Die russische Wirtschaft befindet sich nach Einschätzung des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) in einer Konjunkturkrise. Die Ökonomen des Instituts kommen zu dem Schluss, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Russland zunehmend von strukturellen Problemen und den Folgen des Ukraine-Kriegs geprägt ist. Die Analyse stützt sich auf aktuelle Daten zur Industrieproduktion, Inflation und den Staatsfinanzen.
Laut dem wiiw zeigen sich die Krisensymptome vor allem in einer schwächelnden Industrieproduktion, die trotz massiver staatlicher Rüstungsaufträge nicht nachhaltig wächst. Gleichzeitig leidet die russische Bevölkerung unter einer hohen Inflation, die die Realeinkommen schmälert. Die Zentralbank in Moskau hat die Leitzinsen zuletzt mehrfach angehoben, um die Teuerung in den Griff zu bekommen, was jedoch die Kreditvergabe und Investitionen bremst.
Ein weiterer Belastungsfaktor sind die westlichen Sanktionen, die den Zugang Russlands zu Technologie und Finanzmärkten einschränken. Das wiiw verweist darauf, dass die russische Wirtschaft zunehmend von Importen aus China und anderen asiatischen Ländern abhängig wird, was jedoch die Verluste durch den Wegfall westlicher Partner nicht vollständig kompensieren kann. Die Kriegsausgaben, die einen erheblichen Teil des Staatshaushalts ausmachen, binden Ressourcen, die für zivile Investitionen und soziale Programme fehlen.
Die Ökonomen des Wiener Instituts betonen, dass die russische Regierung versucht, die Krise durch staatliche Konjunkturprogramme und Subventionen abzufedern. Diese Maßnahmen zeigen jedoch nur begrenzte Wirkung, da sie oft ineffizient sind und Korruption begünstigen. Die langfristigen Aussichten für die russische Wirtschaft bleiben nach Einschätzung des wiiw düster, solange der Krieg andauert und die Sanktionen bestehen bleiben.
Die Analyse des wiiw reiht sich ein in eine Serie von Berichten internationaler Organisationen, die eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Russland konstatieren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte zuletzt seine Prognose für das russische Bruttoinlandsprodukt nach unten korrigiert. Auch die Weltbank warnt vor den Folgen des Krieges für die russische Wirtschaft, die zunehmend von Isolation und Strukturschwäche geprägt sei.
Die russische Regierung selbst gibt sich optimistisch und verweist auf das Wachstum in einigen Sektoren, insbesondere der Rüstungsindustrie. Kritiker halten dem entgegen, dass dieses Wachstum auf Kosten der zivilen Wirtschaft gehe und nicht nachhaltig sei. Die Bevölkerung spürt die Krise vor allem durch steigende Preise für Lebensmittel und Energie sowie durch eine Verschlechterung der öffentlichen Dienstleistungen.
Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche ist eine renommierte Forschungseinrichtung, die regelmäßig Berichte zur wirtschaftlichen Entwicklung in Mittel- und Osteuropa veröffentlicht. Die aktuelle Analyse zur russischen Wirtschaft basiert auf einer umfassenden Auswertung offizieller Statistiken und eigener Modellrechnungen. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch in Wien vorgestellt und haben in Fachkreisen für Diskussionen gesorgt.



