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Huthi-Miliz erobert Inseln in Meerenge Bab al-Mandab

Die Huthi-Miliz hat nach Angaben der jemenitischen Armee alle vier Inseln in der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab eingenommen. Der Vormarsch gefährdet eine zentrale Schifffahrtsroute und verschärft den Druck auf Saudi-Arabien, dessen Ölexporte bereits durch die Blockade der Straße von Hormus und einen Pipeline-Angriff beeinträchtigt sind.

Huthi-Miliz erobert Inseln in Meerenge Bab al-Mandab
Jemen - Huthi-Miliz nimmt Inseln in strategisch wichtiger Meerenge Bab al-Mandab ein

Die Huthi-Miliz hat nach Angaben der jemenitischen Armee alle vier Inseln in der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab erobert. Damit kontrolliert die mit dem Iran verbündete Gruppe nun einen Großteil der jemenitischen Küste am Roten Meer sowie die Inseln, die den Zugang zu einer der meistbefahrenen Schifffahrtsrouten der Welt sichern. Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist Teil der kürzesten Seeverbindung zwischen Europa und Asien über den Suezkanal.

Ein Sprecher der Huthi versicherte am Freitag, die Sicherheit der Schifffahrt werde grundsätzlich gewährleistet. Diese Zusage gelte jedoch ausdrücklich nicht für saudische Schiffe. Die Miliz hatte in der Vergangenheit wiederholt Schiffe in der Meerenge angegriffen. Der Vormarsch vergrößert ihren Handlungsspielraum an einer Route, die für den globalen Handel und die Ölversorgung von zentraler Bedeutung ist.

Für Saudi-Arabien verschärft sich die Lage dadurch erheblich. Das Königreich ist der weltweit wichtigste Ölexporteur und steht bereits im Osten unter Druck, weil der Iran die Straße von Hormus blockiert. Als Ausweichroute nutzt Saudi-Arabien die mehr als 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline, die große Mengen Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer bringt. Nach Drohnenangriffen auf die Leitung in den Regionen Riad und Medina wurde diese Pipeline nun vorsorglich stillgelegt.

Das saudische Außenministerium teilte in der Nacht mit, bei dem aus dem Irak gestarteten Drohnenangriff seien Schäden verursacht und mehrere Menschen verletzt worden. Die irakische Regierung verurteilte den Angriff, der von eigenem Boden ausging. Ministerpräsident und Oberbefehlshaber Ali al-Saidi kündigte auf der Plattform X eine Untersuchung an, um die Umstände und die Hintermänner aufzuklären, und ordnete rechtliche Schritte gegen alle Beteiligten an. Die proiranische Gruppierung «Islamischer Widerstand im Irak» bestritt jede Beteiligung und erklärte sich zugleich bereit, an den Ermittlungen mitzuwirken. Sie warnte davor, die Ereignisse auszunutzen, um Spannungen in der Region zu schüren oder sie in die Auseinandersetzungen hineinzuziehen.

Nach dem Angriff schloss der Irak nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna die beiden wichtigsten offiziellen Grenzübergänge zum Iran, al-Schalamdscha und al-Schaib, für unbestimmte Zeit. Ein offizieller Grund wurde nicht genannt.

Die Pipeline kann täglich bis zu sieben Millionen Barrel Öl – ein Barrel entspricht 159 Litern – zur Verschiffung nach Westen ans Rote Meer pumpen. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar und der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus versucht Saudi-Arabien mit ihrer Hilfe einen noch größeren Einbruch seiner Exporte zu verhindern. US-Medien wie CNN und das «Wall Street Journal» berichteten unter Berufung auf Satellitenbilder, bei den Angriffen seien vermutlich Pumpstationen getroffen worden; die Bilder sollen dort Brände zeigen. Wie groß der Schaden ist und bis wann er behoben werden kann, blieb zunächst unklar. Bereits im April war die Pipeline-Infrastruktur angegriffen und die Kapazität kurzzeitig gedrosselt worden.

Der Vormarsch der Huthi und die Schäden an der Pipeline könnten den Ölpreis in Richtung 120 US-Dollar pro Barrel treiben, sagte Analyst Hamad Hussain von der Beratungsfirma Capital Economics dem «Wall Street Journal». Entscheidend sei letztlich das Ausmaß der Schäden. Manche Analysten halten bei einem längeren Andauern des Konflikts auch einen noch höheren Preis für möglich. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent mit Lieferung im November erreichte am Freitag zeitweise fast 110 US-Dollar. Vor dem Iran-Krieg lag er deutlich niedriger; das Jahreshoch von rund 126 Dollar war Ende April erreicht worden.

Für Deutschland könnte ein weiter steigender Ölpreis die Benzinpreise zusätzlich erhöhen. Die zunehmende Bedrohung der Meerenge Bab al-Mandab und die stillgelegte Pipeline treffen Saudi-Arabien damit an zwei empfindlichen Stellen zugleich und gefährden eine der wichtigsten Routen des Welthandels.

Henrik Falkenberg

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Redakteur vom Dienst

Henrik Falkenberg berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.