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Bundesbank-Präsident Nagel erwartet EZB-Zinserhöhung im Dezember

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hält eine Anhebung des EZB-Leitzinses im Dezember für sehr wahrscheinlich. Auslöser ist die gestiegene Inflation im Euroraum, die vor allem auf höhere Energiepreise zurückgeht.

Bundesbank-Präsident Nagel erwartet EZB-Zinserhöhung im Dezember
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Die Europäische Zentralbank steuert nach Einschätzung von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel auf eine Zinserhöhung im kommenden Monat zu. Nach aktueller Lage sei eine Anhebung « sehr wahrscheinlich notwendig », sagte Nagel, der Mitglied des EZB-Rates ist, laut Redetext am Abend in Berlin.

Nagel begründete seine Einschätzung mit der Preisentwicklung im Euroraum. « Aus heutiger Sicht dürfte kaum ein Weg an einer Zinserhöhung vorbeiführen, wenn sich der Inflationsausblick nicht deutlich verbessert. » Der EZB-Rat kommt am 17. Dezember zu seiner nächsten geldpolitischen Sitzung zusammen. Die Entscheidung fällt also in einer Phase, in der die Notenbank ihre Einschätzung zur Teuerung laufend überprüft.

Die Teuerungsrate liegt derzeit deutlich über dem Ziel der Notenbank. Im September lagen die Verbraucherpreise im Euroraum um 3,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das ist der höchste Wert seit drei Jahren. Vor allem höhere Energiepreise treiben die Inflation an, die auf den Iran-Krieg zurückgeführt werden. Dieser Krieg wirkt damit unmittelbar auf die Lebenshaltungskosten der Menschen im Währungsraum.

Bereits im laufenden Jahr hatten die Euro-Währungshüter als Antwort auf die gestiegene Teuerung zweimal die Leitzinsen angehoben. Bei ihrer Sitzung in der vergangenen Woche beließen sie den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins jedoch bei 2,5 Prozent. Für Sparer bedeutet dieser Satz, dass sich Geld auf Konten derzeit vergleichsweise gut verzinst, während Kredite für Banken und Kunden teurer werden.

Höhere Leitzinsen verteuern Kredite. Das kann die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen. Zugleich belasten höhere Zinsen alle, die investieren wollen, und können die Konjunktur bremsen. Die Abwägung zwischen Preisstabilität und wirtschaftlicher Entwicklung prägt daher die aktuellen Entscheidungen der Notenbank.

Nagel warnte zudem vor Zweiteffekten. « Aus unserer Sicht ist es inzwischen sehr wahrscheinlich, dass der Inflationsdruck höher ausfällt, als im September erwartet », sagte er. Wiederholte Preisschübe bei Energie könnten nach seinen Worten auch die Preise anderer Waren und Dienstleistungen stärker nach oben treiben und zunehmend auf die Lohnforderungen durchschlagen. Dies würde wiederum die Preise nach oben treiben.

Nach jüngster Einschätzung der EZB müssen sich die Menschen im Euroraum bis mindestens 2027 auf eine erhöhte Teuerung einstellen. Die EZB strebt mittelfristig für den inzwischen 21 Länder umfassenden Euroraum eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an. Dieses Ziel sieht die Notenbank als Kern ihres Auftrags, einen stabilen Euro zu sichern und die Kaufkraft der Menschen zu erhalten. Ob die Preise in den kommenden Monaten tatsächlich weiter steigen, wird damit zu einer zentralen Frage für die Geldpolitik im Euroraum.

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Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.