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Yotam Ottolenghi veröffentlicht neues Kochbuch «Simple Too»

Der Starkoch Yotam Ottolenghi hat mit «Simple Too» eine Fortsetzung seines Bestsellers «Simple» vorgelegt. Das Buch reagiert auf eine laute und komplizierte Welt und plädiert für einfaches Kochen als heilsame Alltagspraxis. Im November kommt Ottolenghi für Live-Auftritte nach München und Köln.

Yotam Ottolenghi veröffentlicht neues Kochbuch «Simple Too»
Neues Kochbuch „Simple Too“: Einfach Kochen: Ottolenghis Rezept gegen den Stress der Zeit

Der international bekannte Koch und Gastronom Yotam Ottolenghi hat ein neues Kochbuch veröffentlicht. «Simple Too» knüpft an seinen früheren Bestseller «Simple» an und verfolgt eine klare Grundidee: Kochen soll in einer lauten, komplizierten Welt einen ruhigen, heilsamen Gegenpol bilden. In Deutschland wächst die Fangemeinde des 57-Jährigen seit Jahren stetig.

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erklärt Ottolenghi, das Buch sei «eine Reaktion auf die Welt, in der wir leben, wie laut sie ist und wie kompliziert sie ist». Viele Menschen suchten Erholung und einen weniger lauten Ort. Einfaches Kochen könne diese Lücke füllen. «Kochen ist so alt wie die Menschheitsgeschichte und liegt tief in unserer DNA», sagt der Gastronom, der seit 18 Jahren Kochbücher veröffentlicht und mehr als zehn teils preisgekrönte Bestseller vorlegte.

Dabei geht es Ottolenghi nicht um kulinarische Höchstleistungen. Kochen könne bedeuten, mit einem Berg Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten, Sellerie, Karotten, Erbsen und einem ganzen Fisch stundenlang in der Küche zu stehen. Es könne aber auch heißen, Abkürzungen zu nutzen: eine gute fertige Soße kaufen, ein Stück Fisch grillen, die Soße darübergeben und Reis aufwärmen. Diese pragmatische Haltung macht den Reiz seiner neuen Rezepte aus.

Der Lieferdienst ist für Ottolenghi kein Tabu. In einer britischen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gab in diesem Jahr knapp ein Drittel der Befragten an, Essenslieferungen als besondere Belohnung zu nutzen. Knapp unter 30 Prozent bestellen, weil ihnen nicht nach Kochen zumute ist. Ottolenghi kennt das: «Jeder tut es, jeder bestellt ab und zu etwas zu essen, daran ist nichts falsch. Ich mache das auch.» In London greift er gern auf ein chinesisches Restaurant zurück, auch die afghanische Küche hat es ihm angetan.

Zugleich warnt er davor, das Kochen ganz aufzugeben. «Das Wichtigste dabei ist, dass wir mit unseren Zutaten verbunden bleiben», sagt er. Wenn alles nur noch Aufwärmen oder Lieferung an die Tür sei, verlören Menschen den Bezug zu dem, was sie essen. Das sei «ein gefährlicher Weg», weil dann eine sehr grundlegende menschliche Erfahrung verloren gehe. Kochen sei eine heilsamere Erfahrung als die ständige Ablenkung durch das Smartphone.

Für seine Botschaft will Ottolenghi im November persönlich nach Deutschland kommen. Geplant sind ausgewählte Live-Auftritte in München und Köln. Auf der Bühne möchte er vermitteln, dass er sein Telefon physisch weglegen und sagen müsse: «Lass diesen Lärm, lass diese Ablenkung beiseite und nimm ein gutes Kochbuch und koche.» Man solle sich auf etwas einlassen, das heilsam sei, nähre und nicht ablenke.

Das neue Buch, das er gemeinsam mit Verena Lochmuller verfasst hat, umfasst knapp über 300 Seiten und liest sich wie eine praktische Anleitung. Die Gerichte – etwa Hähnchen-Fleischbällchen mit Pistazien und Spinat oder mit Tahini und Soja gebackene Kartoffeln – sind meist schnell vorbereitet. Der Begriff «Ottolenghify» wurde schon vor Jahren geprägt: die Kunst, ein gewöhnliches Gericht durch zusätzliche Zutaten und Aromen zu verfeinern.

Auch die deutsche Küche hat Ottolenghi nachhaltig geprägt. Er wurde 1968 als Sohn einer Deutschen und eines Italieners in Jerusalem geboren. «Ich bin mit deutschem Essen bei meiner Mutter aufgewachsen», sagt er. Zu seinen ersten Mahlzeiten hätten Kohl, Kartoffeln und Schweinefleisch gehört. «Und ich liebe Knödel, deutsche Knödel.»

Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.