Verivox warnt vor Gaspreisanstieg um bis zu 20 Prozent bis zum Jahreswechsel
Die Betreiber deutscher Gasspeicher melden knappe Füllstände für den Winter. Verivox rechnet infolge des Iran-Kriegs mit deutlich steigenden Gaspreisen für Privatkunden – bis zu 20 Prozent bis zum Jahreswechsel.
Deutsche Privatkunden müssen sich auf deutlich höhere Gaspreise einstellen. Das Vergleichsportal Verivox rechnet bis zum Jahreswechsel mit einem Anstieg um bis zu 20 Prozent. Als Grund nennt das Unternehmen die Folgen des Iran-Kriegs, der die internationalen Energiemärkte seit Monaten unter Druck setzt.
Die Betreiber der deutschen Gasspeicher warnen zugleich vor knappen Füllständen im Falle eines sehr kalten Winters. Die Reserven könnten dann nicht ausreichen, um die Nachfrage zu decken. Verivox zufolge dürften Privatkunden die Preisentwicklung bis zum Jahreswechsel im Portemonnaie spüren.
Auslöser der aktuellen Entwicklung sind militärische Auseinandersetzungen im Nahen Osten. Nach Drohnenangriffen auf die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien hat das Königreich die strategisch wichtige Leitung vorsorglich abgeschaltet. Das teilte das Energieministerium über die staatliche Nachrichtenagentur SPA mit. Die mehr als 1.200 Kilometer lange Pipeline verbindet den Persischen Golf mit dem Roten Meer und hat seit Beginn des Iran-Kriegs an Bedeutung gewonnen.
Seit Ende Februar ist die Durchfahrt von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus faktisch blockiert. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz hat nach eigenen Angaben zudem die vollständige Kontrolle über die jemenitische Küste am Roten Meer übernommen. Damit verschärft sich die Lage für Saudi-Arabien: Im Osten blockiert der Iran die Straße von Hormus, im Westen blockieren die Huthis die Passage durch Bab al-Mandab.
Der Ölpreis ist infolge der Entwicklungen deutlich gestiegen. Der Preis für ein Barrel der Referenzsorte Brent näherte sich zeitweise der Marke von 110 US-Dollar. Vor Beginn des Iran-Kriegs im Februar hatte der Preis noch bei etwa 70 Dollar gelegen. Der Analyst Hamad Hussain von Capital Economics rechnet damit, dass der Ölpreis in Richtung 120 Dollar pro Barrel steigen könnte. Das genaue Ausmaß hänge auch vom Schaden an der Pipeline ab.
In den USA kletterte der durchschnittliche Dieselpreis erstmals über sechs Dollar. Der Nahost-Experte Farea Al-Muslimi vom Thinktank Chatham House sagte, der Iran kontrolliere damit nicht nur die Straße von Hormus, sondern auch den anderen wichtigsten Engpass im Nahen Osten. Als Ausweichroute bliebe nur der Suezkanal, was den Transport um mehrere Wochen verlängern würde.
Die Auseinandersetzungen im Jemen haben nach Angaben beider Konfliktparteien bereits mehr als 500 Menschen das Leben gekostet. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration wurden zudem rund 46.000 Menschen vertrieben. Saudi-Arabien hat US-Präsident Donald Trump nach Angaben von US-Regierungsvertretern um Luftschläge gegen die Huthi-Miliz gebeten. Trump lehnte demnach ab, die US-Regierung habe derzeit keine Pläne für ein direktes militärisches Eingreifen. Die USA wollen Saudi-Arabien stattdessen mit Aufklärung und Zieldaten unterstützen.
