Frei: Merz hat trotz „schrecklicher“ Umfragen nie an Rückzug gedacht
Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei, hat Spekulationen über einen möglichen Rückzug von Kanzler Friedrich Merz zurückgewiesen. Bei Markus Lanz verteidigte er den Kanzler gegen interne Kritik.
Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei, hat Spekulationen über einen möglichen Rückzug von Bundeskanzler Friedrich Merz entschieden zurückgewiesen. In der ZDF-Talksendung „Markus Lanz“ sagte Frei, der Kanzler habe „nie an Rückzug gedacht“. Damit reagierte er auf anhaltende Debatten über die Zukunft des Regierungschefs, dessen Umfragewerte seit Monaten im Keller liegen.
Hintergrund der Diskussion sind die jüngsten Meinungsumfragen, die für die Union und den Kanzler selbst äußerst schlechte Werte ausweisen. Frei selbst bezeichnete die Zahlen als „schrecklich“, warnte jedoch davor, daraus voreilige Schlüsse zu ziehen. Die Kritik an Merz komme nicht aus der Bevölkerung, sondern werde vor allem in den Medien und Teilen der eigenen Partei befeuert, so der CDU-Politiker.
Besonders bemerkenswert war Freis deutliche Kritik an drei CDU-Landeschefs, die zuletzt öffentlich Zweifel am Kurs des Kanzlers angemeldet hatten. Frei zeigte sich von deren Vorstoß „irritiert“ und mahnte Geschlossenheit an. Die Partei dürfe in einer schwierigen Phase nicht durch interne Debatten zusätzlich geschwächt werden. Die Kritik aus den eigenen Reihen sei kontraproduktiv und spiele letztlich nur der Opposition in die Hände.
In der Talkshow wurde Frei mit Aussagen konfrontiert, wonach die aktuellen Umfragewerte bei einem früheren Kanzler wie Angela Merkel zu massiven öffentlichen Diskussionen geführt hätten. Ein Kommentator brachte es auf den Punkt: „Das sind Umfragewerte, da hätte man Angela Merkel öffentlich gegrillt.“ Frei entgegnete, dass Merz sich dieser Verantwortung stelle und nicht ausweiche. Der Kanzler sei sich der Lage bewusst und arbeite mit Hochdruck an den drängenden Problemen des Landes.
Merz ist seit 15 Monaten im Amt. Die anhaltend schlechten Umfragewerte haben in der politischen Berliner Blase immer wieder Spekulationen über eine mögliche Ablösung ausgelöst. Bislang gibt es jedoch keine Anzeichen dafür, dass innerhalb der Unionsfraktion ernsthafte Bestrebungen für einen Wechsel an der Spitze existieren. Frei betonte, die Fraktion stehe geschlossen hinter dem Kanzler.
Die Diskussion bei Lanz verdeutlicht die angespannte Stimmung in der Koalition und der Union. Während die Regierung mit wirtschaftlichen Problemen, der Migrationsfrage und außenpolitischen Herausforderungen kämpft, wächst der Druck aus den eigenen Reihen. Die Landeschefs, die zuletzt kritische Töne angeschlagen hatten, fordern offenbar einen klareren Kurs und mehr kommunikative Präsenz des Kanzlers.
Ob die öffentliche Unterstützung durch Frei ausreicht, um die Debatte zu beruhigen, bleibt abzuwarten. Die nächsten Landtagswahlen und die Bundestagswahl 2029 gelten als entscheidende Bewährungsproben für Merz. Bis dahin wird die Frage nach seiner politischen Zukunft die Union weiter begleiten – auch wenn der Kanzler selbst nach Aussage seines Vertrauten keinen Gedanken an einen Rückzug verschwendet.