Drei Hamburger Kleinflugzeuge tanken jetzt klimafreundlichen Kraftstoff
Der Hanseatische Flieger Club setzt bei drei Cessna-Maschinen erstmals den aus Altspeiseölen hergestellten Treibstoff HVO ein. Der Fuhrpark des Hamburger Flughafens nutzt den alternativen Sprit bereits seit zehn Jahren.
Drei Kleinflugzeuge des Hanseatischen Flieger Clubs (HFC) in Hamburg können künftig einen alternativen Treibstoff tanken, der als klimafreundlich gilt. Die Cessna-Maschinen fliegen mit HVO, einem hydrierten Pflanzenöl, das der Lieferant Tool-Fuel anbietet. Damit zeigt der Verein, dass zumindest ein kleines Propellerflugzeug den umstrittenen Luftverkehr mit einem alternativen Kraftstoff betreiben kann.
Der Treibstoff mit der Bezeichnung Cair XTL wird aus gebrauchten Speiseölen und anderen pflanzlichen Reststoffen sowie Wasserstoff hergestellt. Solche Kraftstoffe werden als HVO bezeichnet, die Abkürzung steht für Hydrotreated Vegetable Oil. Das Kohlendioxid, das bei der Verbrennung entsteht, wurde zuvor beim Wachstum der verwendeten Pflanzen der Luft entnommen. Deshalb gilt der Kraftstoff als klimafreundlich. Der Hamburger Flughafen nutzt synthetischen Diesel bereits seit rund zehn Jahren in seinem Fuhrpark.
Kleine Propellerflugzeuge tanken meist Flugbenzin. Einige Maschinen besitzen jedoch einen wassergekühlten Dieselmotor. Dieser ist zwar größer und schwerer als ein luftgekühlter Ottomotor, verbraucht aber deutlich weniger Sprit. Nach Angaben des HFC benötigt ein Dieselflugzeug 20 Liter pro Stunde, ein Benziner dagegen 35 Liter. Die mit HVO betankbaren Maschinen vom Typ Cessna 172 kommen vor allem in der Ausbildung und im Trainingsbetrieb zum Einsatz.
HFC-Vorstandsmitglied Technik Enrico Hemling erklärte: «Alternative Flugkraftstoffe werden auf vielen Ebenen vorangetrieben.» Als ehrenamtlicher Ausbildungsbetrieb wolle der Club diese Entwicklung aktiv unterstützen und zeigen, dass alternative Kraftstoffe schon heute im praktischen Flugbetrieb eingesetzt werden können.
Theoretisch lässt sich ein Dieselmotor problemlos mit HVO betreiben. Im Luftverkehr gelten jedoch strengere Bestimmungen. Tool-Fuel-Geschäftsführer Alexander Stöhr zufolge bezieht das Unternehmen seinen Kraftstoff vom Neste-Konzern aus Rotterdam und sichert die hohe Qualität durch ständige Tests. Der Fliegerclub kümmerte sich um die Zulassung des Treibstoffs durch den Flugzeug- und den Motorenhersteller.
Auch große Passagierflugzeuge sollen ihren CO2-Ausstoß durch alternative Kraftstoffe senken. Seit 2025 müssen sie in der EU mindestens zwei Prozent nachhaltige Luftfahrttreibstoffe, sogenannte SAF, tanken. Ab 2030 sind sechs Prozent vorgeschrieben, bis 2050 sollen es 70 Prozent sein. Das erklärte Johannes Scharnberg, Bereichsleiter Kommunikation, Politik und Umwelt am Flughafen Hamburg.
In Deutschland gibt es nach Scharnbergs Angaben bislang zwei Hersteller in Leipzig und Frankfurt, die mithilfe von Strom und grünem Wasserstoff sogenanntes E-SAF produzieren. Das Unternehmen Holborn kündigte an, ab 2028 auch in Hamburg SAF und HVO herzustellen. Zwei frühere Projekte zur SAF-Herstellung in Heide sowie im Hamburger Industriegebiet Billbrook und Rothenburgsort waren in den vergangenen Jahren aufgegeben worden.
Synthetische Kraftstoffe sind eigentlich deutlich teurer als herkömmliches Kerosin. Durch die CO2-Bepreisung und Steuern verschiebt sich das Verhältnis jedoch. Für eine Tonne Kohlendioxid müsse eine Airline zwischen 100 und 150 Euro zahlen, sagte Scharnberg. Durch den Einsatz von HVO hat der Flughafen Hamburg nach eigenen Angaben in den vergangenen zehn Jahren 15.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Bereits im März 2022 hatte sich der Airport als CO2-neutral erklärt, damit war jedoch nicht der Flugbetrieb gemeint.
Quelle: stern.de
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