EZB vergibt Netzauftrag für digitalen Euro an Nexi und Telekom
Die Europäische Zentralbank hat einen Zehnjahresvertrag für zentrale Netzdienste des digitalen Euro an ein Konsortium aus Nexi und Deutscher Telekom vergeben. Zusätzlich wurde Telefónica als zweiter unabhängiger Netzwerkdienstleister ausgewählt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einen Zehnjahresvertrag für zentrale Konnektivitätsdienste des digitalen Euro vergeben. Den Zuschlag erhielt ein Konsortium aus dem italienischen Zahlungsdienstleister Nexi und der Deutschen Telekom. Damit rückt die Notenbank den technischen Vorbereitungen für eine europäische Digitalwährung einen Schritt näher.
Ungewöhnlich ist die Entscheidung, gleich zwei unabhängige Anbieter einzubinden. Als zweiter Netzwerkdienstleister wurde der spanische Telekommunikationskonzern Telefónica ausgewählt. Mit dieser Doppelvergabe will die Notenbank nach eigenen Angaben Ausfallsicherheit garantieren und Monopolabhängigkeiten bei der Anbindung vermeiden. Die Deutsche Telekom wird damit zum Technologiepartner eines Projekts, das die europäische Zahlungsinfrastruktur langfristig prägen soll.
Die an der Mailänder Börse notierte Nexi-Gruppe zählt zu den führenden PayTech-Konzernen Europas. Das Unternehmen stellt digitale Zahlungsinfrastrukturen, Kartenterminals sowie Abrechnungslösungen für Banken und Händler bereit. Gemeinsam mit der Deutschen Telekom soll Nexi ein hochskalierbares und ausfallsicheres Netzwerk aufbauen und betreiben. Dieses verbindet die Rechenzentren der künftigen Plattform für Dienste rund um den digitalen Euro (DESP). Zugleich sichert es den gesicherten Datenzugang für Geschäftsbanken, Zahlungsdienstleister und die nationalen Zentralbanken des Eurosystems.
Die Vergabe der Konnektivitätsdienste ist nur ein Baustein einer breit angelegten technischen Beschaffungsinitiative. Die EZB hat darüber hinaus fünf weitere zentrale Komponentenpakete für die Systemarchitektur ausgeschrieben. Dazu gehören Softwarelösungen für das Betrugs- und Risikomanagement sowie ein Verzeichnisdienst, der die Auflösung von Aliasen wie Telefonnummer oder E-Mail-Adresse ermöglicht. Weitere Pakete betreffen den sicheren Austausch von Transaktionsdaten, Systeme für Offline-Zahlungen ohne aktive Internetverbindung und die Entwicklung einer standardisierten Referenz-App.
Die Notenbank arbeitet seit Jahren an einer digitalen Variante der europäischen Gemeinschaftswährung. Der digitale Euro soll das Euro-Bargeld ergänzen, aber nicht ersetzen. Derzeit dominieren vor allem US-Anbieter wie Paypal, Mastercard und Visa den Markt für digitale Zahlungen in Europa. Mit einer eigenen digitalen Währung wollen die Euro-Notenbanken ihnen ein europäisches Angebot entgegensetzen und die Abhängigkeit von US-Zahlungsdiensten verringern. Gerade bei Zahlungen im Alltag spielt diese Abhängigkeit eine wachsende Rolle, weil ein Großteil des Bezahlverkehrs über außereuropäische Plattformen läuft.
Der Zeitplan sieht vor, dass die EZB die Alternative zum Bargeld im Jahr 2029 einführen möchte. Für 2027 ist der Start eines Pilotprojekts vorgesehen. Voraussetzung dafür ist jedoch ein verbindlicher Rechtsrahmen. Der Gesetzentwurf der EU-Kommission wird derzeit im Europäischen Parlament verhandelt. Eine für Mai geplante Abstimmung könnte sich nach Berichten des Handelsblatts allerdings verschieben. Sollte sich der Gesetzgebungsprozess verzögern, würde sich damit auch der gesamte Fahrplan der technischen Umsetzung nach hinten verschieben.
Die Vergabe an Nexi, Telekom und Telefónica zeigt, wie stark die Notenbank auf Ausfallsicherheit und Unabhängigkeit setzt. Ob der digitale Euro am Ende tatsächlich im Alltag ankommt, hängt jedoch von der politischen Entscheidung im Parlament ab. Die technischen Vorbereitungen laufen bereits, die rechtliche Grundlage steht noch aus.
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