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Mega-Stromkabel quer durch den Atlantik soll Versorgungslücken schließen

Ein geplantes Unterseekabel zwischen Kanada und Europa könnte die unterschiedlichen Zeitzonen nutzen, um schwankende erneuerbare Energien auszugleichen und Versorgungslücken zu verringern.

Mega-Stromkabel quer durch den Atlantik soll Versorgungslücken schließen
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Ein gigantisches Stromkabel quer durch den Atlantik könnte künftig Europa mit Kanada verbinden und damit ein zentrales Problem der Energiewende lösen: Strom aus erneuerbaren Quellen fällt oft dann an, wenn er am wenigsten gebraucht wird. Das berichtet der Nachrichtensender n-tv unter Berufung auf aktuelle Überlegungen zu einem transatlantischen Unterseekabel.

Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie weitreichend. Weil Kanada und Europa in unterschiedlichen Zeitzonen liegen, könnten die beiden Kontinente ihre Stromnetze so miteinander koppeln, dass Überschüsse auf der einen Seite des Atlantiks dorthin fließen, wo gerade eine Lücke entsteht. Wenn in Europa die Sonne untergeht und die Solarproduktion einbricht, könnte Kanada einspringen. Umgekehrt ließe sich kanadischer Strom in europäische Spitzenlastzeiten lenken. Das Kabel würde damit nicht nur eine physische Verbindung schaffen, sondern auch eine zeitliche Verschiebung von Energie ermöglichen.

Das Problem, das das Projekt adressiert, ist in der Energiewirtschaft seit Jahren bekannt. Wind- und Solaranlagen liefern Strom abhängig von Wetter und Tageszeit. In Momenten mit hoher Erzeugung und geringem Verbrauch müssen Anlagen abgeregelt werden, während in Zeiten mit wenig Wind und Sonne teure Reservekraftwerke einspringen. Ein transatlantischer Stromaustausch könnte diese Schwankungen abfedern und die Versorgungssicherheit erhöhen. Vor allem für Europa, das seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern will, wäre eine solche Verbindung ein strategischer Baustein.

Kanada verfügt über große Kapazitäten bei Wasserkraft und anderen erneuerbaren Energien. Das Land könnte damit zu einem verlässlichen Lieferanten für Europa werden. Allerdings sind mit einem derartigen Projekt erhebliche technische und finanzielle Hürden verbunden. Die Verlegung eines Unterseekabels über den Atlantik gehört zu den anspruchsvollsten Infrastrukturvorhaben überhaupt. Die Strecke ist mehrere tausend Kilometer lang, die Wassertiefen sind enorm und die Kosten dürften in die Milliarden gehen. Zudem müssten die beteiligten Staaten und Unternehmen langfristige Vereinbarungen über Erzeugung, Transport und Preisgestaltung treffen.

Der Ansatz, Zeitzonen für den Energieaustausch zu nutzen, ist nicht neu. Bereits heute gibt es Unterseekabel zwischen europäischen Ländern, die Stromüberschüsse hin- und herleiten. Ein Atlantikkabel würde diese Logik jedoch auf eine völlig neue Dimension heben. Befürworter argumentieren, dass sich die Investition langfristig auszahlen könnte, weil sie den Bedarf an teuren Speichern und Reservekapazitäten senkt. Kritiker verweisen dagegen auf die langen Planungs- und Bauzeiten sowie auf geopolitische Risiken, die mit einer so weitreichenden Abhängigkeit verbunden sind.

Ob das Projekt jemals Realität wird, ist offen. Klar ist jedoch, dass die Frage, wie sich Strom über große Entfernungen und verschiedene Zeitzonen hinweg verteilen lässt, für die künftige Energieversorgung eine immer größere Rolle spielt. Ein transatlantisches Kabel wäre die bislang ehrgeizigste Antwort auf diese Herausforderung.

Henrik Falkenberg

Autor

Redakteur vom Dienst

Henrik Falkenberg berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.