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Europäischer Gaspreis erreicht höchsten Stand seit Ende 2022

Die Eskalation im Nahen Osten treibt den europäischen Gaspreis auf über 79 Euro je Megawattstunde. Niedrige Füllstände der Gasspeicher könnten die Preise weiter erhöhen.

Europäischer Gaspreis erreicht höchsten Stand seit Ende 2022
Rohstoffe: Europäischer Gaspreis erreicht höchsten Stand seit Ende 2022

Der europäische Gaspreis ist auf den höchsten Stand seit Ende 2022 gestiegen. Der Preis kletterte auf mehr als 79 Euro je Megawattstunde, wie aus aktuellen Handelsdaten hervorgeht. Als Ursache gilt die Eskalation im Nahen Osten beziehungsweise der Konflikt am Persischen Golf, der die Märkte für Energierohstoffe massiv verunsichert.

Besonders brisant ist die Lage mit Blick auf die europäischen Gasspeicher: Deren Füllstände liegen derzeit niedriger als in den Vorjahren. Sollte der Winter kälter ausfallen als zuletzt prognostiziert oder die Lieferungen aus Krisenregionen weiter gestört werden, könnten die Preise nach Einschätzung von Marktbeobachtern noch zusätzlich steigen. Die Kombination aus geopolitischer Spannung und vergleichsweise geringen Reserven macht den europäischen Gasmarkt derzeit anfällig für weitere Preissprünge.

Für Verbraucher in Deutschland und anderen EU-Staaten bedeutet die Entwicklung in erster Linie eines: höhere Heizkosten. Da ein Großteil der Haushalte in Europa mit Erdgas heizt, schlägt sich ein Anstieg des Großhandelspreises mit zeitlicher Verzögerung auch in den Abschlägen und Jahresabrechnungen der Energieversorger nieder. Zudem beeinflusst der Gaspreis indirekt die Stromerzeugungskosten, da Gaskraftwerke häufig die preissetzenden Kraftwerke an den Strombörsen sind.

Die aktuelle Preisentwicklung erinnert an die Energiekrise der Jahre 2022 und 2023, als der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine die europäischen Energiemärkte erschütterte und die Preise auf historische Rekordhöhen trieb. Zwar liegt das derzeitige Niveau von rund 79 Euro je Megawattstunde noch deutlich unter den damaligen Spitzenwerten von zeitweise mehr als 300 Euro, doch die Richtung gibt Anlass zur Sorge. Analysten verweisen darauf, dass bereits kleinere Störungen der Lieferketten angesichts der dünnen Reserven große Preisausschläge auslösen können.

Die europäischen Regierungen stehen damit erneut vor der Herausforderung, die Energieversorgung zu sichern und gleichzeitig die Belastungen für Haushalte und Industrie in Grenzen zu halten. In Deutschland hatte die Bundesregierung in der Vergangenheit mehrere Entlastungspakete geschnürt, um die Folgen hoher Energiepreise abzufedern. Ob angesichts der erneuten Preisrallye neue Maßnahmen nötig werden, ist derzeit offen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich die Lage am Gasmarkt weiter zuspitzt oder ob eine diplomatische Entspannung im Nahen Osten die Preise wieder sinken lässt.

Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.