Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal einen überraschend hohen Gewinn eingefahren und damit die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Das größte deutsche Geldhaus erzielte unterm Strich einen Gewinn von mehr als 1,6 Milliarden Euro – der höchste Quartalsgewinn seit dem Rekordjahr 2007. Getragen wurde das Ergebnis vor allem von der starken Entwicklung im Investmentbanking, das entgegen mancher Prognose nicht an Schwung verlor.
Konzernchef Christian Sewing zeigte sich angesichts der Zahlen optimistisch. Er kündigte an, das Programm zum Rückkauf eigener Aktien auszuweiten. Die starke Kapitalausstattung der Bank erlaube es, zusätzliche Mittel an die Aktionäre zurückzugeben, ohne die Wachstumsstrategie zu gefährden. Sewing betonte, dass die Bank auf Kurs sei, ihre mittelfristigen Ziele zu erreichen oder sogar zu übertreffen. Bereits im Frühjahr hatte der Konzern seine Prognose für das laufende Jahr angehoben.
Die positive Entwicklung überrascht die Branche, denn viele Experten hatten nach einer Schwächephase im ersten Quartal mit einem Gewinnrückgang gerechnet. Stattdessen legte die Deutsche Bank ein Rekordergebnis vor. Die Erträge stiegen stärker als gedacht, was vor allem auf das Geschäft mit Anleihen, Devisen und Derivaten zurückzuführen ist. Auch das Beratungsgeschäft für Fusionen und Übernahmen sowie die Aktienemissionen trugen zum Erfolg bei.
Die Sparte Unternehmensbank, die traditionell für stabile Erträge sorgt, steuerte ebenfalls einen soliden Beitrag bei. Allerdings bleibt das Zinsgeschäft in Deutschland unter Druck, da die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank weiterhin auf niedrigem Niveau verharren. Dennoch gelang es der Bank, die operative Profitabilität zu steigern und die Kosten im Griff zu behalten. Das Verhältnis von Kosten zu Erträgen verbesserte sich spürbar.
Die Anleger reagierten positiv auf die Nachrichten. Die Aktie der Deutschen Bank legte im frühen Handel deutlich zu. Analysten sprachen von einem «beeindruckenden Quartal» und hoben hervor, dass die Bank in einem schwierigen Marktumfeld ihre Stärke unter Beweis gestellt habe. Besonders bemerkenswert sei die Widerstandsfähigkeit des Investmentbankings, das in den vergangenen Jahren immer wieder als Risikofaktor galt.
Die Deutsche Bank hatte jahrelang mit Verlusten, Skandalen und Restrukturierungen zu kämpfen. Seit 2019 verfolgt das Institut einen umfassenden Umbauplan, der auf Kostensenkungen und eine Konzentration auf profitable Kernbereiche setzt. Das Investmentbanking spielt dabei eine zentrale Rolle. Unter Sewing hat die Bank zudem ihre Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen Handelsgeschäft reduziert, ohne jedoch auf die hohen Erträge zu verzichten.
Mit dem Ergebnis unterstreicht die Deutsche Bank ihre Position als eine der führenden Investmentbanken in Europa. Sie profitiert von einer starken Kundenbasis und ihrer Präsenz in den USA und Asien. Die Bank sieht sich nun gut gerüstet, um die Herausforderungen der zweiten Jahreshälfte zu meistern. Dazu zählen die anhaltende geldpolitische Unsicherheit, geopolitische Spannungen und die Konjunktursorgen in einigen Schlüsselmärkten.
Die Quartalszahlen bestätigen den Trend einer allmählichen Erholung des deutschen Bankensektors. Auch andere Institute wie die Commerzbank haben zuletzt bessere Ergebnisse vorgelegt. Die Deutsche Bank bleibt jedoch das Maß der Dinge – mit einem Gewinn, der die Hoffnung nährt, dass die langjährige Krise endgültig überwunden sein könnte.



