Tankrabatt senkt Inflation in Deutschland auf 2,8 Prozent
Die Inflationsrate in Deutschland ist im Oktober auf 2,8 Prozent gesunken, nach 3,3 Prozent im September. Vor allem der erneute Tankrabatt entlastet die Verbraucher, Volkswirte warnen jedoch vor einer Entwarnung.
Der erneute Tankrabatt hat die Inflation in Deutschland spürbar gedämpft. Im Oktober lagen die Verbraucherpreise um 2,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, nach 3,3 Prozent im September. Das teilte das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen mit.
Die Entlastung kommt vor allem an der Tankstelle an. Im Oktober mussten Verbraucherinnen und Verbraucher zwar weiterhin 12,2 Prozent mehr für Kraftstoffe und Haushaltsenergie zahlen als ein Jahr zuvor. Der Preisauftrieb verlor damit aber deutlich an Tempo, nachdem er im Vormonat noch knapp 15 Prozent betragen hatte. Nahrungsmittel verteuerten sich im Oktober um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dienstleistungen, zu denen unter anderem Pauschalreisen und Restaurantbesuche zählen, stiegen um 2,5 Prozent und damit erneut langsamer als in den Vormonaten.
Der Tankrabatt war von der Bundesregierung trotz der Kritik vieler Experten auf den Weg gebracht worden, bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Vom 1. Oktober bis Ende 2026 wird die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 14 Cent je Liter gesenkt. Mit Mehrwertsteuer ergibt sich nach Angaben der Koalition aus Union und SPD eine Entlastung von bis zu 17 Cent pro Liter.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte, dass die Inflation vor allem wegen des Tankrabatts unter die Marke von 3 Prozent gefallen sei. Für eine Entwarnung sei es jedoch zu früh. Die stark gestiegenen Energiepreise dürften nach und nach auch andere Güter und Dienstleistungen verteuern. Krämer erwartet, dass die Inflation um den Jahreswechsel wieder über 3 Prozent liegen wird.
Auch die Bundesbank geht davon aus, dass die Energiepreise trotz des befristeten Tankrabatts für die Monate Oktober bis Dezember auf sehr hohem Niveau bleiben. In ihrem jüngsten Monatsbericht verweist sie darauf, dass höhere Transport- und Lagerkosten sowie teurere Rohstoffe andere Preise anziehen lassen könnten. Hintergrund ist der Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der die Energiepreise seit Ende Februar treibt und bis heute nicht gelöst ist.
Die hohe Teuerung belastet die Kaufkraft der Menschen. Je höher die Inflationsrate, desto weniger können sie sich für einen Euro leisten. Im September hatte die Inflation in Deutschland, der größten Volkswirtschaft Europas, den höchsten Stand seit Dezember 2023 erreicht. Auch im Euroraum lag die Rate im September mit 3,8 Prozent so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr.
Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig 2,0 Prozent Inflation an und hat im laufenden Jahr bereits zweimal die Leitzinsen angehoben, um den Preisauftrieb zu bremsen. Nach jüngster Einschätzung der EZB müssen sich die Menschen im Euroraum jedoch bis mindestens 2027 auf eine erhöhte Inflation einstellen. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für Deutschland damit, dass die Teuerung von 2,8 Prozent in diesem Jahr im Jahr 2027 auf 3,2 Prozent steigen wird.
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