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Russische Zeitung Nowaja Gaseta stellt nach 30 Jahren ihre Arbeit ein

Die kremlkritische Zeitung Nowaja Gaseta schließt nach mehr als drei Jahrzehnten. Die Redaktion erklärt, russische Behörden und Geheimdienste hätten sie dazu gezwungen.

Russische Zeitung Nowaja Gaseta stellt nach 30 Jahren ihre Arbeit ein
stern.de

Die kremlkritische russische Zeitung „Nowaja Gaseta“ stellt nach mehr als 30 Jahren ihre Arbeit ein. Die Redaktion macht den massiven Druck der russischen Behörden dafür verantwortlich. In einer Erklärung auf der Website der Zeitung heißt es unter dem Titel „Man hat uns getötet“, die russischen Behörden und Geheimdienste hätten die Redaktion zur Einstellung gezwungen.

Am 9. November will die Redaktion das Licht ausmachen, die Server herunterfahren und gehen. Danach werde es die Zeitung nicht mehr geben. Gegründet hat sie der inzwischen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Dmitri Muratow. Die „Nowaja Gaseta“ zählt zu den kritischsten Stimmen in Russland und stand seit Langem unter Druck. Anfang des Monats jährte sich zudem der Mord an ihrer Reporterin Anna Politkowskaja zum 20. Mal. Die Journalistin war eine der bekanntesten Stimmen der Zeitung, und ihr Tod steht bis heute für die Gefahren, denen unabhängige Berichterstattung in Russland ausgesetzt ist.

Auch nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor mehr als viereinhalb Jahren gingen die Behörden gegen die Zeitung vor. Im April wurden die Redaktionsräume stundenlang durchsucht. Im September stufte Moskau das Medium als sogenannten ausländischen Agenten ein. Schon zuvor war auch Muratow als „Auslandsagent“ eingestuft worden. Mit dieser Bezeichnung brandmarkt Moskau Kritiker. Wer als „Auslandsagent“ gelistet ist, muss mit zahlreichen Nachteilen rechnen. Davon betroffen sind etwa Mieteinnahmen, Depotzinsen bei einem Sparkonto, Tantiemen oder sonstige Einkünfte aus intellektueller Tätigkeit.

Am Vorabend der Ankündigung war zudem bekannt geworden, dass die Redaktion ihre Räume in Moskau verlassen muss. Die Organisation Reporter ohne Grenzen reagierte mit deutlicher Kritik. Geschäftsführer Christian Mihr sagte, mit der erzwungenen Schließung verliere man eines der letzten unabhängigen Medien, die in Russland noch arbeiten konnten. Seit der Vollinvasion in die Ukraine sei unabhängige, kritische Berichterstattung in Russland nur noch unter massiven Einschränkungen möglich.

In ihrer Erklärung schrieb die Zeitung, mehr als 30 Lebensjahre zusammen mit dem Land und seinen Bürgern würden für die Redaktion nun auf der Straße enden. Ohne Existenzgrundlage stehe man unter ständiger Bedrohung durch Repressionen da. Mit der Schließung endet damit eine der letzten großen unabhängigen Redaktionen, die über Jahrzehnte hinweg kritisch über Politik und Gesellschaft in Russland berichtet hat.

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Florian Lorenz

Autor

Sportredakteur

Florian Lorenz berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.