Niederlande ziehen Goldreserven aus den USA ab
Die niederländische Zentralbank hat in den vergangenen Monaten einen großen Teil ihrer Goldreserven aus New York abgezogen. Als Grund nennt sie zunehmende geopolitische Unruhen und den Wunsch nach stärkerer Krisenvorsorge. Beobachter werten den Schritt als Misstrauensbeweis gegenüber der US-Regierung unter Präsident Donald Trump.
Die niederländische Zentralbank hat in den vergangenen Monaten größere Teile ihrer Goldreserven aus den USA abgezogen. Wie die Bank am Mittwoch mitteilte, wurden zwischen März und August insgesamt 86 Tonnen des Edelmetalls verlegt. Als Begründung nannte sie „zunehmende geopolitische Unruhen“ und den Wunsch, die „Krisenvorsorge“ zu verstärken. Welche Ereignisse konkret zu dem Schritt geführt haben, ließ die Bank offen.
Betroffen sind die Bestände, die bislang in New York und in Kanada lagerten. Von den insgesamt 313 Tonnen, die die Niederlande derzeit im Ausland aufbewahren, wurde nun ein erheblicher Teil abgezogen. Dabei fällt die Verteilung ungleich aus: Während aus der kanadischen Hauptstadt Ottawa lediglich 1,2 Prozent des gesamten niederländischen Goldes abgezogen wurden, waren es aus New York fast 13 Prozent. Die Bank versuchte in ihrer Mitteilung den Eindruck zu vermitteln, dass beide Standorte gleichermaßen betroffen seien.
Goldbarren gelten für viele Staaten als eine Art Notgroschen. Länder besitzen große Mengen des Edelmetalls, das vor allem in Krisenzeiten als stabile Wertanlage gilt. „Wir gehen davon aus, dass wir sie nie benötigen werden, aber wir müssen unsere Widerstandsfähigkeit und Vorsorge stärken“, sagte der Chef der niederländischen Zentralbank, Olaf Sleijpen, zu dem Umzug. Viele Staaten lagern nur Teile ihres Goldes im eigenen Land. Die Verteilung soll sicherstellen, dass im Falle eines Krieges nicht die gesamten Goldvorräte verloren gehen können. Zudem lagern viele Länder größere Mengen an Orten, an denen mit dem Edelmetall besonders viele Geschäfte gemacht werden – etwa in London oder New York.
Beobachter werten den Schritt der Niederlande als deutlichen Misstrauensbeweis gegenüber der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Dessen zweite Amtszeit hat nach Ansicht von Analysten etliche Gründe geliefert, warum die USA unter der aktuellen Regierung nicht mehr als zuverlässiger Standort zur Lagerung ausländischer Goldreserven gelten. Laurent Schwartz, Präsident des französischen Edelmetallhändlers „Comptoir National de l‘Or“, sagte der britischen Zeitung „The Guardian“, dass das leichtere Handeln in London ein Grund für das Umschichten sein könne. „Der aktuelle politische Kontext in den Vereinigten Staaten könnte aber auch dazu führen, dass bestimmte Zentralbanken andere Lagerorte bevorzugen.“
Die US-Regierung unter Trump führt seit Monaten eine konfrontative Wirtschafts- und Finanzpolitik. Wiederholt hat der Präsident neue Zölle gegen zahlreiche Staaten und die Europäische Union verhängt. Durch den Iran-Krieg sind zudem Öl, Gas und Benzin deutlich teurer geworden. Seit Kurzem haben die Staatsschulden in den USA die Rekordmarke von 40 Billionen Dollar überschritten.
Zudem setzt Trump den Verwalter der Goldreserven, die US-Zentralbank Fed, unter Druck. Seit seinem erneuten Einzug ins Weiße Haus pocht der Präsident darauf, dass die Leitzinsen gesenkt werden. Zunächst griff er den damaligen Fed-Chef Jerome Powell öffentlich an und warf ihm unter anderem vor, die Zentrale der Fed in Washington für zu viel Geld zu renovieren. Zwischenzeitlich hatte das Justizministerium ein Verfahren gegen Powell eingeleitet, das dieser als politisch motiviert bezeichnete. Die Ermittlungen wurden erst eingestellt, nachdem sie die turnusmäßige Findung eines Nachfolgers behindert hatten.
Auch unter Powells Nachfolger Kevin Warsh fordert Trump weiterhin Zinssenkungen. „Senkt die Zinsen, oder ich breche den Handel mit Ländern ab, mit denen wir ein Defizit haben“, schrieb Trump am Freitag auf der Plattform „Truth Social“ in Richtung der Fed. Bislang hat Warsh die Zinsen nicht gesenkt, die Fed agiert in dieser Frage unabhängig von der Regierung.
Die turbulenten Zeiten haben dazu beigetragen, dass der Preis für Gold in den vergangenen Monaten weiter gestiegen ist. Seit Trump wieder im Weißen Haus sitzt, ist der Preis pro Feinunze Gold um mehr als 60 Prozent gestiegen. Viele Zentralbanken auf der Welt denken darüber nach, ihre Goldmengen zu vergrößern. Eine Umfrage des World Gold Council und des Meinungsforschungsinstituts YouGov unter 74 Zentralbanken im Juni ergab, dass 45 Prozent angaben, im kommenden Jahr ihre Goldreserven erhöhen zu wollen.
