Merz warnt bei Wahlkampfbesuch in Leuna vor AfD-Regierung
Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei seinem zweiten Wahlkampfauftritt in Sachsen-Anhalt vor den Folgen einer möglichen AfD-Landesregierung gewarnt. Direkten Wählerkontakt gab es erneut nicht, Fragen von Journalisten waren nicht zugelassen.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei seinem zweiten Wahlkampfbesuch in Sachsen-Anhalt erneut vor den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen einer möglichen AfD-Landesregierung gewarnt. „Wer möchte, dass Deutschland ein offenes und liberales Land bleibt, und wer möchte, dass Sachsen-Anhalt ein interessanter, auch europäisch interessanter Standort bleibt, der darf am Sonntag nicht die AfD wählen“, sagte der CDU-Chef am Donnerstag in Leuna. Der Kanzler besuchte dort gemeinsam mit Ministerpräsident Sven Schulze die UPM-Bioraffinerie, in der Holz zu Basischemikalien verarbeitet wird.
Wie schon bei seinem ersten Wahlkampfauftritt in Quedlinburg am Montag verzichtete Merz auch in Leuna auf direkten Kontakt zu Wählern. Abgesehen von wenigen Mitarbeitern der Raffinerie traf er sich ausschließlich mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat. Vor den Kameras war lediglich ein gemeinsames Statement vorgesehen, Fragen der anwesenden Journalisten waren nicht zugelassen. In Sachsen-Anhalt wird am Sonntag der Landtag gewählt. In den Umfragen liegt die AfD mit großem Abstand vorn und hat Chancen, die absolute Mehrheit der Mandate zu erzielen.
Merz kritisierte in Leuna vor allem die Haltung der AfD zur Europäischen Union. „Wer wie die AfD aus dem Binnenmarkt raus will, aus Schengen raus will, aus der Europäischen Union raus will, der stellt solche Projekte, wie sie hier hinter uns entstehen, von Grund auf infrage“, sagte er mit Blick auf die Bioraffinerie. „Und genau das wollen wir verhindern.“ Das finnische Unternehmen UPM hat in Leuna 1,3 Milliarden Euro investiert, um Holz in Basischemikalien umzuwandeln. Die AfD steht der Europäischen Union skeptisch gegenüber, hat aber in ihrem Bundestagswahlprogramm 2025 einen Austritt aus der EU nicht explizit gefordert.
Der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt gilt als richtungsweisend für die Bundespolitik. Ministerpräsident Schulze, der seit Januar im Amt ist und die Nachfolge des langjährigen Regierungschefs Reiner Haseloff angetreten hat, steht vor einer schwierigen Ausgangslage. Die CDU liegt in Umfragen zwischen 22 und 24 Prozent, während die AfD seit dem Frühjahr stabil bei über 40 Prozent rangiert. Wahlforscher halten eine absolute Mehrheit für die AfD für möglich. Schulze hofft darauf, dass Grüne und SPD in den Landtag einziehen, wodurch eine absolute Mehrheit der AfD unwahrscheinlicher würde.
Der 47-jährige Schulze, gelernter Wirtschaftsingenieur aus dem Harz-Dorf Heteborn, gilt als solider Fachpolitiker ohne ausgeprägte Ecken und Kanten. Er begann seine politische Laufbahn im Gemeinderat, wurde später JU-Vorsitzender, zog 2014 ins Europäische Parlament ein und wurde 2021 zum Minister ernannt. Haseloff baute ihm ein „Superministerium“ aus Wirtschaft, Landwirtschaft und Tourismus auf. Seit seiner Nominierung zum Spitzenkandidaten im Herbst 2025 führt Schulze einen intensiven Wahlkampf mit zahlreichen Terminen an Wahl- und Wurstständen, um die Wähler von sich zu überzeugen.
Bei seinem ersten Wahlkampfauftritt in Quedlinburg hatte Merz sich mit Landtagsabgeordneten und Amtsträgern getroffen, ebenfalls ohne direkten Wählerkontakt. Die Strategie der CDU-Spitze, den Kanzler weitgehend abgeschottet auftreten zu lassen, wird von politischen Beobachtern als Versuch gewertet, den Wahlkampf auf Sachthemen zu konzentrieren und emotionale Debatten zu vermeiden. Ob diese Taktik aufgeht, entscheidet sich am Sonntag bei der Landtagswahl.
