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Russische Drohnenangriffe nahe polnischer Grenze – Zug mit Merz-Berater evakuiert

Die Ukraine wirft Russland einen systematischen Angriff auf ihr Eisenbahnnetz vor. Ein Zug wurde nahe der polnischen Grenze von einer russischen Drohne getroffen, ein weiterer mit einem Berater von Bundeskanzler Merz an Bord musste evakuiert werden. Bei einer massiven Angriffswelle setzte Moskau nach ukrainischen Angaben 453 Drohnen ein, mindestens sechs Menschen starben.

Russische Drohnenangriffe nahe polnischer Grenze – Zug mit Merz-Berater evakuiert
Ukraine - Russische Drohnenangriffe nahe der polnischen Grenze - Zug mit Merz-Berater offenbar evakuiert

Die Ukraine hat Russland eines systematischen Angriffs auf ihr Eisenbahnnetz beschuldigt. Nach Angaben ukrainischer und polnischer Behörden wurde ein Zug nur wenige Hundert Meter von der polnischen Grenze entfernt von einer russischen Drohne getroffen. Einem Medienbericht zufolge war von einem weiteren Angriff eine Bahn betroffen, in der ein Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz saß. Der Zug mit dem Merz-Berater an Bord musste offenbar evakuiert werden.

Nach Angaben der ukrainischen Staatsbahn traf eine russische Drohne die Lokomotive des Kiew-Warschau-Zugs nahe dem Grenzübergang Jahodyn. Der Zug befand sich demnach rund zwei Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Die Passagiere blieben unverletzt. In mehreren grenznahen Landkreisen Polens wurde Luftalarm ausgelöst. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die Angriffe auf die Eisenbahninfrastruktur sind Teil einer massiven russischen Angriffswelle, die die Ukraine am Sonntag traf. Nach einem Bericht des ukrainischen Nachrichtenportals «Kyiv Independent» meldeten regionale Behörden landesweit mindestens sechs getötete und 43 verletzte Zivilisten. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, Moskau habe 453 Drohnen sowie mehrere Flugkörper eingesetzt. 405 Drohnen und sechs Flugkörper seien abgefangen worden. Einschläge wurden an 13 Orten registriert.

Besonders stark betroffen waren mehrere Regionen im Westen der Ukraine. In den Regionen Wolhynien, Iwano-Frankiwsk und Ternopil wurden Menschen verletzt, in Riwne und Mykolajiw fiel teilweise der Strom aus. Die ukrainische Luftwaffe machte keine Angaben zu möglichen Opfern unter den Einsatzkräften oder zu Sachschäden an der Bahninfrastruktur.

Der Vorwurf eines systematischen Angriffs auf das Schienennetz fällt in eine Phase intensiver diplomatischer Aktivität. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow schloss am Sonntag neue trilaterale Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA nicht aus. «Wir schließen eine solche Möglichkeit nicht aus», sagte Peskow nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. Dies betreffe auch den Monat Oktober und die «absehbare Zukunft». Bereits Anfang der Woche hatte sich Russland offen für eine Wiederaufnahme gemeinsamer Gespräche gezeigt, aber erklärt, es sei noch zu früh, über einen möglichen Ort oder genaue Termine zu sprechen. Die beiden US-Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff waren zuvor nach Russland und in die Ukraine gereist, um beiden Seiten neue Vorschläge für eine Beendigung des Konflikts vorzulegen.

Unabhängig von den diplomatischen Signalen gehen die Kämpfe und Angriffe unvermindert weiter. Die ukrainische Luftwaffe meldete für die Angriffswelle am Sonntag den Einsatz von 453 Drohnen und mehreren Flugkörpern. In den westlichen Regionen der Ukraine, die an Polen und andere NATO-Staaten grenzen, schlugen mehrere Drohnen ein. Die polnischen Behörden reagierten mit Luftalarm in grenznahen Gebieten, um die Bevölkerung zu warnen.

Die russische Region Irkutsk hat unterdessen ein Anwerbeprogramm für ausländische Rekruten aufgelegt. Gouverneur Igor Kobsew unterzeichnete am 10. September einen Erlass, wonach künftig 1,5 Millionen Rubel – rund 15.300 Euro – an jeden gezahlt werden, der einen Ausländer oder Staatenlosen für einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium gewinnt. Das Geld erhält der Vermittler, nicht der Rekrut. Nach Recherchen des unabhängigen Mediums «Vyorstka» ist es die höchste derartige Anwerbeprämie einer russischen Region. Noch im April lag die Prämie bei höchstens 400.000 Rubel und damit bei rund 4.100 Euro. Amnesty International berichtete zuletzt, Ausländer seien teils mit vermeintlichen zivilen Arbeitsstellen, hohen Gehältern oder der Aussicht auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung angeworben worden.

Die Angriffe auf die Bahn nahe der polnischen Grenze dürften die Sicherheitsdebatte in Deutschland und Polen weiter anheizen. Der Vorfall zeigt, wie nah die Kampfhandlungen an das NATO-Gebiet heranreichen. Die Evakuierung eines Zuges mit einem Berater des Bundeskanzlers unterstreicht die unmittelbare Betroffenheit deutscher Regierungsvertreter. Die polnischen Behörden lösten Luftalarm aus, um die Bevölkerung in den grenznahen Landkreisen zu warnen. Die Ukraine fordert seit Monaten eine stärkere Luftverteidigung, um die Infrastruktur und die Zivilbevölkerung besser zu schützen.

Henrik Falkenberg

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Redakteur vom Dienst

Henrik Falkenberg berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.