Ein bislang unbekannter Mann hat am Sonntagabend den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) mit einer Tomate beworfen. Der Vorfall ereignete sich während einer Veranstaltung in Bernau am Chiemsee, wo Söder als Gastredner zum 1.100-jährigen Jubiläum der Gemeinde eingeladen war. Wie die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf eigene Videoaufnahmen berichtet, sprang der Angreifer plötzlich aus einem Gebüsch hervor und warf die Tomate in Richtung des CSU-Chefs. Diese traf Söder am linken Ohr, der jedoch unverletzt blieb. Der Ministerpräsident wischte sich die Tomatenreste ab und setzte seinen Weg fort, bevor er wenig später seine geplante Rede mit leichter Verzögerung halten konnte.

Sicherheitskräfte des Landeskriminalamtes (LKA) griffen sofort ein und überwältigten den Mann. Er wurde noch vor Ort festgenommen und in Gewahrsam genommen. Nach Angaben der Behörden handelt es sich bei dem Angreifer um einen 31-jährigen Deutschen. Augenzeugen berichteten der „Bild“, der Mann sei „aus dem Nichts“ aufgetaucht und habe Söder überrascht. Die Tatsache, dass er dem Ministerpräsidenten so nahe kommen konnte, sorgte bei vielen Anwesenden für Unverständnis. „Das darf nicht passieren“, zitiert die Zeitung einen Augenzeugen. Die Sicherheitsvorkehrungen bei öffentlichen Auftritten von Spitzenpolitikern stehen damit erneut in der Kritik.

Die Hintergründe der Tat sind bislang unklar. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen und prüft unter anderem, ob der Angriff politisch motiviert war oder ob es sich um eine spontane Aktion handelte. Bislang liegen keine Hinweise auf eine konkrete Bedrohungslage vor. Söder selbst äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu dem Vorfall. Die Veranstaltung in Bernau am Chiemsee, die anlässlich des 1.100-jährigen Bestehens der Gemeinde stattfand, wurde nach dem Zwischenfall fortgesetzt. Die Rede des Ministerpräsidenten begann mit einer kurzen Verzögerung, nachdem Söder sich umgezogen und die Tomatenreste entfernt hatte.

Der Tomatenwurf auf Markus Söder reiht sich in eine Serie von Angriffen auf deutsche Politiker in den vergangenen Jahren ein. Immer wieder werden Spitzenpolitiker bei öffentlichen Auftritten mit Gegenständen beworfen oder angegriffen. So wurde etwa die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel mehrfach mit Tomaten oder Eiern beworfen, und auch andere Politiker wie der damalige SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz oder der Grünen-Politiker Robert Habeck waren Ziel von Attacken. Die Sicherheitsbehörden haben ihre Maßnahmen bei öffentlichen Veranstaltungen in den letzten Jahren deutlich verstärkt, dennoch kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Die Diskussion über den Schutz von Politikern und die Grenzen des politischen Protests wird durch solche Vorfälle immer wieder neu entfacht.

Markus Söder, der seit 2018 bayerischer Ministerpräsident ist, gilt als einer der profiliertesten Politiker der CSU und wird immer wieder als möglicher Kanzlerkandidat der Union gehandelt. Seine öffentlichen Auftritte sind in der Regel von hohen Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Der Vorfall in Bernau am Chiemsee zeigt jedoch, dass selbst bei gut geschützten Veranstaltungen Risiken bestehen bleiben. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet mögliche Zeugen, sich zu melden. Der Angreifer soll noch im Laufe des Montags dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob ein Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung oder eines anderen Delikts beantragt wird.

Die Gemeinde Bernau am Chiemsee zeigte sich bestürzt über den Vorfall. Bürgermeister und Gemeinderat äußerten ihr Bedauern und dankten den Sicherheitskräften für ihr schnelles Eingreifen. Die Jubiläumsfeierlichkeiten, die noch bis zum Abend andauerten, wurden nach dem Zwischenfall ohne weitere Störungen fortgesetzt. Söder selbst zeigte sich nach Angaben von Teilnehmern gelassen und ließ sich durch die Attacke nicht aus der Ruhe bringen. Er nutzte seine Rede, um auf die Bedeutung von Sicherheit und Zusammenhalt in der Gesellschaft hinzuweisen, ohne direkt auf den Vorfall einzugehen. Die genauen Umstände und das Motiv des Angreifers bleiben Gegenstand der Ermittlungen.