Zwei Tage vor der Landtagswahl: AfD in Sachsen-Anhalt laut Umfrage bei 41 Prozent
Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sieht eine neue ZDF-Umfrage die AfD bei 41 Prozent und damit klar vor der CDU von Ministerpräsident Sven Schulze. Viele Wähler sind noch unentschlossen, die Parteien starten in den Wahlkampfendspurt.
Zwei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD in einer aktuellen Umfrage weiterhin deutlich vor der CDU. Laut der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF kommt die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund auf 41 Prozent und verbessert sich damit um einen Punkt im Vergleich zur Vorwoche. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze bleibt unverändert bei 23 Prozent.
Sollte sich dieses Ergebnis am Sonntag bestätigen, würde die AfD ihr Ziel einer alleinigen Regierungsbildung klar verfehlen. Gleichzeitig wäre eine Regierungsbildung an der Partei vorbei schwierig. Die CDU wäre demnach auf die Unterstützung der Linken angewiesen, um gemeinsam mit SPD und Grünen eine Minderheitsregierung gegen die AfD zu bilden. Die AfD wird vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. In der CDU gilt ein Unvereinbarkeitsbeschluss, der Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit sowohl mit der Linken als auch mit der AfD ausschließt.
Auf dem dritten Platz liegt die Linke mit 11,5 Prozent und verliert damit 1,5 Punkte gegenüber der Vorwoche. Die SPD kommt auf 8,5 Prozent, die Grünen stehen unverändert bei 6 Prozent. Das BSW würde mit 4 Prozent ebenso an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern wie die FDP mit 3 Prozent. Die übrigen Parteien erreichen zusammen 3 Prozent. Aktuell regiert in Magdeburg ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP.
Die Umfrage zeigt zugleich eine große Zahl unentschlossener Wähler. 26 Prozent der Befragten wissen demnach noch nicht sicher, ob und wen sie wählen wollen. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte vom 1. bis zum 3. September insgesamt 1.044 Wahlberechtigte. Die Erhebung ist nach Angaben des ZDF repräsentativ. Der deutliche Vorsprung der AfD deckt sich mit den Ergebnissen anderer Institute: Eine Insa-Umfrage im Auftrag von „Nius“ sah die AfD zuletzt bei 43 und die CDU bei 22 Prozent, Infratest dimap ermittelte für die ARD Ende August 42 Prozent für die AfD und 22 Prozent für die CDU.
Wahlumfragen sind grundsätzlich mit Unsicherheiten behaftet. Nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen erschweren den Instituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Umfragen spiegeln lediglich das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den tatsächlichen Wahlausgang.
Bundeskanzler Friedrich Merz war am Donnerstag ebenfalls als Wahlkämpfer in Sachsen-Anhalt unterwegs und warnte erneut vor den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen einer möglichen AfD-Landesregierung. „Wer möchte, dass Deutschland ein offenes und liberales Land bleibt, und wer möchte, dass Sachsen-Anhalt ein interessanter, auch europäisch interessanter Standort bleibt, der darf am Sonntag nicht die AfD wählen“, sagte er in Leuna bei einem gemeinsamen Besuch einer Bioraffinerie mit Ministerpräsident Schulze. Einen direkten Kontakt zu Wählern gab es dabei nicht, Merz traf sich nur mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat des Unternehmens.
An diesem Freitag veranstalten mehrere Parteien ihre Abschlusskundgebungen. Ministerpräsident Schulze absolviert Termine in Magdeburg, die AfD ist mit Spitzenkandidat Siegmund und Bundesvorsitzendem Tino Chrupalla ebenfalls in der Landeshauptstadt präsent. Die Linke setzt auf prominente Unterstützung durch Heidi Reichinnek, Gregor Gysi und Dietmar Bartsch, die gemeinsam mit Spitzenkandidatin Eva von Angern in Magdeburg und Halle auftreten. Die Grünen kämpfen in Halle und Naumburg um Stimmen, Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz erwartet dort Bundesparteichef Felix Banaszak. Auch am Samstag sind weitere Wahlkampfveranstaltungen in Magdeburg und Halle geplant.
Zur Wahl am Sonntag sind knapp 1,7 Millionen Menschen aufgerufen. Eine von der AfD geführte Landesregierung wäre ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik, die Wahl wird daher national und international mit großem Interesse verfolgt.
