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Bundesregierung warnt vor wachsendem Rückstand im KI-Wettbewerb

Die Bundesregierung sieht Deutschland im weltweiten KI-Wettbewerb unter Zeitdruck. Eine Taskforce fordert in ihrem Abschlussbericht ambitionierte Ziele bis 2030 und warnt, dass die nächsten zwölf bis achtzehn Monate entscheidend seien.

Bundesregierung warnt vor wachsendem Rückstand im KI-Wettbewerb
© t-online.de

Die Bundesregierung sieht Deutschland im weltweiten Wettlauf um künstliche Intelligenz unter erheblichem Zeit- und Handlungsdruck. Nach Einschätzung der Regierung entscheiden die nächsten eineinhalb Jahre darüber, ob Deutschland den Anschluss an die führenden Standorte halten kann. Besonders die Forschung sei betroffen: Trotz einer starken Ausgangsposition drohe der Abstand zu den USA und China stetig größer zu werden.

Diese Warnung steht im Abschlussbericht der von der Bundesregierung eingesetzten KI-Taskforce, der beim Digitalgipfel der Bundesregierung in Berlin vorgelegt werden soll. Die Formulierung im Papier ist deutlich: «Das Zeitfenster, um diesen Abstand zu verringern, schließt sich bald». Die kommenden zwölf bis achtzehn Monate seien für die entscheidenden Weichenstellungen daher maßgeblich. Zuerst berichtete das Portal «Politico» über das Dokument, auch die Deutsche Presse-Agentur liegt es nach eigenen Angaben vor.

Der Bericht enthält zahlreiche konkrete Zielvorgaben. Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent der Großunternehmen und 55 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen KI einsetzen. Die Zahl der KI-Startups soll sich verdreifachen, und der Anteil der Wirtschaftsleistung, der auf KI-basierter Wertschöpfung beruht, soll mehr als 10 Prozent betragen. Außerdem sollen 90 Prozent der Bundesbehörden bis dahin mindestens eine KI-Anwendung zur Bearbeitung von Kernaufgaben nutzen.

Gestärkt werden sollen laut den Plänen zudem Alternativen zu großen KI-Modellen. Dafür soll die Zusammenarbeit mit Frankreich und Kanada ausgebaut werden. Die Taskforce unter Leitung des Bundesdigitalministeriums war im Sommer vom Nationalen Sicherheitsrat eingesetzt worden. Ihr Papier gibt als Ziel aus, Deutschland bis 2030 zur «KI-Nation» zu machen. Schon im Koalitionsvertrag von Union und SPD war von Deutschland als «KI-Nation» die Rede, die Taskforce greift dieses politische Versprechen nun mit konkreten Zahlen auf.

Nach dem Wortlaut des Berichts sollen Talent, Kapital, Forschung, Rechenkapazität und unternehmerische Initiative zusammenfinden, um Innovationen schnell, verantwortungsvoll und wirksam in Wachstum, Wohlstand, Sicherheit sowie gesellschaftlichen Fortschritt, Teilhabe und demokratische Resilienz zu überführen. Ausdrücklich verknüpft das Papier den Erfolg also nicht allein mit wirtschaftlichem Wachstum, sondern auch mit Sicherheit und demokratischer Stabilität.

Die Warnung im Bericht ist zugleich eine Warnung vor Abhängigkeit. Wer die technologischen Grundlagen, Talente, Infrastruktur und Anwendungen nicht rechtzeitig aufbaue, werde langfristig von den Entscheidungen anderer abhängig sein, heißt es in dem Dokument. Die Ausgangslage erscheint dabei zwiespältig: Deutschland verfügt über eine starke Position, vor allem in der Forschung, doch genau dort wächst nach Einschätzung der Regierung der Abstand zu den führenden Standorten. Die Ziele des Berichts zeigen, dass die Bundesregierung diesen Rückstand nicht hinnehmen will, sondern mit einem Bündel aus Einsatz in Unternehmen, Verwaltung, Gründungsförderung und internationaler Kooperation gegensteuern möchte.

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Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.