Ein Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn ist bei einer Auseinandersetzung mit einem Fahrgast aus einem fahrenden Regional-Express gestürzt und dabei lebensgefährlich verletzt worden. Der Vorfall ereignete sich während einer Fahrscheinkontrolle, die nach Angaben von Ermittlern eskalierte. Der 26-jährige Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes, der im Auftrag der Bahn unterwegs war, stürzte aus dem Zug, als dieser mit etwa 120 Kilometern pro Stunde unterwegs war. Er wurde mit schwersten Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert und schwebt weiterhin in einem kritischen Zustand.

Die Staatsanwaltschaft beantragte umgehend Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Angreifer, einen 39-jährigen Fahrgast. Das zuständige Gericht lehnte den Antrag jedoch ab, woraufhin der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Die Begründung des Gerichts ist bislang nicht öffentlich bekannt. Der Beschuldigte war den Behörden allerdings kein unbeschriebenes Blatt: Er war bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten, unter anderem wegen Gewaltdelikten. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an.

Nach bisherigen Erkenntnissen soll der alkoholisierte Fahrgast zunächst die beiden Sicherheitskräfte beleidigt haben. Im weiteren Verlauf kam es zu einem Gerangel, bei dem sich plötzlich die Tür des fahrenden Zuges öffnete. Der 26-Jährige stürzte in die Tiefe und erlitt dabei multiple Knochenbrüche sowie innere Verletzungen. Sein Kollege blieb unverletzt. Der Zug wurde nach dem Vorfall notgestoppt, der Rettungsdienst versorgte den Verletzten noch am Unfallort, bevor er per Hubschrauber in eine Spezialklinik geflogen wurde.

Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die Sicherheitslage im öffentlichen Nahverkehr. Die Deutsche Bahn zeigte sich bestürzt über den Vorfall und betonte, dass ihre Sicherheitskräfte täglich für die Sicherheit der Fahrgäste sorgten. Ein Sprecher erklärte, das Unternehmen stehe in engem Austausch mit den Ermittlungsbehörden und biete den betroffenen Mitarbeitern psychologische Betreuung an. Zugleich forderte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schärfere Maßnahmen zum Schutz von Bahnmitarbeitern. Die Zahl der Übergriffe auf Zugpersonal und Sicherheitskräfte sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, hieß es.

Der Vorfall ereignete sich in einem Regional-Express auf der Strecke zwischen Hannover und Bremen. Die genauen Umstände, die zu der Eskalation führten, sind noch Gegenstand der Ermittlungen. Die Polizei sucht Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben. Der mutmaßliche Angreifer muss sich nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung verantworten. Ob die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel gegen die Ablehnung des Haftbefehls einlegen wird, war zunächst unklar.

Die Diskussion um die Sicherheit im Zugverkehr gewinnt durch diesen Fall neue Dringlichkeit. Fahrgastverbände und Gewerkschaften fordern unter anderem mehr Videoüberwachung, eine stärkere Präsenz von Sicherheitspersonal sowie eine bessere Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit aggressiven Fahrgästen. Die Deutsche Bahn verwies auf bereits laufende Maßnahmen, darunter die Ausstattung von Zügen mit Notrufsystemen und die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei. Ob der Vorfall zu konkreten politischen Konsequenzen führt, bleibt abzuwarten.