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Politik

Island: Befürworter von EU-Beitrittsgesprächen bei Referendum knapp vorne

Bei der Volksabstimmung in Island über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen zeichnet sich ein äußerst knappes Ergebnis ab. Nach ersten Teilergebnissen liegen die Befürworter nur hauchdünn vor den Gegnern.

Island: Befürworter von EU-Beitrittsgesprächen bei Referendum knapp vorne
Island - Teilergebnisse: Befürworter der Wiederaufnahme von EU-Beitrittsgesprächen beim Referendum knapp vorne

Bei dem Referendum in Island über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union liegt das Lager der Befürworter nach ersten Teilergebnissen knapp in Führung. Die Auszählung der Stimmen gestaltet sich als ein enges Rennen, bei dem sich Gegner und Befürworter nahezu gleichauf bewegen. Ein endgültiges Ergebnis stand zum Zeitpunkt der letzten Meldungen noch aus.

Die isländischen Wähler waren aufgerufen, darüber zu entscheiden, ob die Regierung in Reykjavik erneut Gespräche mit Brüssel über einen möglichen EU-Beitritt aufnehmen soll. Island hatte seinen Beitrittsantrag im Jahr 2015 unter konservativer Führung zurückgezogen, nachdem die Verhandlungen zuvor mehrere Jahre geruht hatten. Das aktuelle Votum gilt als richtungsweisend für die künftige außen- und wirtschaftspolitische Ausrichtung des Inselstaates.

Beobachter berichteten von einer angespannten Stimmung während der Auszählung. Während erste Hochrechnungen des isländischen Rundfunks zunächst auf einen Sieg der Gegner hindeuteten, drehte sich das Bild im Verlauf der Stimmenauszählung mehrfach. Zuletzt lagen die Befürworter einer Wiederaufnahme der Verhandlungen wieder knapp vorne. Die Skepsis gegenüber der EU sei in der Bevölkerung traditionell groß, hieß es aus dem Umfeld der Kampagnen, dennoch habe die Debatte in den vergangenen Wochen an Intensität gewonnen.

Ein zentrales Thema im Vorfeld der Abstimmung war die Frage nach der wirtschaftlichen Unabhängigkeit Islands. Befürworter argumentieren, ein Beitritt würde dem Land Zugang zu größeren Märkten und mehr politischem Gewicht in Europa verschaffen. Kritiker warnen dagegen vor einem Verlust an Souveränität, insbesondere in der Fischereipolitik, die für die isländische Wirtschaft von herausragender Bedeutung ist. Auch die gemeinsame Agrarpolitik der EU und mögliche Auswirkungen auf die heimische Landwirtschaft standen im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte.

Die endgültige Auszählung aller Stimmen wurde in den kommenden Stunden erwartet. Sollten sich die Befürworter durchsetzen, wäre dies eine politische Wende nach Jahren der Distanzierung von der Europäischen Union. Ein Sieg der Gegner würde hingegen bedeuten, dass Island seinen Kurs der engen bilateralen Zusammenarbeit mit der EU über das Europäische Wirtschaftsabkommen vorerst fortsetzt. Die Regierung in Reykjavik hat angekündigt, das Ergebnis des Referendums als verbindliche Grundlage für das weitere Vorgehen zu betrachten.

Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.