Merz reist nach Singapur und will Partnerschaft mit dem Stadtstaat ausbauen
Bundeskanzler Friedrich Merz beginnt seine viertägige Asienreise in Singapur. Im Mittelpunkt stehen der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen, die Sicherheitslage im Indopazifik und die Verringerung der Abhängigkeit von China.
Bundeskanzler Friedrich Merz will bei seinem Auftakt in Asien die strategische Partnerschaft mit Singapur ausbauen. Der CDU-Chef landete am Morgen Ortszeit in dem dicht besiedelten, reichen Stadtstaat nahe dem Äquator, der als Drehscheibe für den Handel mit Südostasien gilt. Die viertägige Reise führt anschließend nach Japan und Südkorea.
Höhepunkt des Singapur-Besuchs ist eine Grundsatzrede im Rahmen der traditionsreichen Vortragsreihe »Singapore Lecture«, die das Institute for Southeast Asian Studies ausrichtet. Dort will Merz die Indopazifik-Strategie Deutschlands skizzieren. Zu den früheren Rednern dieser Reihe zählten der südafrikanische Freiheitskämpfer und Präsident Nelson Mandela, der chinesische Präsident Xi Jinping und Ex-Kanzlerin Angela Merkel. Geplant sind außerdem Gespräche mit Ministerpräsident Lawrence Wong und Präsident Tharman Shanmugaratnam sowie ein Besuch des Hafens PSA Horizons.
Neben dem Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen dürfte auch die fragile Sicherheitslage in der Indopazifik-Region zur Sprache kommen, die von Gebietskonflikten Chinas mit seinen Nachbarstaaten geprägt ist. Nach Regierungsangaben dient die Reise insbesondere der Vertiefung der sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den asiatischen Staaten. In einer gemeinsamen Erklärung soll ein Arbeitsplan zur weiteren Umsetzung der strategischen Partnerschaft beider Länder festgeschrieben werden.
Zwischen Deutschland und Singapur bestehen seit vielen Jahren enge Beziehungen in den Bereichen Wirtschaft, Verteidigung und Forschung. Nach Angaben der Bundesregierung sind fast 2.400 deutsche Unternehmen mit insgesamt 45.000 Arbeitsplätzen in Singapur tätig. Das jährliche Handelsvolumen beträgt 11,8 Milliarden Euro. Deutschland ist Singapurs wichtigster Handelspartner in Europa, Singapur liegt unter Deutschlands Partnern in Südostasien auf Platz vier.
Eine besondere Ehre wird dem Kanzler zuteil: Wie bei den Besuchen seiner Vorgänger Olaf Scholz und Angela Merkel wird eine Orchidee, die Nationalpflanze Singapurs, nach ihm benannt. Bei hochrangigen Besuchern ist das üblich, dafür werden meist zwei Sorten der Pflanze gekreuzt. Bereits existieren eine »Dendrobium Angela Merkel«, eine »Renanthera Olaf Scholz« und eine nach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier benannte »Dendrobium Frank-Walter Steinmeier«. In Singapur wird diese Praxis als »Orchideen-Diplomatie« bezeichnet.
Die Asienreise ist die dritte des Kanzlers auf den Kontinent. Im Januar hatte Merz anders als seine Vorgänger zuerst Indien besucht, das bevölkerungsreichste Land der Welt, und erst wenige Wochen später China. Die jetzige Reise soll nach Aussage aus Regierungskreisen eine Investition in die Partnerschaften mit den Staaten der Region sein und sei Teil der Diversifizierung: Deutschland will seine wirtschaftliche Abhängigkeit von China bei Exporten und vor allem beim Import wichtiger Rohstoffe verringern. Zeitlich fällt die Reise mit einem Besuch von Bundespräsident Steinmeier in China zusammen.
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