FIFA-Präsident Gianni Infantino hat inmitten der schwersten Krise seiner Amtszeit wichtige Mitarbeiter zu einer Krisensitzung nach Rabat beordert. Die Kritik an dem Fußballfunktionär reißt nicht ab, und mit den Erpressungsvorwürfen aus Jordanien kommt neuer Zündstoff hinzu. Britische Medien hatten zuerst über das Treffen berichtet; auch die Deutsche Presse-Agentur bestätigte die Angaben.

An der Sitzung in der marokkanischen Hauptstadt sollen unter anderem Generalsekretär Mattias Grafström und Finanzchef Thomas Peyer teilnehmen. Der Schwede Grafström hatte zuletzt angesichts des gescheiterten Plans zum Verkauf von WM-Rechten an Investoren in einer internen Mail an die Mitarbeiter eine «traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen» sowie einen «Aufruhr» beklagt. Inhalt und Ausgang der Gespräche waren zunächst offen.

Infantino hatte mit dem Vorhaben, WM-Rechte an Investoren zu verkaufen, eine Welle der Empörung in der Fußball-Welt ausgelöst. Zwar lenkte er ein und verwarf die Idee, doch vor allem in Europa formiert sich weiterhin heftiger Widerstand gegen den FIFA-Chef. Die aktuelle Krise könnte das Ende seiner inzwischen zehnjährigen Amtszeit als FIFA-Präsident bedeuten.

Noch vor wenigen Wochen hatte Infantinos Position als sicher gegolten. Nach dem Abschluss der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada vor zweieinhalb Wochen schien seine erneute Wiederwahl beim FIFA-Kongress Mitte März 2027 in Rabat alternativlos. Ausgerechnet in Rabat, wo der Weltverband seinen regionalen Sitz für Afrika unterhält und Marokko als Co-Gastgeber der WM 2030 eine zentrale Rolle spielt, findet nun das Krisentreffen statt. Erst in der Vorwoche war Infantino dort als Gast von König Mohammed VI. öffentlich aufgetreten. Damit tagt die FIFA-Spitze fernab der Zürcher Zentrale.

In der aktuellen Krise sieht sich Infantino nun auch Erpressungsvorwürfen ausgesetzt. Der Chef des jordanischen Fußballverbands, Prinz Ali bin al-Hussein, wirft der FIFA vor, seinen Auswahlspielern in den vergangenen Monaten Gelder vorenthalten zu haben. «Bis mir während der Weltmeisterschaft mündlich mitgeteilt wurde, dass es unserem Fußballverband sehr helfen würde, wenn ich Infantino unterstütze», schrieb al-Hussein auf der Plattform X.

«Wir haben ihn bisher nicht unterstützt und werden das auch jetzt ganz sicher nicht tun», stellte der Prinz klar. «Aber die gesamte Situation läuft auf Erpressung hinaus und wir weigern uns, das zuzulassen.» Der Fußball-Weltverband wurde um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten.

Hintergrund des Streits ist das Preisgeld für den FIFA Arab Cup im Dezember 2025. Jordanien wurde dort Zweitplatzierter und hätte nach Medienberichten 4,2 Millionen Dollar (rund 3,6 Millionen Euro) erhalten sollen. «Das Geld, das unser Team für das Erreichen des Finales bekommen sollte, wurde noch nicht ausgezahlt, und das, obwohl die FIFA gleichzeitig damit angibt, wie viele Milliarden sie noch in Reserve hat», schrieb al-Hussein.

Prinz Ali bin al-Hussein ist in der FIFA-Politik kein Unbekannter. Er war 2016 im Rennen um die Präsidentschaft des Weltverbands gegen Infantino angetreten, hatte aber keine Chance; schon ein Jahr zuvor war er dem damaligen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter unterlegen. Von 2011 bis 2015 gehörte er als Vizepräsident dem mächtigen Exekutivkomitee an. Ob das Krisentreffen in Rabat Infantinos Position stabilisieren kann, blieb zunächst offen.