Eurostaaten suchen Nachfolger für EZB-Präsidentin Christine Lagarde
Christine Lagarde verlässt die Europäische Zentralbank zum 7. Februar. Die Eurostaaten müssen nun einen Nachfolger finden, mehrere Namen werden gehandelt, darunter der Spanier Pablo Hernández de Cos, der Niederländer Klaas Knot und Bundesbank-Chef Joachim Nagel.
Die Eurostaaten suchen einen neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Die Französin Christine Lagarde hat ihren Rücktritt zum 7. Februar angekündigt, und schon in wenigen Tagen könnte über ihre Nachfolge entschieden werden. Die Staats- und Regierungschefs der 21 Eurostaaten müssen eine Lösung finden. Bis diesen Freitag sollen die Euroländer ihre Kandidaten nominieren, am Montag (9.11.) will die Eurogruppe eine Bestandsaufnahme vornehmen.
Lagarde wird das Amt nur noch bis zu den beiden geldpolitischen Sitzungen des EZB-Rates im Dezember und im Februar führen. Überraschend kam ihre Ankündigung nicht. Lange wurde spekuliert, die frühere IWF-Chefin werde die Notenbank vor dem Ende ihrer achtjährigen Amtszeit im Oktober 2027 verlassen. Als Favoriten gelten mehrere Namen, darunter auch Bundesbank-Chef Joachim Nagel.
Als einer der aussichtsreichsten Kandidaten gilt der Spanier Pablo Hernández de Cos. Er führt seit dem 1. Juli 2025 die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, die als Zentralbank der Zentralbanken gilt. Zuvor war er von 2018 bis 2024 Chef der spanischen Notenbank und in dieser Funktion Mitglied des EZB-Rats. Der 55-Jährige hat in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Madrid promoviert und zudem Abschlüsse in Betriebswirtschaftslehre und Jura. Seine Karriere begann 1997 bei der spanischen Zentralbank. 2004 wechselte er als Berater des EZB-Direktoriums nach Frankfurt, 2015 wurde er Generaldirektor für Wirtschaft, Statistik und Forschung. Das Nachrichtenmagazin „Politico“ schreibt, er habe das Ansehen der spanischen Zentralbank nach einer Reihe von Fehltritten vor und während der Finanzkrise wiederhergestellt.
Für Hernández de Cos spricht laut Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, dass Spanien seit Bestehen der EZB noch nie den Vorsitz innehatte. In früheren Jahren sei er mit Äußerungen für eine lockere Geldpolitik aufgefallen. „Ein gemäßigter Geldpolitiker dürfte derzeit von vielen Regierungen bevorzugt werden“, sagt Gitzel.
Der Niederländer Klaas Knot gilt dagegen als Vertreter einer straffen Geldpolitik. Der 59-Jährige war vom 1. Juli 2011 bis zum 30. Juni 2025 Präsident der niederländischen Zentralbank. Im EZB-Rat stellte er sich offen gegen die zeitweise sehr lockere Geldpolitik der EZB und steht damit auf einer Linie mit der Bundesbank. Von Dezember 2021 bis Juli 2025 war er Vorsitzender des Finanzstabilitätsrats FSB, der Schwachstellen im weltweiten Finanzsystem identifizieren und deren Beseitigung überwachen soll. Knot studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Groningen und promovierte 1995 in Volkswirtschaftslehre. Er arbeitete unter anderem beim Internationalen Währungsfonds in Washington und war von 2009 bis 2011 im niederländischen Finanzministerium tätig.
Auch Joachim Nagel wird genannt. Der 60-Jährige führt seit Januar 2022 die Deutsche Bundesbank und kehrte damit an seine alte Wirkungsstätte zurück, bei der er bereits ab 1999 viele Jahre gearbeitet hatte. Anfang Dezember 2010 rückte er in den Vorstand auf und war dort bis zu seinem Abschied Ende April 2016 für Märkte und Informationstechnologie zuständig. Danach wechselte der gebürtige Karlsruher zur staatlichen Förderbank KfW, wo er die Förderung von Entwicklungs- und Schwellenländern verantwortete. Vor seiner Berufung an die Bundesbank-Spitze war er stellvertretender Leiter der Bankabteilung bei der BIZ.
Deutschland, die größte Volkswirtschaft Europas, hat ebenfalls noch nie den EZB-Präsidentenposten besetzt. Bislang gibt es jedoch keine Anzeichen, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen Wechsel des SPD-Mitglieds Nagel zur EZB unterstützen würde. Als größtes Hindernis gilt, dass mit Ursula von der Leyen bereits die EU-Kommission in deutscher Hand ist. Zwei Deutsche an der Spitze so wichtiger europäischer Institutionen dürften im Brüsseler Personalpoker schwer durchsetzbar sein.
Quelle: stern.de
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