Die anhaltende Dürre hat die Donau vielerorts in einen schmalen Wasserlauf verwandelt. Kreuzfahrtschiffe bleiben auf dem Fluss stecken, und Atomkraftwerke müssen ihre Leistung drosseln oder Reaktoren abschalten. Der Wasserstand ist nach wochenlanger Trockenheit auf ein kritisches Niveau gesunken und bringt Schifffahrt und Energieversorgung in mehreren Ländern an ihre Grenzen.

Besonders hart trifft das Niedrigwasser die Flusskreuzfahrt, die im Sommer eigentlich Hochsaison hat. Mehrere Schiffe konnten Fahrrinnen und enge Passagen in den vergangenen Tagen nicht mehr sicher passieren. Reedereien mussten Routen kurzfristig ändern, Anlegestellen streichen und Passagiere auf Busse umsetzen. Auch die Häfen melden geänderte Liegezeiten, vielerorts ersetzen Busse die fehlenden Schiffsverbindungen zwischen den Stationen. Wer eine Donaukreuzfahrt gebucht hat, muss sich auf Verspätungen und Planänderungen einstellen. Auch abseits des Flusses gibt es Ausfälle: Die Reederei Aida hat einem aktuellen Routenplan zufolge vorübergehend einen Hafen in Norwegen aus ihrem Programm genommen.

Die Donau zählt zu den bekanntesten Revieren der europäischen Flusskreuzfahrt. Gerade in den Sommermonaten sind viele Schiffe zwischen den Anlegestellen in Deutschland, Wien und dem Schwarzen Meer unterwegs. Ein längerer Ausfall wichtiger Streckenabschnitte trifft die Branche daher empfindlich und stellt die Häfen entlang des Flusses vor große Herausforderungen. Für die Städte an der Strecke bedeutet das niedrige Wasser zudem weniger Gäste, die sonst von Bord gehen und die Zentren besuchen.

Der sinkende Pegel gibt zugleich lange verborgene Relikte frei. Im Flussbett werden historische Schiffswracks sichtbar, die normalerweise unter der Wasseroberfläche liegen; einzelne Rümpfe ragen bereits aus dem Wasser. Angesichts der extremen Trockenheit hat die EU damit begonnen, eine alte Flotte aus dem Zweiten Weltkrieg aus der Donau zu bergen. Die Schiffe waren am Ende des Krieges im Fluss versenkt worden. Die Aktion dient auch der Sicherheit, denn die Wracks können Strömung und Fahrrinne beeinträchtigen und zur Gefahr für die ohnehin eingeschränkte Schifffahrt werden.

Gleichzeitig gerät die Stromproduktion entlang des Flusses unter Druck. Atomkraftwerke, die auf das Wasser der Donau angewiesen sind, reduzieren ihre Leistung, weil der niedrige Pegel die Kühlung beeinträchtigt. Einige Betreiber fahren Reaktoren ab, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten. Wie viele Anlagen betroffen sind, ist bislang nicht bekannt. Die Maßnahmen treffen die Stromversorgung in einer Region, die unter der langanhaltenden Hitze ohnehin stark belastet ist.

Die Trockenheit ist Teil einer längeren Periode mit ausgebliebenen Niederschlägen, die weite Teile Europas erfasst hat. Ob und wann sich der Wasserstand der Donau erholt, hängt von den kommenden Niederschlägen ab, eine schnelle Entspannung zeichnet sich bislang nicht ab. Für die Flusskreuzfahrt könnte das weitere Ausfälle und Umplanungen bedeuten, sollten die Pegelstände weiter sinken. Viele Veranstalter beobachten die Lage täglich und passen ihre Fahrpläne an.

Für Reisende heißt das: Vor der Abfahrt den aktuellen Status der Reise prüfen und sich frühzeitig mit dem Veranstalter abstimmen. Die Reedereien informieren ihre Gäste über Ausweichmöglichkeiten, wenn Häfen oder ganze Flussabschnitte ausfallen. Die Behörden der Anrainerstaaten verfolgen die Entwicklung unterdessen mit Sorge und beraten darüber, wie sich die Schifffahrt auf der Donau auch in künftigen Trockenperioden aufrechterhalten lässt.