Abnehmtablette kommt im September in deutsche Apotheken
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk bringt sein Medikament Wegovy erstmals als Tablette auf den deutschen Markt. Ärzte mahnen zu strenger Auswahl der Patienten und warnen vor dem Kauf bei Online-Händlern.
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk bringt sein Abnehmmedikament Wegovy in Deutschland ab September erstmals auch als Tablette in die Apotheken. Bislang war das Medikament mit dem Wirkstoff Semaglutid nur als Spritze erhältlich. Die neue Darreichungsform soll den Zugang für Patientinnen und Patienten erleichtern, die mit Injektionen Probleme haben. Apotheken rüsten sich bereits für eine hohe Nachfrage, während der Hersteller sich nach eigenen Angaben ausreichend auf die Markteinführung vorbereitet sieht.
Wegovy gehört zur Gruppe der sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten. Der Wirkstoff zügelt den Appetit und führt dazu, dass der Magen langsamer entleert wird. Dadurch stellt sich das Sättigungsgefühl früher ein, und die aufgenommene Nahrungsmenge sinkt. In klinischen Studien wurde der Wirkstoff mit einem deutlichen Gewichtsverlust in Verbindung gebracht. Das Medikament ist in Deutschland bereits seit einiger Zeit als Injektionslösung in verschiedenen Dosierungen zugelassen und wird häufig im Rahmen einer langfristigen Gewichtsmanagement-Therapie eingesetzt.
Die Einführung der Tablette wirft jedoch Fragen zur Verschreibungspraxis auf. Ärztinnen und Ärzte mahnen, dass das Medikament nicht leichtfertig abgegeben werden dürfe. Die Auswahl der Patientinnen und Patienten müsse streng nach medizinischen Kriterien erfolgen. Zugelassen ist Wegovy für Erwachsene mit einem Body-Mass-Index von mindestens 30 oder ab 27 bei gleichzeitigem Vorliegen von Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck. Die Behandlung sollte immer in Verbindung mit einer Reduktion der Kalorienzufuhr und gesteigerter körperlicher Aktivität stehen.
Besonders warnen Fachleute vor dem Erwerb des Medikaments über Online-Händler, die nicht zu den regulären Apotheken zählen. Dort bestehe die Gefahr von Fälschungen, falschen Dosierungen oder fehlender ärztlicher Kontrolle. Auch Nebenwirkungen seien nicht zu unterschätzen. Häufig treten Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf, insbesondere zu Beginn der Behandlung. In seltenen Fällen wurden schwerwiegendere Komplikationen beobachtet, weshalb eine ärztliche Begleitung während der gesamten Therapie unerlässlich ist.
Novo Nordisk reagiert mit der Tablettenform auf einen wachsenden Markt für Gewichtsmanagement-Präparate. Weltweit steigt die Nachfrage nach Medikamenten, die bei Adipositas helfen sollen. Deutschland gilt dabei als einer der wichtigen europäischen Märkte. Die Tablettenform könnte die Therapie für viele Patientinnen und Patienten praktikabler machen, da sie keine Kühlung benötigt und einfacher einzunehmen ist als eine Injektion. Allerdings ist die Tablette nicht mit der Spritze in der Dosierung identisch, was bei der Umstellung von einer Darreichungsform auf die andere beachtet werden muss.
Die Kosten für das Medikament werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, da es sich um ein Lifestyle-Präparat handelt. Patientinnen und Patienten müssen die Ausgaben in vielen Fällen selbst tragen. Die Preise liegen je nach Dosierung und Packungsgröße im dreistelligen Bereich. Einige private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten unter bestimmten Bedingungen, jedoch ist dies von Vertrag zu Vertrag unterschiedlich. Wer das Medikament nutzen möchte, sollte sich vorab bei seiner Versicherung über die Erstattungsmöglichkeiten informieren.
Die Einführung der Tablette dürfte die Debatte über den Einsatz von Medikamenten zur Gewichtsreduktion weiter anheizen. Kritiker bemängeln, dass die Präparate das eigentliche Problem der Adipositas nicht lösen, sondern nur ein Symptom behandeln. Befürworter verweisen dagegen auf die hohe Wirksamkeit und darauf, dass Übergewicht als chronische Erkrankung anerkannt werden müsse. Die kommenden Monate werden zeigen, wie groß die Nachfrage nach der neuen Darreichungsform tatsächlich ist und ob die Apotheken dem Ansturm gewachsen sind.
