Rheinland-Pfalz rüstet Drohnenabwehr nach Kiew-Reise weiter auf
Angesichts zunehmender illegaler Drohnenflüge hat sich eine Delegation des Innenministeriums von Rheinland-Pfalz in Kiew über Gefahren und Abwehrmethoden informiert. Bisher konnte die Polizei 14 Drohnen technisch übernehmen und zur Landung bringen.
Angesichts einer wachsenden Zahl illegaler Drohnenflüge auch über Rheinland-Pfalz treibt das Land die technische Aufrüstung seiner Drohnenabwehr voran. Eine Delegation der Polizeiabteilung des Innenministeriums reiste im Juli nach Kiew, um sich dort über das Gefahrenpotenzial von Drohnen und die damit verbundenen Herausforderungen für Sicherheitsbehörden zu informieren. Das berichtete Innenminister Achim Schwickert (CDU) im Innenausschuss des Landtages in Mainz.
Schwickert zufolge gibt es in Deutschland spätestens seit 2023 und verstärkt seit dem Winter 2024/2025 eine deutliche Zunahme illegaler Drohnenflüge. Zwar handele es sich bei einem Großteil der Sichtungen um kommerzielle Drohnen, doch würden Drohnen vermehrt auch als Mittel hybrider Kriegsführung eingesetzt. In Rheinland-Pfalz seien vor allem der Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen, die US Airbase in Ramstein sowie Liegenschaften der Bundeswehr von solchen Flügen betroffen.
Die Polizei des Landes hat nach Angaben des Ministeriums bisher 14 illegal fliegende Drohnen abgewehrt. Diese seien nicht abgeschossen, sondern technisch übernommen und zur Landung gebracht worden. In Einzelfällen seien die Personen festgestellt worden, die die Drohnen gesteuert hätten. Bei allen 14 Fällen habe es sich um kommerzielle Drohnen gehandelt. Zu einer Detektion und Bekämpfung militärischer Drohnen sei man derzeit noch nicht in der Lage, räumte der Minister ein.
Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Aline Raber, appellierte an die Politik, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Polizei ihre Aufgaben verlässlich erfüllen könne. „Drohnenabwehr braucht eine auskömmliche und dauerhafte Finanzierung, moderne Technik und vor allem ausreichend spezialisiertes Personal“, sagte Raber. Gerade mit Blick auf den kommenden Doppelhaushalt dürfe der Aufbau neuer Fähigkeiten nicht zulasten der ohnehin stark beanspruchten Personaldecke gehen.
Die Ukraine wehrt sich seit viereinhalb Jahren mit westlicher Militärhilfe gegen den russischen Angriffskrieg. Bei den gegenseitigen Attacken setzen die Streitkräfte beider Länder riesige Mengen an Drohnen ein. Die Erfahrungen aus dem Kriegsgebiet gelten auch für deutsche Sicherheitsbehörden als wichtige Referenz, um sich auf neuartige Bedrohungslagen einzustellen. Die Reise der rheinland-pfälzischen Delegation nach Kiew ist Teil dieser Bemühungen, das Gefahrenpotenzial von Drohnen besser einzuschätzen und die eigenen Abwehrfähigkeiten gezielt weiterzuentwickeln.
