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Demokraten erobern in Texas erstmals seit Jahrzehnten Senatssitz und Gouverneursamt

Bei den US-Zwischenwahlen gewinnen die Demokraten in der republikanischen Hochburg Texas den Senatssitz und das Gouverneursamt. Gina Hinojosa wird erste Latina an der Spitze des Bundesstaats.

Demokraten erobern in Texas erstmals seit Jahrzehnten Senatssitz und Gouverneursamt
© t-online.de

Texas galt über Jahrzehnte als sichere Bank für die Republikaner. Bei den US-Zwischenwahlen hat sich dieses Bild nun verschoben: Die Demokraten sicherten sich erstmals seit Jahrzehnten den Senatssitz des Bundesstaats und setzten sich auch bei der Gouverneurswahl durch. Der Triumph gilt als historisch und stieß auf große Aufmerksamkeit, nicht zuletzt weil Texas in der deutschen Wahrnehmung als Inbegriff einer konservativen Hochburg gilt, geprägt von der Ölförderung, einer strengen Einwanderungspolitik und dem Waffenbesitz.

Der demokratische Senatskandidat James Talarico feierte den Sieg am späten Abend (Ortszeit) unter großem Jubel. «Wir haben gerade Texas zurückerobert», sagte der 37-Jährige. Die «Politik der Spaltung» sei der «Politik der Liebe» nicht gewachsen. Mit Blick auf Präsident Donald Trump und den Tech-Milliardär Elon Musk erklärte er, die Demokraten hätten gegen «den reichsten Mann der Welt, den mächtigsten Mann der Welt und das gesamte Establishment von Washington D.C.» gewonnen. Talarico, der früher als Lehrer arbeitete und 2018 erstmals ins Repräsentantenhaus des Bundesstaats gewählt wurde, setzte sich gegen den republikanischen Kandidaten Ken Paxton durch. Er verwies auf die biblische Geschichte von David gegen Goliath; die Allianz von Trump und Musk sei sein übermächtiger Goliath gewesen. Es ist der erste Senatssieg eines Demokraten in Texas seit 1988.

Auch bei der Gouverneurswahl gab es einen Machtwechsel. Die 52-jährige Gina Hinojosa setzte sich gegen den republikanischen Amtsinhaber Greg Abbott durch und wird damit die erste Latina an der Spitze des südlichen Bundesstaats. Menschen mit Wurzeln in Lateinamerika machen knapp 41 Prozent der Bevölkerung in Texas aus. «Wir haben heute die Welt erschüttert», sagte Hinojosa. «Wir haben gezeigt, dass alles möglich ist.» Seit 1995 hatten stets Republikaner das Amt des texanischen Gouverneurs innegehabt. Die Demokraten nahmen den Republikanern zudem weitere wichtige Ämter in der Landespolitik ab. Die Zeitung «Houston Chronicle» titelte: «Die blaue Welle erfasst Texas».

Hinojosa setzte sich trotz prall gefüllter Wahlkampfkassen und prominenter Unterstützung für Abbott durch, zu dessen Helfern unter anderem ein Ölmogul sowie Musk zählten. Musk, der mehrere Firmensitze und den Weltraumbahnhof Starbase in Texas hat und eine Halbleiterfabrik in dem Bundesstaat plant, unterstützte den republikanischen Kandidaten Paxton nach Berichten mit gut 150 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 134 Millionen Euro. Der rasante Ausbau von Rechenzentren sorgte zunehmend für Widerstand, den Hinojosa für sich nutzte. Sie warf Abbott vor, Politik für Milliardäre zu machen und das Leben in Texas in seinen Amtszeiten stark verteuert zu haben. Er habe mit einer offenen Tür für Rechenzentren die Interessen der reichen Tech-Industrie über die seiner Mitbürger gestellt.

Trump, der die Präsidentschaftswahl 2024 in Texas mit 56 Prozent gewonnen hatte, ließ Abbott kurz nach Bekanntwerden des Ergebnisses fallen. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb der US-Präsident, Abbott hätte die Wahl nicht verloren, wenn er in den vergangenen Monaten nicht zum «RINO» geworden wäre, einem «Republican in Name Only», also einem Politiker, der zwar offiziell den Republikanern angehört, nach Trumps Ansicht aber deren Grundsätze nicht vertritt. Trump hatte zuvor auch Paxton in der parteiinternen Vorwahl ausdrücklich unterstützt. Wie sehr der Präsident und seine Partei um den Senatssitz bangten, zeigte sich daran, dass er im Wahlkampf mehrfach in Texas Station machte. Bei einer Veranstaltung in San Antonio Anfang Oktober forderte er seine Anhänger auf: «Stimmt für Ken. Bringt ihn da rein.» Bereits im September hatten die Republikaner ihren ersten großen Parteitag vor den Zwischenwahlen in Dallas abgehalten.

Die Zeitung «The Dallas Morning News» kommentierte, die lange Ära der Einparteienherrschaft in Texas sei vorbei. Der Bundesstaat, «der mächtigste und verlässlichste aller tiefrot-republikanischen Bundesstaaten», sei nun demokratisch-blau. Zugleich bestehe Ungewissheit darüber, wie die Demokraten regieren würden, und Texas bleibe trotz der Ergebnisse im Grunde konservativ. Talarico hatte im Wahlkampf erklärt, er wolle in Washington für ein bezahlbares Leben und gegen Korruption kämpfen, und Paxton als Inbegriff eines korrupten Systems dargestellt. Zudem machte er immer wieder seinen christlichen Glauben zum Thema und setzte auf eine Botschaft der Nächstenliebe. Texas beschrieb er als Bundesstaat, dessen Stärke in seiner kulturellen Vielfalt liege. Unterstützung erhielt er auch aus der Familie der früheren Präsidenten George W. Bush und George H.W. Bush, einer der Dynastien der Republikaner in Texas.

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Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.