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EZB dürfte den Einlagensatz auf 2,50 Prozent erhöhen

Energie treibt die Inflation im Euroraum wieder nach oben. Die Sitzung in Berlin wird zeigen, ob der erwartete September-Schritt ein Zwischenstopp oder der Beginn weiterer Straffung ist.

EZB dürfte den Einlagensatz auf 2,50 Prozent erhöhen
Ank Kumar / Wikimedia Commons

Die Europäische Zentralbank steht am 10. September vor einem Zinsschritt, den die Finanzmärkte bereits praktisch vollständig eingepreist haben. Erwartet wird eine Erhöhung des Einlagensatzes um 25 Basispunkte von 2,25 auf 2,50 Prozent. Die Entscheidung wird um 14:15 Uhr nach der Sitzung des EZB-Rats in Berlin bekannt gegeben.

Seit der Juli-Sitzung hat sich der Inflationsdruck sichtbar erhöht. Die Teuerungsrate im Euroraum stieg im August auf 3,3 Prozent. Im Juli waren es 2,9 Prozent. Besonders auffällig ist die Energiekomponente mit 14,3 Prozent nach 10,3 Prozent im Vormonat. Deutschland liegt mit einer harmonisierten Inflationsrate von 2,9 Prozent unter dem Durchschnitt des Währungsraums, aber ebenfalls klar über dem Zwei-Prozent-Ziel.

Die EZB hatte die Zinsen im Juni angehoben und im Juli pausiert. Der Einlagensatz blieb bei 2,25 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent. Im später veröffentlichten Protokoll wird deutlich, dass der Rat die Pause als Möglichkeit verstand, die Dauer und die Weitergabe des Energiepreisschocks besser einzuschätzen.

Genau diese Weitergabe ist nun das Kernproblem. Ein starker Energiepreisanstieg kann kurzfristig die Gesamtinflation nach oben treiben, ohne dass die binnenwirtschaftliche Nachfrage besonders stark ist. Kritisch wird es, wenn Unternehmen die höheren Energiekosten dauerhaft in ihre Preise einbauen, Beschäftigte höhere Löhne verlangen und sich die Inflationserwartungen vom Ziel entfernen.

Bisher gibt es dafür noch keinen vollständigen Beleg. Im Juli waren die längerfristigen Inflationserwartungen laut EZB weiter ungefähr bei zwei Prozent verankert. Gleichzeitig bleibt das Wachstum schwach. Die Juni-Projektionen sahen für den Euroraum 2026 nur 0,8 Prozent Wachstum, bei einer durchschnittlichen Inflation von 3,0 Prozent.

Für Deutschland ist diese Kombination schwierig. Höhere Zinsen dämpfen neue Kredite und Investitionen in einer Phase, in der Industrie und private Nachfrage ohnehin keinen starken Aufschwung tragen. Die EZB berichtete bereits von sinkender Hypothekennachfrage und strengeren Kreditstandards. Bei Immobilien, Unternehmensfinanzierungen und größeren Konsumausgaben kann sich der zusätzliche Zinsschritt deshalb bemerkbar machen.

Auf der anderen Seite wäre Untätigkeit riskant, falls die Energieinflation länger anhält. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, wie teuer es werden kann, wenn Preissteigerungen erst einmal in viele Bereiche der Wirtschaft einsickern. Die EZB versucht deshalb, zwischen einem temporären Angebotsschock und einer dauerhaften Verschlechterung der Inflationsaussichten zu unterscheiden.

Der Markt sieht den Schritt auf 2,50 Prozent als fast sicher an. Die weitere Richtung ist offener. In der Befragung professioneller Prognostiker der EZB lag der häufigste erwartete Einlagensatz für Ende 2026 und Anfang 2027 bei 2,50 Prozent. Mittelfristig wurde wieder ein Niveau um zwei Prozent erwartet.

Die eigentliche Nachricht am Donnerstag könnte deshalb weniger die Zahl 2,50 als die neue Prognose sein. Wenn die EZB für 2027 deutlich höhere Inflation erwartet oder vor stärkeren Zweitrundeneffekten warnt, wächst die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen. Bleiben die langfristigen Erwartungen stabil und fällt der Energieschub später zurück, könnte der September-Schritt vorerst genügen. Die nächste Phase der europäischen Geldpolitik hängt damit stärker von der Dauer des Preisschocks ab als von einem festen Zinsplan.

Henrik Falkenberg

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Redakteur vom Dienst

Henrik Falkenberg berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.