Ulrich Siegmund will erster AfD-Ministerpräsident werden
Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt bei über 40 Prozent. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund könnte Ministerpräsident werden. Der 35-Jährige gilt als volksnah, aber auch als radikal.
Ulrich Siegmund könnte der erste AfD-Ministerpräsident in Deutschland werden. Der Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt in Umfragen vorn. Die AfD kommt demnach auf mehr als 40 Prozent, die CDU folgt mit etwa halb so vielen Stimmen. Für Siegmund stellt sich damit nicht mehr die Frage, ob seine Partei stärkste Kraft wird, sondern ob es für die Regierungsbildung reicht.
Eine absolute Mehrheit der Sitze wäre nötig, um ohne Koalitionspartner regieren zu können. Sollten SPD, Grüne und BSW an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, könnte Siegmund bereits mit einem Ergebnis knapp über 40 Prozent rechnen. Andernfalls dürften die übrigen Parteien eine Anti-AfD-Koalition bilden. Einzig BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht deutete an, ihrer Partei unter Umständen einer Regierungsbeteiligung der AfD nicht im Wege zu stehen.
Der 35-jährige Siegmund wurde 1990 im Landkreis Stendal geboren und trat mit 18 Jahren in die CDU ein. Nach seiner Ausbildung gründete er ein Unternehmen, das „gendersensitive Düfte“ an Fitnessstudios und Hotels verkaufte. Diese kurze Vertreterkarriere prägt bis heute sein Auftreten. Ein späterer Weggefährte betonte gegenüber dem „Spiegel“, Siegmund könne „jedem jedes Auto andrehen“, wisse aber nicht immer, wie es funktioniere.
2014 verließ Siegmund die CDU und wechselte zur AfD. Zunächst galt er als unauffälliger Hinterbänkler mit gemäßigt-bürgerlichem Auftreten. 2016 zog er in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein. Die Coronapandemie radikalisierte ihn und verhalf ihm zum politischen Durchbruch. Mit Videos über angebliche „Pandemie-Panikmache“ wurde er über Nacht zum Star einer rechten Blase und legte das Fundament für seinen weiteren Aufstieg.
Siegmund setzt gezielt auf soziale Medien und entwickelte sich zu einem der reichweitenstärksten deutschen Politiker auf der Plattform TikTok. Im Mai 2025 machte ihn seine Partei zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im September. Sein Auftreten verkörpert den Gegensatz zu den „Altparteien“, wie die AfD ihre Konkurrenten nennt. Siegmund wirkt jung und dynamisch, sein Dauerlächeln muss er angesichts der Umfragewerte nicht vortäuschen.
Seine politischen Positionen gelten dagegen als radikal. Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt führt den AfD-Landesverband seit 2023 als gesichert rechtsextrem. Das Wahlprogramm, das die Partei als „Regierungsprogramm“ bezeichnet, fordert unter anderem den Austritt aus dem Rundfunkstaatsvertrag. Siegmund will NGOs die Mittel streichen, insbesondere solche, die gegen Rechtsextremismus kämpfen. Zudem sollen die Schulpflicht abgeschafft und mehrere Ministerien aufgelöst werden.
Wie die Bundespartei fokussiert sich die AfD Sachsen-Anhalt auf das Thema Migration. Illegale Einwanderung sei der Hauptgrund für gestiegene Kriminalität, behauptet die Partei. Diese These ist nicht haltbar, die Kriminalität in Sachsen-Anhalt ist im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig. Dennoch fordert Siegmunds Partei, Ausreisepflichtige konsequent abzuschieben. Asylsuchende und Geflüchtete sollen zu gemeinnütziger Zwangsarbeit verpflichtet werden.
Trotz dieser Positionen ist die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten auf dem Höhenflug. Daran änderte auch eine Vetternwirtschaftsaffäre nichts. Siegmund gibt sich volksnah und freundlich, führt seit Monaten einen straffen Wahlkampf und reist bis in die kleinsten Dörfer Sachsen-Anhalts. Auf Veranstaltungen fährt er mit Anhängern auf alten DDR-Mopeds durch die Provinz und umschmeichelt mittelständische Unternehmen. Seine Kampagne trägt den Titel „Alles ist möglich“. Mit Blick auf die Umfragewerte scheint dieses Versprechen zumindest nicht unrealistisch.
