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Biontech-Betriebsrat kritisiert Vorstand wegen Umgang mit Mitarbeitern

Der Betriebsrat des Mainzer Impfstoffherstellers wirft der Unternehmensführung in einem offenen Brief vor, Beschäftigte in der laufenden Transformation alleinzulassen. Das Unternehmen nimmt die Vorwürfe nach eigenen Angaben ernst und sucht den Dialog.

Biontech-Betriebsrat kritisiert Vorstand wegen Umgang mit Mitarbeitern
© zeit.de

Der Betriebsrat von Biontech hat den Vorstand des Mainzer Unternehmens in einem offenen Brief scharf kritisiert. Das Schreiben wirft der Unternehmensführung vor, mit den Beschäftigten im Umbruch nicht angemessen umzugehen. Darin ist von konkreten Meldungen zu Sexismus, Rassismus, Diskriminierung und Drohungen die Rede. Das Unternehmen teilte mit, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen. Zuerst hatte das „Handelsblatt“ über den Brief berichtet, der Deutschen Presse-Agentur liegt das Schreiben nach eigenen Angaben vor.

Laut dem Brief sind Mitarbeitende durch Umstrukturierungen und die angekündigte Schließung von Standorten verunsichert und fühlen sich dadurch belastet. Beschäftigte hätten dem Betriebsrat von Zukunfts- und Arbeitsplatzängsten berichtet und sich mit ihren Sorgen alleingelassen gefühlt. In einzelnen Bereichen nehmen sie einen Stillstand bei Entscheidungen wahr. Der Betriebsrat spricht zudem von „toxischen Arbeitsplatzsituationen“. Der Vorstand wird in dem am Montag zugestellten Brief aufgefordert, zeitnah für Klarheit und Verlässlichkeit zu sorgen.

Biontech erklärte, es sei nun wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen und Gerüchte von gesicherten Fakten zu unterscheiden. Das Unternehmen suche vorrangig den Dialog mit der Arbeitnehmervertretung. Zugleich betonte Biontech, weder Vergeltungsmaßnahmen gegen Hinweisgeberinnen und Hinweisgeber noch Diskriminierung, Sexismus, Rassismus oder Drohungen zu tolerieren. Wesentliche Entwicklungen im Unternehmen würden über die geeigneten Kanäle mitgeteilt. „Von einem Stillstand im operativen Geschäft kann jedoch keine Rede sein“, hieß es weiter.

Der Konflikt fällt in ein für das Unternehmen bewegtes Jahr 2026. Biontech, das mit seinem Covid-19-Impfstoff während der Corona-Pandemie bekannt und finanziell erfolgreich wurde, schreibt rote Zahlen, vor allem wegen hoher Ausgaben für die Entwicklung neuer Produkte, etwa in der Onkologie. Das Unternehmen kündigte an, die Standorte Tübingen Ende 2027, Marburg Anfang 2028 und Idar-Oberstein Ende 2028 zu schließen. Damit betrifft der Umbau mehrere Standorte gleichzeitig, und die Sorgen im Betrieb richten sich vor allem auf die Frage, wie es für die Belegschaft weitergeht.

Auch an der Spitze des Unternehmens gibt es Veränderungen. Die Mitbegründer Ugur Sahin und Özlem Türeci scheiden bis spätestens Ende dieses Jahres aus und werden in einem neuen Unternehmen namens Arife tätig. Als Nachfolger Sahins steht Guido Oelkers fest, der spätestens zum 1. Februar 2027 Vorstandsvorsitzender wird und vom schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum (Sobi) kommt. Wer auf Türeci als medizinische Vorständin folgt, ist noch offen. Der Brief des Betriebsrats fällt damit in eine Phase, in der sowohl die Führungsebene als auch die Standortstruktur neu geordnet werden.

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Florian Lorenz

Autor

Sportredakteur

Florian Lorenz berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.