Die Bundesregierung will die seit Langem angekündigte Reform des Bafög in der kommenden Woche auf den Weg bringen. Das Kabinett werde sich am 12. August mit den Plänen befassen, sagte ein Regierungssprecher in Berlin. Mit der Reform sollen Studierende finanziell entlastet werden; ein höheres Bafög ist das erklärte Ziel. Im nächsten Sommersemester sollen die Empfängerinnen und Empfänger dann mehr Geld bekommen. Hintergrund sind die gestiegenen Lebenshaltungskosten, die viele Studierende in Deutschland zu spüren bekommen.
Der geplante Kabinettsbeschluss ist allerdings nur der erste Schritt im Gesetzgebungsverfahren. Anschließend geht der Gesetzentwurf in den Bundestag und wird dort in mehreren Runden beraten. Erst wenn das Parlament zugestimmt hat, können die neuen Leistungen ausgezahlt werden. Ursprünglich sollte die Erhöhung der im Bafög enthaltenen Wohnkostenpauschale bereits zum bald beginnenden Wintersemester in Kraft treten. Wegen der angespannten Finanzlage des Bundes wurde dieser Schritt jedoch um ein halbes Jahr verschoben. Die Entlastung kommt damit später als zunächst geplant.
Die Wohnkostenpauschale ist ein zentraler Bestandteil der staatlichen Förderung. Sie soll Studierenden helfen, die Kosten für Unterkunft zu tragen, die in vielen Hochschulstädten hoch sind. Teure WG-Zimmer und gestiegene Preise im Supermarkt machen den Studierenden zu schaffen. Die Erhöhung der Wohnkostenpauschale soll genau hier ansetzen. Mit der Verschiebung reagiert die Bundesregierung auf die engen Spielräume im Bundeshaushalt. Zugleich macht sie deutlich, dass die schrittweise Verbesserung des Bafög nicht ausgesetzt, sondern nur zeitlich gestreckt wird.
Zum Wintersemester 2027/28 soll nach den Plänen auch der Bafög-Grundbedarf angehoben werden. Damit will die Regierung die staatliche Unterstützung schrittweise auf das Niveau der Grundsicherung anheben. Der Grundbedarf deckt die allgemeinen Lebenshaltungskosten ab, also etwa Ausgaben für Nahrung, Kleidung und Körperpflege. Eine Angleichung an die Grundsicherung würde bedeuten, dass das Bafög künftig einen größeren Teil des Lebensunterhalts absichert und nicht nur einen Beitrag zu den Kosten des Studiums leistet. Damit würde die Förderung ihrem Anspruch besser gerecht, Bildung unabhängiger vom Elternhaus zu ermöglichen.
Bafög ist eine staatliche Hilfe für Studierende, teils aber auch für Schülerinnen und Schüler. Sie soll dafür sorgen, dass Bildung nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängt. Die Förderung soll ein Studium auch für jene möglich machen, deren Familien nicht über große finanzielle Mittel verfügen.
Einen Teil der Leistung erhalten die Geförderten als Zuschuss, einen anderen Teil müssen sie später zurückzahlen. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz Bafög, regelt diese Unterstützung. Damit ist das Bafög ein zentrales Instrument der Bildungsfinanzierung in Deutschland.
Wie viele Menschen von der Reform betroffen sind, zeigt die Statistik: Im Jahr 2024 gab es laut Statistischem Bundesamt rund 612.800 Bafög-Empfängerinnen und -Empfänger. Für sie entscheidet sich in den kommenden Monaten, wie viel Geld ihnen für Miete, Einkauf und Lebenshaltung zur Verfügung steht. Die geplante Erhöhung betrifft damit eine sechsstellige Zahl an Studierenden und Schülern. Die Zahl verdeutlicht, welche Bedeutung das Bafög für den Hochschulzugang in Deutschland hat.
Nach längerem Hin und Her in der Bundesregierung soll die Reform nun also in Gang kommen. Ob der Zeitplan hält, hängt vom weiteren Verlauf der Beratungen im Bundestag ab. Ob die ersten höheren Zahlungen tatsächlich zum nächsten Sommersemester fließen, wird sich dort entscheiden. Sowohl die Wohnkostenpauschale als auch der Grundbedarf werden neu justiert. Ziel ist es, die Förderung an die gestiegenen Lebenshaltungskosten anzupassen.



