Sachsen: Polizei entdeckt vier Sprengvorrichtungen an Umspannwerken
Nach Sabotageversuchen gegen das Stromnetz in Brandenburg und NRW hat die Polizei in Ostsachsen vier Objekte gesichert. Ein Bekennerschreiben führte die Ermittler zu den Fundorten. Der mutmaßliche Täter aus Gevelsberg ist weiterhin flüchtig.
Die sächsische Polizei hat nach einem Hinweis in einem Bekennerschreiben an zwei Fundorten nördlich von Bautzen vier „unbekannte Sprengvorrichtungen“ entdeckt und gesichert. Wie Innenminister Armin Schuster (CDU) mitteilte, laufen die Entschärfungen derzeit noch. Die betroffenen Objekte liegen an der Grenze zu Brandenburg im Lausitzer Braunkohle-Tagebaugebiet. Die Polizeidirektion Görlitz hatte den Einsatz zunächst bestätigt, ohne nähere Details zu nennen.
Die sächsischen Sicherheitsbehörden stünden „mit allen weiteren betroffenen Ländern in enger Abstimmung“, betonte Schuster. Unmittelbar nach Eingang des Schreibens seien bereits am Donnerstag intensive Suchmaßnahmen eingeleitet worden. Zuvor hatte es bereits mehrere versuchte Sabotagen gegen die Energieversorgung in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen gegeben.
Im Zuge der Ermittlungen zu diesen Taten hat die Polizei in Nordrhein-Westfalen das Fahrzeug eines Mannes gestürmt, der verdächtigt wird, die Anschläge verübt zu haben. Der Zugriff erfolgte in Niederzier bei Düren, wie Innenminister Herbert Reul (CDU) berichtete. Ein Spezialeinsatzkommando entdeckte das Fahrzeug in einem Wald und stürmte es. Der Mann selbst befand sich jedoch nicht darin und ist vermutlich zu Fuß flüchtig. „Er wird nicht weit kommen“, sagte Reul.
Bei einer Pressekonferenz hatte Reul zuvor erklärt, in der Wohnung des 48-jährigen Mannes in Gevelsberg habe es klare Sprengstofffunde gegeben. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach mit Blick auf den Mann sehr wahrscheinlich von einem Einzeltäter und von „Klimaterrorismus“. Die Ermittler prüfen nun, ob der Mann allein gehandelt hat und ob es Verbindungen zu den Vorfällen in Brandenburg gibt.
Dort hatten Unbekannte am Dienstag in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde einen Angriff auf die Stromversorgung gestartet. Am Abend desselben Tages kam es zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln. In der Nähe beider Orte wurden den Behörden zufolge Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden. Die Ermittlungen laufen wegen verfassungsfeindlicher Sabotage. Zudem wurde an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf ein verdächtiger Gegenstand entdeckt, bei dem es sich möglicherweise ebenfalls um eine Abschussvorrichtung handelt.
Nach Angaben der Sicherheitsbehörden gibt es zwei Briefe, die von dem gesuchten Mann aus Gevelsberg stammen sollen. Darin habe er die jüngsten Angriffe auf das Energienetz in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen für sich reklamiert. Die Schreiben waren bei mehreren deutschen Medienhäusern eingegangen und enthielten nach übereinstimmenden Berichten Informationen zu Taten, die zu diesem Zeitpunkt öffentlich noch nicht bekannt waren. „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen“, hieß es demnach in den Briefen.
Reul widersprach dieser Darstellung deutlich: „Fakt ist: Nicht die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen, sondern kritische Infrastruktur anzugreifen ist ein Verbrechen.“ Für die Taten gebe es keine Rechtfertigung, keine Ideologie tauge als Ausrede. Wer im Namen des Klimaschutzes die Stromversorgung von Krankenhäusern gefährde, rette nichts, sondern gefährde Leben. Als Konsequenz forderte Reul einen besseren Schutz der kritischen Infrastruktur, etwa durch moderne Technik wie Kameras, Sensoren und Alarmsysteme.
