Trump sorgt mit Anekdoten bei 9/11-Gedenkveranstaltung für Kritik
Bei einer Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September hat US-Präsident Donald Trump mit persönlichen Erzählungen über angebliche Heldentaten am Ground Zero für Erstaunen gesorgt. Faktenprüfer und ein damaliger Feuerwehr-Einsatzleiter zweifeln an den Darstellungen.
Bei einer Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September hat US-Präsident Donald Trump in Washington mit persönlichen Anekdoten über seine angebliche Rolle bei den Rettungsarbeiten am Ground Zero für Kritik gesorgt. Vor Ersthelfern, Angehörigen von Opfern und Vertretern gemeinnütziger Stiftungen wiederholte der 80-Jährige seine bereits früher geäußerte Darstellung, wonach er mit Hunderten Arbeitern seiner Baufirma am Ort des zerstörten World Trade Centers im Einsatz gewesen sei.
In seiner Rede berichtete Trump von einem angeblichen Vorfall, bei dem er und seine Mitarbeiter am One Liberty Plaza, einem Gebäude direkt gegenüber dem World Trade Center, in Lebensgefahr geraten seien. Das Gebäude habe einzustürzen gedroht, woraufhin zwei Feuerwehrmänner ihn unter den Armen gepackt und in Sicherheit gebracht hätten. „Wir dachten, es würde direkt auf uns herabstürzen, und zwei Feuerwehrmänner, große, kräftige Kerle – ich bin ja auch nicht gerade der kleinste Mann der Welt –, packten mich unter den Armen“, zitierte Trump sich selbst in seiner Rede. Er habe den Rettern gesagt, er könne selbst laufen, doch diese seien mit ihm losgerannt. Das Gebäude sei letztlich nicht eingestürzt.
Faktenprüfer des Poynter Institute hatten bereits in der Vergangenheit keine Belege für Trumps Behauptungen finden können. Das damalige Bauprojekt des Immobilienunternehmers, der Trump World Tower, befand sich mehrere Kilometer vom Ort der Anschläge entfernt. Eine Anfrage an das Weiße Haus und die Trump Organization blieb laut den Investigativjournalisten unbeantwortet. Auch Richard Alles, im Jahr 2001 Einsatzleiter einer New Yorker Feuerwehreinheit und einer der ersten am Ground Zero, hält die Darstellung für äußerst unwahrscheinlich. „Davon gäbe es Aufzeichnungen. Alle arbeiteten unter der direkten Aufsicht der Polizei, der Feuerwehr und des gemeinsamen Einsatzleiters der Rettungsdienste“, sagte Alles bereits 2019. Trump hätte demnach heimlich mit mehreren Hundert Angestellten am Ground Zero auftauchen und wieder verschwinden müssen. „Mir ist niemand bekannt, der ihn dort jemals gesehen hat“, so der Feuerwehrchef.
Medienberichte aus den Tagen nach dem 11. September 2001 verorten Trump allerdings tatsächlich in der Nähe des Ground Zero. Der Sender CNN verwies auf einen Bericht eines Lokalsenders, wonach Trump am 13. September in der Nähe des Anschlagsorts gesichtet worden sei – „mit perfekt sitzender Frisur und makellos gekleidet, in einem schwarzen Anzug“. Auch in einem Interview mit dem deutschen Sender N24, das Trump unmittelbar nach den Terrorattacken gab, trat er in frisch gebügeltem Hemd auf. In dem Gespräch behauptete er bereits, seine Mitarbeiter bei den Hilfsarbeiten persönlich angetrieben zu haben.
Bei der Gedenkveranstaltung zeichnete Trump auch den Finanzhändler Welles Crowther aus, der bei den Anschlägen ums Leben kam und zuvor mehrere Menschen gerettet hatte. Die Veranstaltung fand im Vorfeld des 25. Jahrestags der Anschläge statt, bei denen islamistische Terroristen Flugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon gesteuert hatten. Trumps persönliche Erzählungen stießen bei Teilnehmern der Veranstaltung auf Erstaunen, da sie in scharfem Kontrast zu den Berichten über die tatsächlichen Abläufe am Ground Zero stehen.
