inflation ist nach Einschätzung der Notenbank nicht in Sicht. «Die Inflationsrate dürfte vorerst erhöht bleiben», schreibt die Bundesbank. Die aktuell starke Verteuerung von Energie könnte sich noch einige Zeit fortsetzen. Auch andere Preise könnten steigen, weil Transport und Produktion teurer geworden sind. Länger anhaltend hohe Preise nicht nur für Rohöl, sondern auch für Gas und Strom könnten direkte und indirekte Effekte verstärken und die Rückkehr der Inflationsrate zu zwei Prozent verzögern.
Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht ihr wichtigstes Ziel bei einer Teuerungsrate von mittelfristig 2,0 Prozent erfüllt. Sie soll für einen stabilen Euro sorgen und die Kaufkraft der Menschen erhalten. Je höher die Inflationsrate, umso weniger können sich Verbraucherinnen und Verbraucher für einen Euro leisten. Für die deutsche Wirtschaft bedeutet das: Die Erholung zum Jahresende hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Energiepreise und die Lage auf den Weltmärkten entwickeln.
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