Der US-amerikanische Fahrdienst- und Lieferkonzern Uber übernimmt den deutschen Essenslieferdienst Delivery Hero. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, sollen die Aktionäre von Delivery Hero je Aktie 41,50 Euro erhalten. Der Gesamtwert der Transaktion beläuft sich auf knapp 13 Milliarden Euro. Damit setzt Uber einen lange erwarteten Konsolidierungsschritt im hart umkämpften Markt der Essenslieferdienste um.

Delivery Hero hat seinen Hauptsitz in Berlin, ist aber in Deutschland selbst nicht mehr im Liefergeschäft tätig. Das Unternehmen konzentriert sich seit einigen Jahren auf internationale Märkte und betreibt Plattformen in Asien, dem Nahen Osten, Lateinamerika und Europa. In Deutschland hatte sich Delivery Hero weitgehend zurückgezogen und seine Aktivitäten an Wettbewerber abgegeben. Der Konzern beschäftigt weltweit Zehntausende Mitarbeiter und ist an der Frankfurter Börse notiert.

Der Uber-Konzern, der vor allem für seinen Fahrdienst bekannt ist, hat in den vergangenen Jahren sein Geschäft mit Essenslieferungen massiv ausgebaut. Mit der Übernahme von Delivery Hero will Uber seine Position in wichtigen Wachstumsmärkten stärken und Synergien zwischen den beiden Plattformen heben. Analysten sehen in dem Schritt eine strategische Reaktion auf den zunehmenden Wettbewerb durch Konkurrenten wie Just Eat Takeaway und DoorDash.

Ein Großaktionär von Delivery Hero, der niederländische Investor Prosus, hatte bereits vor der offiziellen Bekanntgabe seine Zustimmung zu dem Angebot signalisiert. Prosus hält einen erheblichen Anteil an Delivery Hero und gilt als treibende Kraft hinter der Transaktion. Die Zustimmung weiterer Aktionäre gilt als wahrscheinlich, da der gebotene Preis deutlich über dem aktuellen Börsenkurs liegt.

Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Prüfung durch die zuständigen Behörden in mehreren Ländern. Experten rechnen jedoch mit einer Genehmigung, da die Märkte, in denen beide Unternehmen aktiv sind, nur begrenzt überlappen. In Deutschland etwa ist Uber Eats zwar präsent, Delivery Hero aber nicht mehr. In anderen Regionen wie Südostasien oder dem Nahen Osten könnten die Wettbewerbshüter jedoch genauer hinschauen.

Mit der Übernahme setzt sich ein Trend zur Konsolidierung in der Lieferbranche fort. Nach Jahren des schnellen Wachstums und hoher Verluste suchen viele Unternehmen nach Wegen, profitabler zu werden. Größere Einheiten können Kosten senken, Technologien teilen und ihre Marktmacht gegenüber Restaurants und Kunden ausbauen. Uber selbst hat in der Vergangenheit mehrfach kleinere Lieferdienste übernommen und integriert.

Für die Beschäftigten von Delivery Hero könnte die Übernahme weitreichende Folgen haben. Zwar betonten beide Unternehmen in ersten Stellungnahmen, dass man Synergien heben wolle, was häufig mit Stellenstreichungen einhergeht. Konkrete Angaben zu möglichen Personalanpassungen wurden jedoch nicht gemacht. Betriebsräte und Gewerkschaften kündigten an, die Entwicklung genau zu verfolgen und die Interessen der Mitarbeiter zu wahren.

Die Übernahme von Delivery Hero durch Uber ist eine der größten Transaktionen in der Geschichte der Essenslieferbranche. Sie zeigt, dass der Markt trotz zwischenzeitlicher Wachstumsschwächen weiterhin als strategisch wichtig gilt. Beobachter rechnen mit weiteren Zusammenschlüssen in den kommenden Monaten, da sich die großen Player auf ihre Kernmärkte konzentrieren und kleinere Wettbewerber aufkaufen.