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Mozart zum 270. Geburtstag: Was die «Zauberflöte» den Menschen heute noch sagt

Anlässlich seines 270. Geburtstags und des 235. Jahrestags der Uraufführung der «Zauberflöte» richtet Wolfgang Amadeus Mozart in einem fiktiven Schreiben einen Appell an die Menschen im Jahr 2026: Sie sollten innehalten, ihre leuchtenden Täfelchen beiseitelegen und sich von der Musik verzaubern lassen. Die «Zauberflöte» sei bis heute die meistgespielte Oper im deutschsprachigen Raum, weil sie das ganze Menschsein in Noten fasse.

Mozart zum 270. Geburtstag: Was die «Zauberflöte» den Menschen heute noch sagt
Wolfgang Amadeus Mozart: Was der Komponist den Menschen heute sagen würde

Wolfgang Amadeus Mozart würde den Menschen im Jahr 2026 nachdrücklich empfehlen, öfter innezuhalten und seine Musik zu hören. In einem fiktiven Schreiben anlässlich seines 270. Geburtstags und des 235. Jahrestags der Uraufführung der «Zauberflöte» zeichnet der Komponist das Bild einer Gegenwart, in der viele Menschen verdrossen und gehetzt durch den Alltag laufen. Die leuchtenden Täfelchen, die sie den ganzen Tag mit sich herumtragen, versorgten sie mit Zank und Kriegsgeschrei, sodass sie am Abend so trüb im Gemüt seien wie ein Kaffeehaus ohne Kaffee.

Mozart selbst, so heißt es in dem Schreiben, kannte Not und Enttäuschung zur Genüge. Er habe Bettelbriefe um Geld verfassen müssen, vier seiner sechs Kinder begraben und vom Hof lediglich eine bescheidene Anstellung als Kammermusikus erhalten. Trotzdem habe er in seinem letzten Lebensjahr die «Zauberflöte» komponiert, für Prag noch den «Tito» geschrieben und das Requiem zumindest begonnen. Sein Rat an die Nachwelt lautet daher nicht, Sorgen zu verdrängen, sondern sich an die Musik zu erinnern, die auch in schweren Zeiten trage.

Die «Zauberflöte» erzählt von zwei jungen Menschen, die durch Feuer und Wasser gehen. Was sie hindurchträgt, ist nach Mozarts Worten nicht der Säbel, nicht das Geschrei und nicht die Rechthaberei, sondern eine Flöte. Wer Pamina und Tamino höre, lerne, dass man Angst haben dürfe und trotzdem weitergehen könne. Wer Papageno höre, begreife, dass auch ein ängstlicher und bisweilen verfressener Mensch seine Papagena finde. Und wer die drei Knaben höre, die den verzweifelten Papageno im letzten Moment vom Strick erretten, wisse, dass auch in der finstersten Stunde noch ein Glöckchen klingen könne.

Am 30. September jährt sich zum 235. Mal der Abend, an dem Mozart im Theater auf der Wieden im Freihaus vor sein Orchester trat und die «Zauberflöte» dirigierte. Er habe die Ouvertüre erst zwei Tage vor der Premiere in sein Werkverzeichnis eingetragen, heißt es in dem Rückblick. Nur knapp zehn Wochen später, am 5. Dezember, starb der Komponist im Alter von 35 Jahren. Sein Librettist Emanuel Schikaneder spielte den Papageno selbst, Mozarts Schwägerin Josepha Hofer sang die Königin der Nacht, deren Part bis ins dreigestrichene F hinaufreicht. Auch der Hofkapellmeister Antonio Salieri soll bei den Aufführungen in der Loge gesessen und von Anfang bis Ende «Bravo» gerufen haben.

Bis heute gehört die «Zauberflöte» in allen deutschsprachigen Ländern zu den meistgespielten Opern und steht auch international weit vorn. Mozarts Erklärung dafür fällt knapp aus: In der Partitur sei alles beisammen, was den Menschen ausmache – die Hetz und der Ernst, der Hanswurst und der Tempel, das Vorstadtlied und der Choral. Papagenos Wunsch nach einem «Mädchen oder Weibchen» pfeife noch heute jeder Musikfreund auf der Gasse, während im selben Werk die beiden Geharnischten einen alten Choral sängen, dessen Stimmen so streng geflochten seien, dass auch Johann Sebastian Bach seine Freude daran gehabt hätte. Salon und Gosse, Himmel und Schenke säßen zu Mozarts Flötenklängen an einem Tisch.

Was den Komponisten damals am meisten verzückte, war nicht der laute Applaus, sondern der stille Beifall, der von Vorstellung zu Vorstellung wuchs. Einmal habe er sich hinter die Kulissen geschlichen und Schikaneder auf das Glockenspiel geschlagen, worauf dieser «Halt's Maul!» gerufen habe und das ganze Haus in Lachen ausgebrochen sei. Solche Momente nennt Mozart den eigentlichen Zauber. Sein Schlussappell an die Menschen von 2026 ist entsprechend schlicht: die blinkenden Täfelchen beiseitezulegen, sich vor den Lautsprecher zu setzen, drei Akkorde abzuwarten und sich verzaubern zu lassen.

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Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.